IG Metall empört

Siemens will neue Gasturbinen in den USA entwickeln

Mit dem Plan stößt der Siemens-Chef auf Unverständnis. Denn allein in Berlin sind 900 Jobs vom Abbau in der Kraftwerksparte betroffen.

Techniker kontrollieren eine Gasturbine in Berlin. Das Werk ist vom Jobabbau in Berlin betroffen

Techniker kontrollieren eine Gasturbine in Berlin. Das Werk ist vom Jobabbau in Berlin betroffen

Foto: dpa Picture-Alliance / Ulrich Baumgarten / picture alliance / Ulrich Baumga

Berlin. Eine Äußerung von Siemens-Vorstandschef Joe Kaeser am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos ist bei Gewerkschaftsvertretern und Politikern in Berlin auf Unverständnis gestoßen. Bei einem Abendessen hatte Kaeser US-Präsident Donald Trump zu dessen Steuerreform beglückwünscht. Danach erklärte er, angesichts dessen habe Siemens entschieden, eine neue Generation von Gasturbinen in den USA zu entwickeln. Pikant: Die Gasturbinen gehören zur Kraftwerkssparte. Siemens plant in dem Segment weltweit fast 7000 Arbeitsplätze abzubauen, davon fast die Hälfte in Deutschland. In Berlin will der Konzern im Dynamo-Werk in Spandau 570 Stellen streichen, 300 weitere Jobs sollen im Gasturbinen-Werk in Moabit wegfallen. Im November hatte Siemens die Einschnitte mit einem weltweiten Einbruch der Nachfrage begründet.

Berlins IG-Metall-Chef Klaus Abel nannte Kaesers Äußerungen mit Blick auf die Sorgen der Menschen um ihre Jobs „unverantwortlich“. Offenbar gebe es doch eine Nachfrage für die Gasturbinen. Es gehe dem Unternehmen vor allem darum, mehr Gewinn mit der Technik zu erzielen, sagte Abel. Auch bei Politikern sorgten die Äußerungen des Siemens-Chefs für Empörung: „Die im Raum stehende Produktionsverlagerung in die Vereinigten Staaten ist eine schallende Ohrfeige an die stolzen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in unserer Siemensstadt“, sagte Gerhard Hanke (CDU), Wirtschaftsstadtrat in Spandau.

USA für Siemens ein wichtiger Gasturbinen-Markt

Ein Siemens-Sprecher wies die Kritik auf Anfrage der Berliner Morgenpost zurück. Es sei üblich, dass für lokale Märkte bestimmte Gasturbinen auch vor Ort entwickelt, getestet und produziert würden, zumal sie für die unterschiedlich ausgestatteten Stromnetze ausgelegt seien. Bei dem Gespräch mit Trump habe Kaeser eine Testanlage für Siemens’ neue, hocheffiziente HL-Klasse-Gasturbine angesprochen, die man in Lincoln County, North Carolina, in Kooperation mit dem Energieversorger Duke Energy bauen wolle. Der Konzern hatte darüber im Juni 2017 informiert. Im Rahmen des Projekts will Siemens die neu auf den Markt gebrachte Riesenturbine testen und weiterentwickeln. Zusätzliche Jobs würden nicht entstehen. Auch könne nicht von einer Verlagerung die Rede sein, so der Sprecher.

Trotz weltweit rückläufiger Nachfrage sei die USA für Siemens noch immer ein wichtiger Gasturbinen-Markt. Der Sprecher verwies darauf, dass ein erfolgreicher Test der neuen Technik auch Folgen für Berlin habe. „Wir testen, damit wir später verkaufen können, um dann eine möglichst hohe Auslastung in Berlin zu schaffen“, so der Sprecher. Trotz der Kürzungen solle die deutsche Hauptstadt innerhalb des Konzerns Zentrum für Gasturbinen bleiben.

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