Gegen Fachkräftemangel

Neuer Campus für 3000 Pflegekräfte entsteht in Berlin

Pflegekräfte werden dringend benötigt. Die Charité und Vivantes wollen nun auf einem neuen Pflegecampus Tausende Pfleger ausbilden.

Ein Pfleger kümmert sich um eine Seniorin. Berlin braucht dringend mehr Pflegekräfte.

Ein Pfleger kümmert sich um eine Seniorin. Berlin braucht dringend mehr Pflegekräfte.

Foto: Christoph Schmidt / dpa

Berlin. Mit einem gemeinsamen Ausbildungs-Campus für Pflegekräfte und andere Gesundheitsberufe wollen die beiden landeseigenen Krankenhauskonzerne Charité und Vivantes dem Fachkräftemangel in der Branche begegnen. In einer ersten Stufe sollen 3000 Auszubildende ab 2025 auf ihre künftige Tätigkeit vorbereitet werden. Als Standort ist der nördliche Teil der Alexander Baracks am Askanierring in Spandau vorgesehen. Dort sollen für die Auszubildenden auch bis zu 750 Plätze in Wohnheimen entstehen, dazu neben Unterrichtsräumen auch Bibliotheken und eine Kantine.

Noch gehört das Gelände der bundeseigenen Immobiliengesellschaft. Im Senat ist man aber zuversichtlich, das Areal bald erwerben zu können. Eine als Alternative geprüfte Fläche in Neukölln ist damit aus dem Rennen.

Kommentar: Pflegecampus von Charité und Vivantes ist ein Quantensprung

Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) spricht von einem „republikweiten Leuchtturmprojekt“, bei dem es um viel mehr gehe, als nur die Pflegeschulen der beiden Konzerne zusammenzuführen. Zunächst gehe es darum, die Ausbildungskapazitäten erheblich auszuweiten. Bisher erlernen bei Vivantes rund 1000 und in der Charité 600 Menschen einen Pflege- oder Gesundheitsberuf. Diese Zahl soll sich mittelfristig annähernd verdoppeln.

Die Gesundheitssenatorin hat sich aber eine „bedarfsgerechte Ausbildung“ zum Ziel gesetzt. Bisher geht der Senat davon aus, dass bis 2030 bis zu 20.000 Pflegekräfte in Berlin fehlen könnten. „Die Branche hat versäumt, sich um ihre Fachkräfte zu kümmern“, sagte Kalayci. Jetzt hoffe sie, dass das Beispiel der öffentlichen Krankenhauskonzerne auch private und gemeinnützige Anbieter animiere, ihre Ausbildungsaktivitäten zu verstärken, wie das im „Pakt für Pflege“ vereinbart wurde.

Vivantes und Charité werden den Berliner Bildungscampus für Gesundheitsberufe gemeinsam tragen. Schon Anfang Juli sei die Trägergesellschaft im Handelsregister eingetragen worden, sagte eine Vivantes-Sprecherin: „Damit ist ein wichtiger Meilenstein erreicht.“ Im September seien die abschließenden Beratungen in den Gremien vorgesehen. Die gemeinnützige GmbH solle zum
1. Januar 2020 den Betrieb aufnehmen.

Die Kosten sind noch unklar

Ausgebildet werden nicht nur Pflegekräfte. Auch Hebammen, Logopäden, Physiotherapeuten und als neue Berufe Radiologie- und Anästhesietechnische Assistenten sollen in Spandau herangezogen werden. Zudem sollen Fachkräfte dort berufsbegleitend fortgebildet werden. Der neue Charité-Chef Heyo Kroemer hat den Wunsch geäußert, auch Lotsen für das Gesundheitswesen auszubilden, die Patienten durch die Gesundheits- und Sozialsysteme begleiten.

Weil der Grundstückserwerb noch nicht abgeschlossen und die genaue Gestalt des neuen Campus’ noch nicht geplant ist, lassen sich zu den Kosten noch keine Angaben machen. Bisherige Kalkulationen gehen aber von einer Bruttogeschossfläche von 30.000 Quadratmetern aus, sodass mit einem dreistelligen Millionenbetrag gerechnet werden muss. Zur Finanzierung ist ein Antrag auf Subventionen aus dem Topf der Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur (GRW) bei der Wirtschaftsverwaltung gestellt. Außerdem verspricht das Land pro geschaffenem Ausbildungsplatz einen Zuschuss von 500 Euro.