Gericht

Terror-Prozess: Islamist Magomed-Ali C. schweigt

Weil er einen Sprengstoffanschlag in Berlin geplant haben soll, steht ein 31-jähriger Islamist seit Donnerstag vor Gericht.

Blick in den Verhandlungssaal: Es bestehen hohe Sicherheitsvorkehrungen

Blick in den Verhandlungssaal: Es bestehen hohe Sicherheitsvorkehrungen

Foto: Paul Zinken / dpa

Berlin. Hätte Magomed-Ali C. sein Vorhaben in die Tat umgesetzt, Berlin wäre mit hoher Wahrscheinlichkeit zum zweiten Mal Schauplatz eines verheerenden Terroranschlags geworden. Davon ist zumindest der Generalbundesanwalt überzeugt. Der oberste Ankläger der Republik wirft dem 31-Jährigen Vorbereitung einer staatsgefährdenden Gewalttat vor. Seit Donnerstag steht C. deshalb in Berlin vor Gericht.

Der Prozess begann, begleitet von einem Großaufgebot von Medienvertretern aus ganz Deutschland unter hohen Sicherheitsvorkehrungen. Der zuständige 6. Strafsenat des Kammergerichts ist eigens für das Verfahren vom Gerichtssitz in Schöneberg nach Moabit umgezogen. Im dortigen Landgericht findet die Verhandlung im Hochsicherheitssaal 700 statt.

Hohe Sicherheitsstufe bei der Verhandlung

Panzerglas an den Fenstern und rund um die Anklagebank bestimmt in diesem Saal das Bild. Ein Großaufgebot von Justizwachtmeistern im Inneren und starke Polizeikräfte außerhalb des Gerichtsgebäudes an der Turmstraße sollen die Sicherheit gewährleisten. Neben der ständigen Einlasskontrolle gibt es vor dem Saal 700 eine zweite Kontrollstelle.

Auch die zahlreich erschienenen Journalisten, Fotografen und Kameraleute müssen da durch. Ein Schreibblock und ein Kugelschreiber, mehr dürfen sie nicht mit in den Verhandlungssaal nehmen.

Der aus der ehemaligen ehemaligen sowjetischen Teilrepublik Dagestan stammende Islamist soll in Berlin über einen langen Zeitraum einen Anschlag geplant und vorbereitet haben. Als mögliches Ziel nennen die Ermittler der Bundesanwaltschaft und des Bundeskriminalamtes das Gesundbrunnen-Center. Eine detonierende Bombe in dem Einkaufszentrum, in dem sich täglich jeweils Hunderte Menschen gleichzeitig aufhalten, es bedarf nur wenig Fantasie, sich auszumalen, welche Folgen das hätte.

Den Ermittlungen zufolge kam C. 2011 nach Deutschland, radikalisiert wurde er offenbar im Umfeld des Moschee-Vereins „Fussilet 33“ an der Perleberger Straße in Moabit. Ursprünglich soll C. geplant haben, sich in Syrien dem IS anzuschließen. Als seine Ausreise allerdings scheiterte, soll in ihm und weiteren Mittätern ab Sommer 2015 der Plan gereift sein, in Deutschland, genauer in Berlin einen Anschlag zu verüben.

Sprengstoff in Wohnung gelagert

Die Bundesanwaltschaft geht davon aus, dass C. die Vorbereitungen dazu gemeinsam mit dem derzeit in Frankreich in Haft sitzenden Islamisten Clement B. vorantrieb. Später soll auch der Breitscheidplatz-Attentäter Anis Amri dazu gekommen sein. Laut Anklage hat C. ab Oktober 2016 in seiner Wohnung in Pankow große Mengen des Sprengstoffs TATP gelagert, die für den Anschlag gedacht waren.

Mittlerweile waren allerdings der Angeklagte und seine mutmaßlichen Mittäter ins Visier der Behörden geraten. Aufklärungs- und „Präventivmaßnahmen“ vor allem der Berliner Polizei sollen die Männer dann allerdings veranlasst haben, ihr Vorhaben aus Angst vor Entdeckung aufzugeben.

Mammut-Verfahren: 40 Verhandlungstage sind angesetzt

Es ist ein echtes Mammut-Verfahren, dass da am Donnerstag in Moabit begonnen hat. Allein die Anklageschrift umfasst 52 Seiten, die dazu gehörenden Ermittlungsakten füllen locker ein halbes Dutzend Umzugskartons. Für den Prozess hat der Senat 40 Verhandlungstage angesetzt. Wenn alles glatt läuft, endet er am 20. Dezember.

Der erste Verhandlungstag endete bereits nach einer Stunde. Der Angeklagte, eine eher unauffällige Erscheinung äußerte sich zu den Tatvorwürfen nicht. Sein Mandant werde sich „durch Schweigen verteidigen“, sagte einer seiner Verteidiger. Der Prozess wird bereits am Freitag, den 17. Mai fortgesetzt.