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Mehr Babys, mehr Ausländer: Berlin wächst weiter

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Regina Köhler und Lorenz Vossen
In Berlin werden mehr Babys geboren

In Berlin werden mehr Babys geboren

Foto: Waltraud Grubitzsch / dpa

In Berlin leben so viele Menschen wie nie seit dem Weltkrieg. Grund ist der Babyboom und zuziehende Flüchtlinge. Die Stadt wird jünger.

Berlin.  Das Bevölkerungswachstum in der Hauptstadt geht weiter: Wie aus den neuesten Zahlen des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg hervorgeht, lebten in Berlin im Jahr 2016 rund 3,575 Millionen Menschen. Das entspricht einem Zuwachs von 1,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Damals betrug die Zuwachsrate 1,4 Prozent.

Vor allem die Einwohnerwanderung wirkt sich positiv aus. So zogen 54.200 Menschen mehr nach Berlin als von dort weg. Die Mehrheit von ihnen sind junge Menschen, allein in der Gruppe der 18- bis 30-Jährigen waren es 44.400. Über 60-Jährige kehren der Hauptstadt eher den Rücken. „Berlin wächst und wird jünger“, hieß es in der Mitteilung des Statistikamtes am Donnerstag.

Zuzug von Flüchtlingen macht sich bemerkbar

Die Neu-Berliner sind fast ausschließlich Ausländer. Während in der Summe 5400 Personen deutscher Staatsangehörigkeit Berlin verließen, betrug der Zuzugsüberschuss bei den Ausländern 59.600 Personen. Ende 2016 lebten 598.300 Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit in Berlin, 9,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Ausländerquote lag damit bei 16,7 Prozent. Das sind 1,2 Prozentpunkte mehr als 2015. Der Anteil ausländischer Schüler stieg sogar um 17 Prozent.

Vor allem der Zuzug von Flüchtlingen macht sich in der Bevölkerungsstatistik bemerkbar. Allein aus Syrien kamen 2016 mehr als 10.000 Menschen nach Berlin. Zwar haben die meisten ausländischen Mitbürger nach wie vor einen türkischen (97.682) oder einen polnischen (55.846) Reisepass, auf Platz drei liegen aber bereits die Syrer (28.610). Dahinter folgen Einwohner aus Italien, Bulgarien und Russland. Insgesamt kommen rund zwei Drittel der Ausländer in Berlin aus Europa, 20 Prozent aus Asien – neben Syrien vor allem aus Vietnam und China – und je rund fünf Prozent aus Amerika oder Afrika. Die meisten Ausländer wohnen in Mitte, gefolgt von Charlottenburg-Wilmersdorf und Neukölln. Den niedrigsten Anteil weist Treptow-Köpenick auf.

Ein weiterer Grund für den Zuwachs ist die weiterhin steigende Zahl von Geburten in der Hauptstadt. 2016 wurden 41.087 Kinder geboren. Derart viele Geburten gab es seit dem Babyboom Ende der 60er-Jahre nicht mehr. Auf der anderen Seite starben 34.051 Einwohner. Daraus ergibt sich ein Geburtenüberschuss von 7036 Kindern. Bereits seit 2007 verzeichnet man in Berlin stetig steigende Geburtenüberschüsse.

Dies führt auch zu einer Verjüngung der Bevölkerung. So waren die Berliner 2016 im Durchschnitt 42,6 Jahre alt und damit knapp 53 Tage jünger als noch im Vorjahr. Eine abschließende Bevölkerungszahl für 2017 gibt es noch nicht, die Melderegister zeigen jedoch, dass es weiter mehr Menschen in die Stadt zieht als hinaus.

Brandenburg mit den meisten Geburten seit der Wende

Auch das Nachbarland Brandenburg wächst, wenn auch nicht ganz so stark. Laut Statistikamt stieg die Einwohnerzahl um 0,4 Prozent auf 2,459 Millionen und damit das dritte Jahr in Folge.
Insgesamt zogen 20.900 Menschen mehr nach Brandenburg, als das Bundesland verließen. Außerdem wurden dort 20.900 Kinder geboren. Das ist der höchste Wert seit der Wiedervereinigung. Jedoch starben auch 2016 deutlich mehr Menschen, als geboren wurden, sodass es ein Geburtendefizit von 9900 Personen gibt. Die Zahl der Ausländer stieg mit 22 Prozent stärker als in Berlin, allerdings ist der Gesamtanteil dieser Gruppe an der Bevölkerung mit 4,3 Prozent deutlich niedriger als in der Hauptstadt.

Das durchschnittliche Alter der Brandenburger stieg 2016 um 32 Tage auf knapp 46,9 Jahre an, wobei es zwischen den Kreisen deutliche Unterschiede gibt. Wie bereits im Vorjahr ist Potsdam der mit Abstand jüngste Verwaltungsbezirk in Brandenburg. Hier waren die Menschen im Durchschnitt 42,7 Jahre alt. Der zweitjüngste Verwaltungsbezirk war der Landkreis Havelland mit einem Durchschnittsalter der Bevölkerung von 45,7 Jahren. Über sechseinhalb Jahre älter als in der Landeshauptstadt dagegen waren die Menschen im Landkreis Spree-Neiße. Dort betrug das durchschnittliche Lebensalter 49,3 Jahre.

Zugezogene und Berliner

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