Senatspläne

Olympiastadion-Umbau kostet 190 Millionen Euro

Die Rechnung müsste das Land Berlin bezahlen. Abgeordnete kritisieren Herthas Kommunikation.

Umbau Olympiastadion zum Fußballstadion . Vorschlag vom Architekturbüro gmp für Hertha BSC

Umbau Olympiastadion zum Fußballstadion . Vorschlag vom Architekturbüro gmp für Hertha BSC

Foto: gmp/Hertha BSC / BM

Berlin.  Soll das Olympiastadion umgebaut werden oder ist der Neubau einer Fußballarena im Olympiapark des Rätsels Lösung: Von welcher Seite man die Angelegenheit auch betrachtet, sie ist verzwickt. Das war das Resultat der Diskussion im Sportausschuss des Abgeordnetenhauses zum Stadion-Thema. Die Nachricht der Sitzung hatte Innen- und Sportsenator Andreas Geisel (SPD) dabei. Geisel sagte, auf Grund der Berechnungen des Architekturbüros Gerkan, Marg Partner würde bei einem Olympiastadion-Umbau das Spielfeld um 2,5 Meter abgesenkt.

Die Kapazität würde weiter bei rund 74.000 Plätzen liegen. Um die zu reduzieren, könnte der Oberring mit LED-Vorhängen abgehängt werden. Die Kosten für die Umbau-Variante werden auf 160 Millionen Euro geschätzt. Dazu kämen 30 Millionen für die Lichtanlage, insgesamt etwas 190 Millionen Euro. Zahlen würde der Steuerzahler. „Dieser Betrag wäre aus dem Landeshaushalt Berlin zu entrichten“, sagte Geisel.

Hertha wirbt für Neubau ohne Steuergeld

Um dieses Szenario zu vermeiden, sagte Geisel, wäre es dem Senat am liebsten, nach Ablauf des aktuellen Mietvertrages 2025 Hertha „zu einer Modernisierung ohne großen Umbau“ zu bewegen. Er akzeptiere aber, dass Hertha diese Option ablehne. Geisel sagte, dass der Wunsch von Hertha nach 2025 in einer eigenen Arena spielen zu wollen, „nicht illegitim“. Ein Blick auf die Bundesliga zeigt, dass die Konkurrenten alle in reinen Fußballstadien spiele.

Für Hertha stellten Finanz­geschäftsführer Ingo Schiller und Stadion-Manager Klaus Teichert jene Pläne für eine neue Arena im Olympiaparks vor, die sie am Montag bei der Mitgliederversammlung gezeigt hatten. Versehen mit der Zusicherung, Hertha werde die vom Senat gewünschten Konkurrenzausschlussklauseln eingehen und Garantien leisten für eine Fertigstellung. Und versicherten, dass der Klub den ­Neubau privat finanzieren werde.Schiller sagte: „Wir haben mit mehreren potenziellen Partnern gesprochen.“ Für die Anlage von Geld seinen „Infrastrukturprojekte attraktiv.“

„Kein gutes Zeichen für Fairplay“

Vor allem aber bekamen die Hertha-Vertreter Kritik zu hören. Stefan Förster (FDP) beklagte, dass Hertha versuche, öffentlich Druck aufzubauen: „Das finde ich sehr unprofessionell. Wenn man das so versucht, kann es sein, dass am Ende ein Ergebnis herauskommt, das man überhaupt nicht will.“ Nicole Ludwig von den Grünen monierte: „Das Interview von Herrn Preetz ist kein ­gutes Zeichen für Fairplay.“

Schiller und Manager Michael Preetz hatten erklärt, Hertha sei an einem Olympiastadion-Umbau nicht interessiert. Der Fokus liege auf einem Neubau. Schiller hatte als Eröffnungstermin den 25. Juli 2025 ins Spiel gebracht. Allerdings benötigt der Klub dafür eine Mehrheit im Abgeordnetenhaus. Nur mit dieser Zustimmung ist es möglich, einen Erbbaupachtvertrag zu erhalten. Der ist ­Voraussetzung für eine Hertha-Arena.

Nichts zu tun ist keine Option

Von einer Mehrheit unter den Abgeordneten ist Hertha allerdings weit entfernt. Nur die CDU signalisierte, sie finde Herthas Neubau-Pläne überzeugend. Für die Grüne fragte Nicole Ludwig, was groß passieren soll, wenn der ­Senat am Olympiastadion alles lasse, wie es ist.

Herthas Stadion-Manager Teichert zitierte Albert Einstein: „Die reinste Form des Wahnsinn ist es, alles beim Alten zu belassen und trotzdem zu ­hoffen, dass sich etwas ändert.“ Auch Senator Geisel sagte: „Nichts zu tun, ist keine Option.“ 2025 müsse der Senat in jedem Fall 40 Millionen Euro an Instandhaltungskosten ins Olympiastadion investieren, unabhängig davon, ob Hertha Mieter ist. Trotzdem beharrte Philipp Bertram (Die Linke), dass die Variante nichts zu machen, eine Möglichkeit sei. Geisel versuchte es mit einem Bild: „Es ist wie in einer Partnerschaft. Manchmal will einer raus. Wenn der andere sagt: Aber wir lieben uns doch - wenn man den versucht zum Bleiben zu zwingen, nimmt das meist kein gutes Ende.“

Gesucht wird ein Masterplan für den Olympiapark

Die Abgeordneten trieb die Frage um: Was wird aus dem Olympiastadion, falls Hertha ab 2025 nicht mehr Ankermiete ist? Teichert sagte: „Wir von ­Hertha sind selbstverständlich bereit, daran mitzuwirken, dass es eine wirtschaftlich sinnvolle Perspektive für das Olympiastadion gibt. Auch wenn wir uns nicht in der Verantwortung sehen, weiter Miete zu zahlen für ein Objekt, das wir nicht weiter nutzen.“

Grundsätzlich ist es jedoch so, dass das Land Berlin als Eigentümer des Olympiaparks gefordert ist, einen Masterplan für das denkmalgeschützte Areal zu entwickeln. Kurios: Obwohl Herthas Finanzchef eine Brücke baute („Wir haben einen Kostenidee“) fragte kein Abgeordneter nach: Wie teuer wird ein Neubau für Hertha? Nach Morgenpost-Informationen kalkuliert der Bundesligist mit 4000 Euro pro Sitzplatz, was auf eine Größenordnung von 210 Millionen Euro hinauslaufen würde.

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