Flughafen Tegel

Auch die Tegel-Gegner machen jetzt mobil

Ein Bürgerbündnis will die Stimmung für den Weiterbetrieb von Tegel noch drehen. Die Schauspielerin Jasmin Tabatabai ist auch dabei.

Streitobjekt bei der Volksabstimmung: der Flughafen Tegel

Streitobjekt bei der Volksabstimmung: der Flughafen Tegel

Foto: imago stock / imago/Stefan Zeitz

Da die Befürworter eines weiteren Flugbetriebes in Tegel schon seit Monaten Stimmung machen für ihr Anliegen, mobilisieren nun auch die Anhänger einer Schließung des Stadtflughafens. Unter dem Motto „Tegel schließen. Zukunft öffnen“ hat sich ein Bürgerbündnis konstituiert, das bis zur Volksabstimmung über Tegel am 24. September eine Mehrheit der Berliner überzeugen möchte.

Wesentlich beteiligt sind Abgeordnete der Koalitionsfraktionen SPD, Linke und Grüne. Aber es wurde ausdrücklich darauf verzichtet, die Parteien selbst zu offiziellen Unterstützern zu machen. „Es geht um Informationen für die Bürger, losgelöst von den Aktivitäten des Senats“, sagte Jörg Stroedter (SPD). Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende und Reinickendorfer Kreischef hätte sich auch vom Senat eher klare Aussagen gewünscht. „Der Senat hat die Dynamik des Volksbegehrens unterschätzt“, sagte Stroedter: „Jetzt ist es höchste Zeit, sich zu bewegen.“

„Es soll ein überparteiliches Bündnis sein“, sagte Harald Moritz (Grüne). Es gehe nicht um eine „Bewertung des Senats“, sondern um eine Zukunftsfrage für die Stadt. So finden sich unter den Erstunterzeichnern die seit Jahren aktiven Bürgerinitiativen gegen Stadtflughäfen und den Flughafen Tegel. Aber auch der Umweltverband BUND, die Bezirksgruppe Reinickendorf des Mietervereins, die Präsidentin der als Nutzerin des Terminalgebäudes vorgesehenen Beuth Hochschule und einige rot-rot-grüne Politiker. Als erste Prominente hat die Schauspielerin Jasmin Tabatabai unterschrieben.

„Ich halte es noch für möglich, das Thema zu drehen“, sagte Stroedter mit Blick auf die Umfragen, die von einem Sieg der Tegel-Befürworter ausgehen. Im Durchschnitt fliege der Berliner zweimal pro Jahr. Deshalb seien die Argumente der Bequemlichkeit und guten Erreichbarkeit Tegels im Vergleich zu den Belastungen für Hunderttausende Bürger nicht überzeugend, so der Sozialdemokrat.

Wohnungen und Grünflächen geplant

Die Initiative möchte sich in ihrer Argumentation weniger um die rechtlichen Probleme eines Weiterbetriebes kümmern, sondern vor allem die Zukunft nach dem Ende der Fliegerei in den Vordergrund rücken. „Das Nachnutzungskonzept ist vielen Bürgern noch nicht präsent“, sagte Ex-Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke).

Deshalb hebt der Aufruf auch die „fünf Quadratkilometer, halb so groß wie der Wedding“ hervor, die für die Zukunft nutzbar würden. 9000 Wohnungen, davon die Hälfte mit Quadratmetermieten von 6,50 Euro. Zudem gebe es Grünflächen „so groß wie das Tempelhofer Feld“ und einen Wissenschafts- und Technologiepark mit 20.000 möglichen Jobs. Weiteres Argument ist das versprochene Ende der Lärmbelastung für 300.000 Bürger und das Risiko eines Unfalls über dem dicht besiedelten Gebiet. Die Kosten einer Sanierung Tegels, eines Doppelbetriebs zweier Flughäfen und für den Schallschutz kommen hinzu. Dass der Senat in seiner offiziellen Stellungnahme die Kosten für den Weiterbetrieb Tegels nur mit 7,8 Millionen Euro pro Jahr bezifferte, finden die Koalitionsabgeordneten „misslich“. Dabei gehe es keineswegs um eine Grundsanierung, sondern nur um die nötigsten Arbeiten, um einen Kollaps des 1974 eröffneten Terminalbaus zu verhindern.

Der Linke-Politiker Wolf und seine Kollegen zeigten sich auch überzeugt, dass der BER groß genug sein werde, um die steigende Flugnachfrage zu befriedigen. Wie das gelingen soll, stellt Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup dem Aufsichtsrat am heutigen Freitag vor. Es wird daran gedacht, Parkhausflächen für weitere Check-in-Schalter umzunutzen sowie zusätzliche Terminalgebäude zu errichten.

Mehr zum Thema:

Ministerpräsident Woidke warnt vor Weiterbetrieb von Tegel

Auch die Tegel-Gegner machen jetzt mobil

Warum es 2017 keinen Start-Termin für den BER geben wird

Der Senat hat gute Argumente gegen Tegel vorgebracht

Wie der Senat sich die Nachnutzung von Tegel vorstellt

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.