Verkehr

Dach des Hauptbahnhofs bleibt kurz: Bahn verkauft Teile

Lange waren zahlreiche Dachelemente für die Zentralstation eingelagert - falls die Konstruktion doch noch vollendet werden sollte.

Zehn Fakten über den Berliner Hauptbahnhof
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Berlin. Das Dach des Berliner Hauptbahnhofs wird wohl dauerhaft unvollendet bleiben. Jahrelang hatte die Deutsche Bahn Stahlträger und maßgefertigte Glasscheiben aufbewahrt, doch nun sind sie weg. „Die Elemente des Hallendachs waren abgeschrieben“, sagte ein Bahnsprecher. Die Stahlteile wurden daher zur Wiederverwertung abtransportiert und die Glasteile zum Recyceln an eine entsprechende Fachfirma verkauft. Damit bleibt es für die oberen Bahnsteige des Hauptbahnhofs bei einer Dachlänge von 321 Metern – rund 130 Meter kürzer als ursprünglich geplant. Auch ein Nachteil für die Fahrgäste einiger dort haltender ICE-Züge, die – etwa wenn zwei ICE3-Einheiten gekuppelt fahren – bis zu 400 Meter lang sein können. Ausgerechnet Passagiere der 1. Klasse brauchen dann beim Aussteigen in Berlin manchmal einen Regenschirm.

Hauptbahnhof in Berlin: Spar- und Beschleunigungsmaßnahmen

Um den Hauptbahnhof rechtzeitig zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland fertig zu bekommen, hatte der damalige Bahnchef Hartmut Mehdorn für den damals noch im Bau befindlichen Kreuzungsbahnhof mehrere Spar- und Beschleunigungsmaßnahmen verfügt. Eine davon war, dass Dach für die oberen Bahnsteige nicht 450 Meter lang zu bauen, wie es der Architekt Meinhard von Gerkan vorgesehen hatte. Auch die Decken über den unterirdischen Bahnsteigen wurden damals in einer einfacheren und damit kostengünstigeren Variante ausgeführt.

Fotovergleich: Der Berliner Hauptbahnhof im Bau und heute

Mit Verweis auf seiner Urheberrechte klagte der Architekt gegen die Sparmaßnahmen, der Rechtsstreit endete 2008 mit einem außergerichtlichen Vergleich. Dennoch gab es auch danach vor allem aus der Berliner Politik wiederholt die Forderung, das Bahnhofsdach noch zu vollenden. Selbst der Bundestag schaltete sich in den Streit ein und veranlasste eine Machbarkeitsstudie.

Dachteile schon 2002 eingelagert

Die überzähligen Dachteile hatte die Bahn schon 2002 eingelagert. Technisch wäre eine Verlängerung später noch möglich gewesen, auch wenn veränderte Vorschriften zu beachten gewesen wären, ergab 2014 ein Gutachten. Allerdings wurden auch Zusatzkosten von 145 Millionen Euro errechnet. Zudem hätten die wichtigen Fernbahn- und S-Bahnstrecken unter dem Dach für dessen Ergänzung neun Monate unterbrochen werden müssen, begründet die Bahn die Ablehnung. Wann das Depot mit den Dachteilen am Berliner Ostbahnhof aufgelöst worden ist, ließ das Unternehmen offen.

Mit täglich mehr als 300.000 Reisenden und Besuchern ist die Station inzwischen die Nummer vier unter Deutschlands Fernbahnhöfen. Nur Hamburg, München und Frankfurt am Main liegen noch vor Berlin. Rund 1300 Züge halten hier jeden Tag, Tendenz steigend.

Den meisten Berlinern und Touristen dürfte das verkürzte Dach kaum noch auffallen. Vor allem, weil der Blick auf die unbedachten Bahnsteigenden des Hauptbahnhofs inzwischen fast überall durch Neubauten rings um die Station herum versperrt wird. Die vom Senat genehmigte Architektur der Hotels und Bürogebäude wird vielfach als einfallslos und monoton kritisiert. (mit dpa)

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