Vermisstenfall

Fall Rebecca: Familie macht der Polizei Vorwürfe

Seit fünf Monaten ist die 15 Jahre alte Rebecca Reusch verschwunden. Die Polizei ermittelt einseitig, sagt die Familie.

Mit diesen Fotos wird nach der vermissten Schülerin Rebecca Reusch aus Neukölln gesucht.

Mit diesen Fotos wird nach der vermissten Schülerin Rebecca Reusch aus Neukölln gesucht.

Foto: dpa/Polizei Berlin

Berlin. Wer fünf Monate nach dem Verschwinden von Rebecca Reusch aus Neukölln Fragen stellt, trifft vor allem auf eine Mauer des Schweigens. Die Ermittlungsbehörden haben keine neuen Ansätze und verweisen bei Nachfragen auf das laufende Verfahren. Was sie nicht sagen: Die Ermittlungen befinden sich in einer Sackgasse. Neue Ansätze gibt es nicht.

Für die Ermittler der Mordkommission ist das bitter. Denn noch immer arbeiten sie mit Hochdruck an dem Fall der 15-Jährigen. Zum „Cold-Case“ werde er noch lange nicht, heißt es aus Polizeikreisen. Dort landen Fälle, die vorerst zu den Akten gelegt werden. Das sei erst der Fall, wenn alle Ermittlungsansätze erschöpft seien.

Familie fühlt sich alleingelassen

Die Familie von Rebecca wiederum wirft genau das der Polizei vor: Dass sie bislang nur einseitig ermittelt habe. „Es wurde von Anfang nur ein Ermittlungsansatz verfolgt. Andere Möglichkeiten wurden außer Acht gelassen“, sagte der Vater von Rebecca, Bernd Reusch, der Berliner Morgenpost. Die Familie kritisiert, dass auch sie keine Informationen bekomme. „Mit uns redet niemand“, so Reusch weiter. Weiter äußern möchte auch er sich nicht öffentlich. Die Familie hofft, dass Rebecca noch lebt.

Ermittler gehen von Verbrechen aus

Die Ermittler gehen hingegen von einem Verbrechen aus. Sie glauben, dass Rebecca nicht mehr lebt. Tatverdächtig ist für sie noch immer Rebeccas Schwager, der auch schon in Untersuchungshaft saß, aber wieder freigelassen werden musste, weil die Beweise gegen ihn doch nicht ausreichten. Rebeccas Familie glaubt an seine Unschuld. Und die Anwältin des Schwagers wirft den Ermittlern vor, ihren Mandanten vorverurteilt zu haben. Die Polizei hatte Bilder des Schwagers veröffentlicht und um Zeugenhinweise gebeten. Das Auto des Mannes, ein himbeerroter Twingo, war wenige Stunden nach dem Verschwinden des Mädchens auf der Autobahn 12 zwischen Berlin und Frankfurt (Oder) von einem Kennzeichenerfassungssystem registriert worden. Nur der Schwager hatte in dieser Zeit Zugriff auf das Auto.

2000 Hinweise aus der Bevölkerung

Die Ermittlungen der Polizei konzentrieren sich auf die Morgenstunden des 18. Februar 2019. Damals hielt sich Rebecca bei ihrer älteren Schwester und ihrem Schwager auf. Am Morgen wollte sie zur Schule, doch dort kam sie nie an. Die Ermittler glauben, dass sie deren Haus nicht lebend verließ. Was genau in dem Einfamilienhaus in einem Wohnviertel im Süden Neuköllns und in den Stunden danach passierte: unklar.

Mehrere Wochen hatten die Polizei auf Autobahnen, in Wäldern und in Seen in Brandenburg nach Spuren gesucht. Rund 2000 Hinweise waren aus der Bevölkerung eingegangen. Eine heiße Spur war nicht darunter. Seit das Interesse an dem Fall Rebecca nachlässt, gehen auch kaum noch Hinweise bei der Polizei ein.

Polizei glaubt an die Lösung des Falls

Hoffnung gibt den Ermittlern der Fall Georgine Krüger. Auch dort galten die Ermittlungen jahrelang als festgefahren. Kaum etwas drang nach außen. Als die Öffentlichkeit sich fragte, was die Polizei eigentlich macht, hatte die schon längst einen verdeckten Ermittler auf den Tatverdächtigen Ali. K. angesetzt. Aussagen gegenüber dem verdeckten Ermittler und eine Funkzellenauswertung erhärteten schließlich den Verdacht gegen den 44-Jährigen. Der Beschuldigte ist ein Familienvater aus der Nachbarschaft der damals 14-Jährigen.

Demnach soll Ali K. die 14 Jahre alte Georgine 2006 auf dem Heimweg von der Schule gezielt abgepasst und in seinem Keller bewusstlos geschlagen und vergewaltigt haben. Der Prozess startet am 31. Juli – 13 Jahre nach dem Verschwinden Georgines.