Brandstiftung

Im Kreuzberger Bergmannkiez brennen zehn Autos

Brandstifter haben an mehreren Autos rund um den Kreuzberger Chamissoplatz Feuer gelegt. Auch in Tiergarten brannten Fahrzeuge.

Berlin. An der Willibald-Alexis-Straße und am Chamissoplatz in Kreuzberg haben am frühen Dienstagmorgen zehn Autos in Flammen gestanden. Die Feuerwehr war mit zwei Löschfahrzeugen vor Ort und konnte den Brand unter Kontrolle bringen. Anwohner hatten gegen 3.30 Uhr die Einsatzkräfte alarmiert, nachdem sie Flammen bemerkt und mehrere laute Knalle gehört hatten.

Im Kreuzberger Bergmannkiez brennen zehn Autos
Im Kreuzberger Bergmannkiez brennen zehn Autos

Es entstand eine starke Rauchentwicklung, schwarzer Qualm zog meterhoch durch die Willibald-Alexis-Straße und schwärzte Fassaden. Beißender Gestank von geschmolzenem Kunststoff erfüllte die verrußte Luft. Immer wieder waren während der Löscharbeiten laute Knalle zu hören.

Hitze des Feuers lässt Fensterscheiben zerspringen

Die Hitze war so stark, dass Fensterscheiben in anliegenden Erdgeschosswohnungen zersprangen. Zeugen berichteten, dass in einer der betroffenen Wohnungen ein Rollstuhlfahrer lebt, verletzt wurde aber niemand.

Die Feuerwehr konnte verhindern, dass sich die hoch aufsteigenden Flammen auf weitere Fahrzeuge ausbeiteten. Gegen 4.20 Uhr war der Einsatz beendet. Eine Stunde später löschte die Polizei an einem Pkw noch einmal nach.

Die Polizei geht nach ersten Erkenntnissen von Brandstiftung aus. Vier Fahrzeuge seien zeitgleich gezielt in Brand gesetzt worden, sagte ein Beamter der Berliner Morgenpost am Brandort. Sie wurden von den Flammen komplett zerstört. Demnach brannten zuerst ein Chevrolet Captiva, ein Mercedes ML, ein Mercedes der E-Klasse und ein Mercedes der C-Klasse. Die Flammen griffen dann auf zwei Audi, einen Mini Cooper, einen Hyundai, einen Nissan und einen VW über. Sie wurden massiv beschädigt. Die Willibald-Alexis-Straße war bis in den Morgen abschnittsweise gesperrt.

Die Täter entkamen unerkannt. Ein Brandkommissariat beim Landeskriminalamt hat die weiteren Ermittlungen übernommen. Laut Polizei gebe es bislang keinerlei Hinweis auf ein politisches Motiv. Auf dem Spielplatz am Chamissoplatz wurde jedoch der Schriftzug "Klasse gegen Klasse!" entdeckt. Ob die Parole in Zusammenhang mit der gleichnamigen linksextremen Gruppierung sowie den Brandstiftungen steht, wird zurzeit ermittelt.

Die Anwohner im Bergmannkiez sind am Tag danach teils verunsichert, aber vor allem sind sie eines: wütend.

Polizeipräsidentin Slowik: Polizei hat erste Anhaltspunkte

Zu den Autobränden sagte Polizeipräsidentin Barbara Slowik der Berliner Morgenpost: „Wir arbeiten sehr intensiv an dem Thema“. Man untersuche, ob die Taten einer Person oder einer Gruppe zuzurechnen seien. „Es ist eine große Gemengelage, die wir jetzt kriminalistisch aufarbeiten“, so Slowik weiter. Auch deshalb habe man die Ermittlungsgruppe Nachtwache gegründet. Man sei mit mehr Kräften auf der Straße unterwegs.

Unklar sei, ob es sich um Brandstifter, Autohasser oder Taten aus dem linksextremen Spektrum handle. Bislang gebe es noch keine Bekennerschreiben. Man habe erste Anhaltspunkte, zu denen man sich aber noch nicht näher äußern werden, sagte Slowik.

„Die vergangene Nacht sollte jedem noch mal sehr deutlich gemacht haben, von welch großer Gefahr für Leib und Leben wir sprechen. Wer Autos anzündet, sorgt nicht nur für Sachschaden, sondern zerstört ganze Existenzen und spielt bewusst mit Menschenleben“, sagte Benjamin Jendro, Sprecher der Gewerkschaft der Polizei (GdP), zu den jüngsten Brandstiftungen.

Der CDU-Fraktionschef Burkard Dregger sagte der Berliner Morgenpost: „Es ist gut, dass es bei der Berliner Polizei die Ermittlungsgruppe Nachtwache mit fünf LKA-Beamten gibt. Wir brauchen aber mehr Polizisten auf der Straße und eine bessere Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft“. Das könnten zum Beispiel die vielen Tausend Taxifahrer sein, die ihre Ohren und Augen offenhalten.

Marcel Luthe, innenpolitischer Sprecher der FDP-Fraktion im Abgeordnetenhaus von Berlin, sagte der Berliner Morgenpost: „Derartige Taten zerstören nicht nur das meist wertvollste Eigentum der Menschen, sondern gefährden Leben und vernichten das Vertrauen in unsere Rechtsordnung. Kernaufgabe des Staates ist es, den Bürger und sein Eigentum zu schützen. Dieser Senat versagt hier seit Jahren auf ganzer Linie."

Auch in Tiergarten brennen zwei Autos


Auch in Tiergarten brannten in der Nacht zu Dienstag Autos. Gegen 2.30 Uhr setzten Unbekannte an der Lützowstraße zwei Pkw in Brand. Die geparkten Fahrzeuge standen in einer Durchfahrt mit Parkplätzen, direkt darüber befinden sich Wohnungen. Die Fassade wurde stark verraucht, der Qualm drang auch in die Wohnungen. Alle Anwohner konnten sich selbst ins Freie retten. Die direkt über dem Brandort gelegene Wohnung ist zurzeit nicht nutzbar.

In Berlin kommt es in letzter Zeit wieder verstärkt zu Autobrandstiftungen. Erst vor wenigen Tagen hatten an der Schaperstraße Ecke Fasanenplatz in Wilmersdorf zwei Fahrzeuge gebrannt. Ein Mercedes brannte lichterloh, die Flammen griffen auf einen Transporter über. Die Feuerwehr konnte den Brand rasch löschen. Verletzt wurde niemand. Auch in diesem Fall geht die Polizei von Brandstiftung aus.

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