Kultur

Humboldt Forum: Teil-Eröffnung im Dezember

Ausstellungsbereiche des Landes Berlin, der Humboldt-Universität und der Staatlichen Museen werden aber erst 2021 Jahr zugänglich sein

Die Statuen von Kaisern und Kurfürsten sind im dritten Stock aufgestellt worden.

Die Statuen von Kaisern und Kurfürsten sind im dritten Stock aufgestellt worden.

Foto: Reto Klar / FUNKE Foto Services

Eine weitere, auch eine monatelange Verzögerung hätte in den Zeiten der Corona-Pandemie wohl niemanden erstaunt. Und doch konnte Hans-Dieter Hegner, seit 2016 Vorstand für den Baubereich der Stiftung Humboldt Forum im rekonstruierten Berliner Schloss, am Freitag ein Eröffnungsszenario verkünden, das mit leichten Einschränkungen an die zuletzt gefassten Pläne erinnert. Demnach soll das große Renommierprojekt in Berlins historischer Mitte nach knapp achtjähriger Bauzeit ab Dezember 2020 in drei großen Etappen für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Den Anfang machen nach Angaben der Stiftung Mitte Dezember der Schlosskeller, die Außenanlagen und das Erdgeschoss. Im Keller des Gebäudes sind die dort seit 2008 freigelegten originalen Räumlichkeiten mitsamt einiger Monumentalskulpturen von Andreas Schlüter zu besichtigen. Zum Außenbereich gehören der rund um die Uhr zugängliche Schlüterhof und die anliegende Passage, die den Lustgarten mit der Breiten Straße verbindet. Das Erdgeschoss schließlich soll mit Veranstaltungssälen, Shops und gastronomischen Einrichtungen zum kulturellen Treffpunkt werden.

Schau „Berlin Global“ auf 4000 Quadratmetern

Im Januar werden den aktuellen Plänen gemäß dann die in ihren Vorbereitungen bereits fortgeschrittenen Ausstellungen im ersten Obergeschoss folgen: Auf 4000 Quadratmetern präsentieren Kulturprojekte und Stadtmuseum ihre Schau „Berlin Global“, während die Humboldt-Universität unter Leitung des Kurators Gorch Pieken auf einer Fläche von 750 Quadratmetern ihr „Humboldt Labor“ zeigt, das sich als Ideenwerkstatt und als Informationsplattform für die Berliner Exzellenzcluster versteht und darüber hinaus auch Objekte aus den universitären Sammlungen zeigt. Im Sommer und zum Jahresende 2021 schließlich sollen das zweite und das dritte Obergeschoss das Angebot komplettieren: Hier werden die Sammlungen des Museums für Asiatische Kunst und das Ethnologische Museum mit rund 20.000 Exponaten auf rund 14.000 Quadratmetern Quartier beziehen.

Beim Ortstermin am Freitag wurde deutlich, wie in allen Bereichen Ausstellungsobjekte installiert werden oder bereits fertig gestellt worden sind. Dazu zählen einige Objekte der Kunst am Bau wie zum Beispiel die Wandinstallation „Zeitmaschine“ des Bildhauers und Licht-Installationskünstlers Stefan Sous, der 66 verschiede große Uhren auf einer Wandfläche vor der Berlin-Ausstellung aufgehängt hat und mit ihnen an das nicht nur internationale, sondern auch in Deutschland reale Chaos der Uhrzeiten vor der weltweiten Einführung von Zeitzonen am Ende des 19. Jahrhunderts erinnert.

„Statue of Limitations“ setzt sich mit Folgen des Kolonialismus auseinander

Im zentralen Treppenhaus steht eine patinierte Bronzeplastik in Form einer schwarzen Flagge auf Halbmast, deren oberes Drittel von der Decke abgeschnitten zu sein scheint. Sie stammt vom Berliner Künstler und ehemaligen Ai-Weiwei-Assistenten Kang Sunkoo, heißt „Statue of Limitations“ und setzt sich mit den Folgen des Kolonialismus auseinander: Ihr oberes Drittel soll auf dem Nachtigalplatz in Wedding aufgestellt werden, dessen Namensgeber zu den treibenden Kräften des Kolonialismus in Afrika zählte.

Fragen nach der Herkunft der Exponate werden sich im Humboldt Forum zuhauf stellen – und auch nach der Eröffnung Gegenstand intensiver Debatten bleiben. So werden unterhalb der Kuppel im dritten Obergeschoss derzeit die Gemälde der „Höhle der 16 Schwertträger“ aufgebaut, die ihrerseits in einer höhlenartigen Konstruktion gezeigt werden sollen. Die aus dem 5. bis 6. Jahrhundert stammenden Bilder waren ursprünglich Teil einer buddhistischen Tempelanlage, die während der „Turfan-Expeditionen“ zwischen 1902 und 1914 unter Leitung von Albert Grünwedel (1856-1935) an der nördlichen Seidenstraße entdeckt, ausgebaut und nach Berlin verbracht wurden. Es wird die Aufgabe der Ausstellungseinrichtung sein, über den jeweils aktuellen Stand der Provenienzforschung zu den ausgestellten Stücken ausführlich zu informieren.

Geschichte des Schlossplatzes wird überall thematisiert

Die Geschichte des Schlossplatzes und seiner Umgebung selbst wird an 35 Orten überall im Gebäude thematisiert. Bereits aufgestellt sind im 3. Obergeschoss Kurfürsten- und Kaiserstatuen aus dem Berliner Schloss, die aus den Jahren 1685-1690 datieren und in direkter Nachbarschaft zu den Kisten gezeigt werden sollen, mit denen Deutschlands letzter Kaiser Wilhelm II. 1918 ins Exil floh.

Aber auch der inzwischen von der historischen Bildfläche verschwundene Palast der Republik wird im Humboldt Forum zitatweise einen Wiederauftritt erleben – etwa mit dem Bronzerelief „Lob des Kommunismus“ von Jo Jastram aus dem Foyer der Volkskammer. „Mehrdeutigkeit ist unsere DNA“ lautet das Diktum von Hartmut Dorgerloh, dem Generalintendanten des Humboldt Forums. Ob aus ihr auch Sinnstiftendes erwachsen kann, wird erst das kommende Jahr zeigen.