Ermittlungen ausgeweitet

So reagiert Berlins Polizei auf die zahlreichen Autobrände

Bereits 317 Fahrzeuge brannten dieses Jahr in Berlin. Die Polizei weitet die Ermittlungen aus.

Ein Feuerwehrmann löscht ein Auto, das an der Willibald-Alexis-Straße in Kreuzberg geparkt war. Insgesamt gingen dort zehn Fahrzeuge in Flammen auf. 

Ein Feuerwehrmann löscht ein Auto, das an der Willibald-Alexis-Straße in Kreuzberg geparkt war. Insgesamt gingen dort zehn Fahrzeuge in Flammen auf. 

Foto: Thomas Peise / BM

Berlin. In Berlin haben in diesem Jahr bereits 317 Fahrzeuge gebrannt. Das geht aus einer Statistik des Landeskriminalamtes (LKA) Berlin hervor. Damit gingen in diesem Jahr schon mehr Autos in Flammen auf als in manchen Jahren davor. Einen vorläufigen Höhepunkt erreichte die Serie der Brände in der Nacht von Montag auf Dienstag. In Kreuzberg brannten zehn Autos und in Tiergarten zwei Fahrzeuge. Einsatzkräfte berichteten, man könne von Glück reden, dass dabei kein Mensch zu Schaden gekommen ist.

Die Berliner Polizei ist in erhöhter Alarmbereitschaft. Erst kürzlich wurde die Ermittlungsgruppe Nachtwache ins Leben gerufen. Fünf Beamte des Landeskriminalamtes sollen sich ausschließlich um die Autobrände kümmern. Auf der Straße sind zudem mehr Polizisten unterwegs, wie die Berliner Morgenpost aus Polizeikreisen erfuhr.

Die Zahl der Autobrände steigt offenbar

Laut Landeskriminalamt brannten bis zum 18. Juli 292 Autos in Berlin. Hinzu kommen noch einmal 25 Autobrände, die noch nicht in der Statistik auftauchen. Dem LKA zufolge wurden in diesem Jahr 59 Fahrzeuge bei politisch motivierten Brandstiftungen beschädigt oder zerstört. Zum Vergleich: Im gesamten vergangenen Jahr gab es 446 Fahrzeugbrände, von denen 63 politisch motiviert waren.

Die zehn Autos, die am frühen Dienstagmorgen in Kreuzberg brannten, standen an der Willibald-Alexis-Straße und am Chamissoplatz. Anwohner alarmierten gegen 3.30 Uhr die Einsatzkräfte, nachdem sie Flammen und einen lauten Knall bemerkt hatten. Beißender Gestank von geschmolzenem Kunststoff zog durch die Straßen. Die Hitze war so stark, dass Fensterscheiben in Erdgeschosswohnungen zersprangen. In einer der betroffenen Wohnungen lebt ein Rollstuhlfahrer.

Das Fahrzeug, das unmittelbar vor der Parterre-Wohnung des 69-Jährigen stand, sei komplett in Flammen aufgegangen, es habe dabei laut geknallt, sagte der 69-Jährige der Berliner Morgenpost. „Es war lebensgefährlich“, fügte er hinzu. Er habe einen Bekannten angerufen, der kurze Zeit später gekommen sei und ihm aus dem Bett und in den Rollstuhl geholfen habe.

Die Täter entkamen unerkannt

Die Polizei geht nach ersten Erkenntnissen von Brandstiftung aus. Vier Fahrzeuge seien zeitgleich und offenbar gezielt in Brand gesetzt worden, sagte ein Beamter der Berliner Morgenpost. Sie wurden von den Flammen komplett zerstört. Das Feuer griff auch auf weitere geparkte Fahrzeuge über. Die Willibald-Alexis-Straße wurde wegen der Löscharbeiten bis in die Morgenstunden teils für den Verkehr gesperrt.

Die Täter entkamen unerkannt. Laut Polizei gebe es bislang keine Hinweis auf ein politisches Motiv. Auf dem Spielplatz am Chamissoplatz wurde jedoch der Schriftzug „Klasse gegen Klasse!“ entdeckt. Ob dieser Spruch im Zusammenhang mit den Brandstiftungen steht, wird zurzeit ermittelt.

Auch in Tiergarten brannten in der Nacht zu Dienstag Autos. Gegen 2.30 Uhr setzten Unbekannte an der Lützowstraße zwei Fahrzeuge in Brand. Sie standen in einer Durchfahrt mit Parkplätzen, direkt darüber befinden sich Wohnungen. Die Fassade des Hauses wurde stark verraucht, der Qualm drang auch in die Wohnungen. Alle Anwohner konnten sich selbst ins Freie retten. Die direkt über dem Brandort gelegene Wohnung ist zurzeit nicht nutzbar.

„Arbeiten intensiv an dem Thema“

Berlins Polizeipräsidentin Barbara Slowik sagte der Berliner Morgenpost: „Wir arbeiten sehr intensiv an dem Thema. Auch deshalb habe wir die Ermittlungsgruppe Nachtwache gegründet.“. Man untersuche, ob die Taten einer Person oder einer Gruppe zuzurechnen seien. Unklar sei, ob es sich um unpolitische Brandstifter, Autohasser oder Täter aus dem linksextremen Spektrum handle.

CDU-Fraktionschef Burkard Dregger lobte die Ermittlungsgruppe, forderte aber auch mehr Polizisten auf der Straße „und eine bessere Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft“. Das könnten zum Beispiel die vielen Tausend Taxifahrer sein, die ihre Ohren und Augen offenhalten.