Verkehr

Oberbaumbrücke: So gefährlich sind die neuen Radwege

Die neuen Radwege auf der Oberbaumbrücke sorgen für scharfe Kritik. Was an ihnen gefährlich ist.

Die Oberbaumbrücke, von Friedrichshain aus gesehen (Archivbild).

Die Oberbaumbrücke, von Friedrichshain aus gesehen (Archivbild).

Foto: Patrick Goldstein

Kaum sind die neuen Spuren auf der Oberbaumbrücke eröffnet, gibt es scharfe Kritik. Die Aktivisten der Verkehrsinitiative Changing Cities sagen, die neue Breite der Radwege widerspreche den Vorgaben des Mobilitätsgesetzes.

Die im Juli vergangenen Jahres in Kraft getretene Vorschrift legt fest, dass Radwege zukünftig „so gestaltet werden, dass sich Radfahrende sicher überholen können“. Und: „Die Radverkehrsanlagen sollen so gestaltet werden, dass unzulässiges Befahren und Halten durch Kraftfahrzeuge unterbleibt.“ Die Sprecherin von Changing Cities, Ragnhild Sørensen, sagt jedoch, gerade die neue Lage auf der Oberbaumbrücke stelle eine Gefährdung für Radfahrer dar. Zuerst hatte der „Tagesspiegel“ berichtet.

Oberbaumbrücke: Fahrradstreifen wurde auf 2 Meter verbreitert

Wie berichtet, werden in diesem Monat die Straßenarbeiten auf der Brücke beendet. Am Montag war sie bereits frei befahrbar. Der Fahrradstreifen nach Friedrichshain wurde von 1,35 Meter auf 2 Meter verbreitert, plus 80 Zentimeter breitem Sicherheitsstreifen als Begrenzung zur Fahrbahn. Nach Kreuzberg ist noch keine Markierung aufgetragen. Auch dort wird der Radfahrstreifen zwei Meter breit sein, statt zuvor 1,60 Meter, mit wiederum plus 80 Zentimetern Sicherheitsstreifen.

Für Kraftfahrzeuge fiel in jede Richtung eine Spur weg. Die Spuren wurden jeweils auf 4,45 Meter beschränkt, zuvor waren es sechs Meter pro Richtung für zwei Spuren. Ein halber Meter trennt die Richtungsspuren in der Mitte. Die Gehwege sind nach Abschluss unter den U-Bahn-Arkaden vier Meter, und gegenüber drei Meter breit.

Zwei Autos auf der einen Spur - Pkw auf Sicherheitsstreifen

Das klingt gut, stellt aber in der Praxis eine Gefährdung derer dar, die auf zwei Rädern unterwegs sind. Belege für die neue chaotische Situation finden sich bereits auf Twitter. Ein Bild etwa zeigt, wie zwei Autos auf der einen verbliebenen Spur fahren. Weil es da natürlich zu eng ist, rollt ein Pkw auf dem Sicherheitsstreifen. Daneben ist, nur eine Armlänge entfernt, ein Radfahrer unterwegs.

„Der Radweg muss breiter sein“, sagt Ragnhild Sørensen. „Durch die überbreite Autospur wird es zu Konflikten mit den Radfahrern kommen.“ Changing Cities fordert einerseits, ebenso wie der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club Berlin e.V., Radfahrwege mit einer Breite von 2,50 Metern. Erst dies lasse ein angemessenes Überholen unter Velofahrern zu.

Forderung: Blumenkästen oder Kante sollen Radfahrer schützen

„Darüber hinaus wird in den kommenden Jahren der Verkehr durch E-Roller oder E-Bikes auf dieser von Radfahrern meistbefahrenen Brücke Berlins zunehmen“, sagt Sørensen. Zudem müsse es auf der Oberbaumbrücke einen deutlicheren Schutz für sie geben. „Etwa durch Blumenkästen oder eine Kante.“ Poller lasse der Denkmalschutz dort nicht zu.

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Bei der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz erklärte eine Sprecherin dagegen, die Breite von zwei Metern entspreche den Ausführungsvorschriften, die die Grundlage für planerische Entscheidungen bei Radfahrstreifen bildet. Sie hob hervor, dass es den zusätzlichen Abstand von 80 Zentimetern gebe, und dass durchgezogene weiße Linien nicht überfahren werden dürfen. Zur Möglichkeit, einer schützenden Trennung zwischen Rad und Auto sagte sie, man wolle zunächst beobachten, wie sich das Nebeneinander entwickelt.