Mietendeckel in Berlin

Berliner Volksbank legt Investitionen auf Eis

Die Berliner Volksbank saniert wegen des geplanten Mietendeckels eigene Wohnungen vorerst nicht mehr. Auch Kunden seien zurückhaltend.

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Berlin. Die Berliner Volksbank legt wegen des geplanten Mietendeckels von Rot-Rot-Grün in Berlin Investitionen in den eigenen Bestand von Wohnungen auf Eis. Das sagte der Vorstandsvorsitzende der Genossenschaftsbank, Carsten Jung, am Montag vor Journalisten.

„Wir haben rund 1,4 Millionen Euro in diesem Jahr zurückgehalten, die wir ansonsten in die Sanierung unserer Wohnungen investiert hätten“, erklärte er. Der in der deutschen Hauptstadt durch den rot-rot-grünen Senat beschlossene Mietendeckel verunsichert demnach verstärkt Investoren.

Jung begründete die verschobenen Sanierungen mit der geringen Aussicht auf Refinanzierung der Investitionen sowie mit der derzeit herrschenden Rechtsunsicherheit. Die Berliner Volksbank besitzt nach eigenen Angaben in der deutschen Hauptstadt rund 2000 Wohnungen.

Mietendeckel in Berlin: Ausgaben bei Volksbank für Sanierung von Immobilien nicht sicher

Auch die im kommenden Jahr geplanten Ausgaben für die Sanierung der eigenen Wohnimmobilien seien keinesfalls sicher, sagte Jung. Noch 2018 hatte die Volksbank mehr als vier Millionen Euro in die Renovierung ihres Berliner Bestandes investiert. Pro Wohneinheit kalkuliere das Geldinstitut, so Jung, mit Sanierungskosten von rund 20.000 Euro. „Wir reden keinesfalls über Luxussanierungen“, erklärte er. Durch den Mietendeckel sehe er aber nur wenig Chancen, die Ausgaben zu refinanzieren.

Der Berliner Senat hatte in der vergangenen Woche den landesweiten Mietendeckel auf den Weg gebracht. Per Gesetz will die Koalition die Mieten für etwa 1,5 Millionen vor dem Jahr 2014 fertig gestellte Wohnungen für fünf Jahre einfrieren. Hinzu kommen Obergrenzen für Neuvermietungen und Grenzen für Bestandsmieten. Die Rechtmäßigkeit des Mietendeckels ist umstritten. Die Opposition hat bereits angekündigt, gegen die geplante Mietpreisregulierung klagen zu wollen.

Sinkendes Zinsergebnis setzt Berliner Volksbank unter Druck

Berliner-Volksbank-Chef Jung sieht deswegen nun eine Phase der Unsicherheit auf Vermieter und Wohnungsbesitzer in Berlin zukommen. Ein Teil des Volksbank-Geschäfts mache auch die Finanzierung von Sanierungsarbeiten aus. Kunden seien die Berliner Genossenschaften, Privatkunden, aber auch kleinere Handwerksbetriebe.

Gerade die Wirtschaft aber benötige verlässliche Rahmenbedingungen, sagte Jung. „Wir haben bereits festgestellt, dass unsere Kunden mit Investitionen in dem Bereich erstmal zurückhaltend sind“, erklärte er.

Berliner Volksbank hatte verstärkt in Wohnimmobilien investiert

Die Volksbank selbst hatte in den vergangenen Jahren verstärkt in Wohnimmobilien investiert, auch, um die rückläufigen Zinserträge auffangen zu können. Allein zwischen 2014 und 2019 habe die Genossenschaftsbank rund 50 Millionen Euro Zinsergebnis verloren, beklagte Jung. Ein Grund dafür sei das anhaltend niedrige Zinsumfeld. Erst im September hatte die Bank angekündigt, ab Oktober auf neu eröffnete Konten ab einer bestimmten Summe negative Zinsen in Höhe von 0,5 Prozent zu verlangen.

Während private Neukunden ab 100.000 Euro den Negativzins zahlen müssen, liegt die Grenze bei gewerblichen Neukunden bei 500.000 Euro. Der Strafzins bezieht sich laut Volksbank aber nicht auf die komplette Einlage, sondern nur auf den Teil, der den Freibetrag übersteigt.

Volksbank hat derzeit 1700 Mitarbeiter

Für das laufende Geschäftsjahr kündigte Jung ein „ordentliches Ergebnis“ an. Im vergangenen Geschäftsjahr hatte die Berliner Volksbank einen Jahresüberschuss von 21,1 Millionen Euro erreicht und davon 16,8 Millionen Euro als Dividende an die Genossenschaftsmitglieder ausgeschüttet. Auch für 2019 kündigte Jung mit Blick auf die Dividende ein „attraktives Angebot“ an.

Die Herausforderungen für die Berliner Volksbank seien aber nach wie vor groß, sagte Jung. Neben der Niedrigzinsphase setzten auch der digitale Wandel sowie das veränderte Kundenverhalten das Geldhaus unter Druck. Die Bank hat deshalb schon vor einiger Zeit damit begonnen, das Filialnetz auszudünnen. Waren es 2017 noch 75, liegt die Zahl der Filialen momentan bei 58. Damit einher ging auch ein Personalabbau. Derzeit beschäftigt das Institut in Berlin und Brandenburg etwa 1700 Mitarbeiter, vor dem eingeschlagenen Sparkurs waren weit mehr als 2000 Beschäftigte für die Berliner Volksbank tätig.

Volksbank-Chef: Bedeutung von Bargeld nimmt ab

Auch wenn immer weniger Kunden die Filialen aufsuchten, sei es für die Volksbank wichtig, weiter in der Stadt präsent zu sein, so Jung. Nicht abschließend geklärt ist aber offenbar, welchen und wie viel Service das Institut künftig noch in seinen Filialen anbieten wird.

Ab Januar teste sein Haus die sogenannten „Berliner Volksbank Shops“, sagte Jung. An den vergleichsweise kompakten Standorten solle dann ein Basis-Angebot an Servicedienstleistungen verfügbar sein, kündigte der Vorstandsvorsitzende an. Zunächst solle es stadtweit zwei dieser Shops geben.

Mit Blick auf die Versorgung mit Bargeld in den Shops kündigte Jung unterschiedliche Konzepte an. So solle an einem Shop gar kein Geldautomat aufgestellt werden. Immer mehr Menschen nutzen das Smartphone für Bezahlvorgänge, sagte Jung. „Die Vermutung liegt nahe, dass die Bedeutung von Bargeld abnimmt“, erklärte er. Ein dichtes Versorgungsnetz mit Geldautomaten sei kein Alleinstellungsmerkmal mehr, so Jung. Er halte es mit Blick auf die Bargeldversorgung für möglich, künftig in dem Bereich auch mit Wettbewerbern zusammenzuarbeiten.

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