Oberbaumbrücke

Radweg missraten: Herrmann gibt Senatorin Günther Schuld

Der Radweg auf der Oberbaumbrücke ist zu schmal. Der Senat bessert nach. Monika Herrmann: "Man hätte es gleich richtig machen können"

Monika Hermann (l.) kritisiert ihre Parteifreundin Regine Günther.

Monika Hermann (l.) kritisiert ihre Parteifreundin Regine Günther.

Foto: dpa, pa, Montage BM

Berlin. Die Bezirksbürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg, Monika Herrmann (Grüne), sieht bei der Arbeit des rot-rot-grünen Senats noch viel Verbesserungspotenzial. „Der rot-rot-grüne Koalitionsvertrag ist der beste, den Berlin je hatte“, sagte Herrmann der Tageszeitung „taz“ in einem Interview. Nach drei Jahren grüner Regierungsbeteiligung sei jedoch „noch verdammt viel Luft nach oben“. Explizit kritisierte die Grünen-Bürgermeisterin ihre Parteifreundin und Verkehrssenatorin Regine Günther – mit Blick auf den Radweg auf der Oberbaumbrücke. Allerdings stehe die Unzufriedenheit mit Günther nicht mit der eigenen Absicht in Zusammenhang, das Bürgermeisteramt 2021 niederzulegen, stellte Hermann klar.

Kritiker hatten bemängelt, dass er nicht genug gegen den Autoverkehr geschützt sei und mit einer Breite von 1,85 Metern pro Seite zu schmal ausfalle. „Wir sind jetzt im Jahr Drei der rot-rot grünen Regierungskoalition und im Jahr Zwei des Mobilitätsgesetzes“, sagte Herrmann. „Über die Oberbaumbrücke bewegen sich die meisten Menschen mit dem Rad. Ich frage mich, warum man jetzt nachbessern muss. Man hätte es gleich richtig machen können.“ Tatsächlich ist die Senatsverkehrsverwaltung derzeit mit einer weiteren Überarbeitung des im Oktober neu eröffneten Radwegs über das Wahrzeichen des Bezirks Friedrichshain-Kreuzbergs befasst.

Radweg ist zu schmal - Experten prüfen

Nach der Kritik aus der Radfahrer-Lobby würden nun „weitere Elemente zur Verkehrsführung und -sicherung“ installiert, wie es von der Verwaltung heißt. Bei der Nachrüstung von Schutzvorkehrungen sollen aber keine Poller zum Einsatz kommen, da dies den Anforderungen des Denkmalschutzes der Brücke widerspricht. Auch die zu geringe Breite des Radwegs, die Kritiker bemängeln, wird noch einmal überprüft. Zuvor hatte die Initiative „Changing Cities“ Beschwerde eingereicht, weil die jetzige Verkehrsführung den Anforderungen des Berliner Mobilitätsgesetzes widerspreche. Hier ist ausdrücklich vorgesehen, dass Radspuren unter der Maxime der Unfallvermeidung anzulegen sind – und im Zweifelsfall gegen das Befahren mit Autos geschützt werden müssen.

Auch zur Kritik an ihrer eigenen Amtsführung äußerte sich Herrmann im Gespräch mit der „taz“ – und räumte ein, gern zu polarisieren: „Ich bin nicht für mein ausgleichendes Temperament bekannt. Das gebe ich gern zu.“ Es sei im Amt von Vorteil, „angstfrei zu sein“ und „das Maul aufzumachen“. Sie nutze Medien und Öffentlichkeit aus, um Druck zu erzeugen, räumte die Grünen-Politikerin ein. Dass sich in Friedrichshain-Kreuzberg gesellschaftliche Konflikte entladen, gehöre zum Selbstverständnis. Der Bezirk sei der „Seismograph dieser Stadt“.

Drogenhandel verlagert sich an die U-Bahnhöfe

Beim Thema Drogenhandel am Görlitzer Park sieht Monika Herrmann eine Wanderungsbewegung. Die Drogengeschäfte fänden nun verstärkt an den U-Bahnhöfen Görlitzer Bahnhof und Schlesisches Tor statt. Sie gehe aufgrund von Polizeiangaben davon aus, dass derzeit mehr als 200 Dealer im Park und im ganzen Gebiet bis zu 1000 Drogenverkäufer aktiv seien. Zugleich zeigte Herrmann Verständnis für die persönliche Situation der Dealer und sagte, der Drogenhandel in Kreuzberg sei „ein hausgemachtes Problem aufgrund von Unmenschlichkeit“. Dass die Dealer einem Geschäft nachgehen, mit dem sie Gesetze brechen, habe damit zu tun, dass sie nicht legal arbeiten dürften. (mit dpa)