Prozess in Berlin

Mordanschlag aus verletzter Ehre - Angeklagte schweigen

Ein 24-Jähriger soll eine Liebesbeziehung mit einer Cousine gehabt haben. Zwei Männer attackierten ihn deshalb mit einem Messer.

In der Anklage wird davon ausgegangen, dass es ein Mordversuch aus übersteigertem Ehrgefühl war

In der Anklage wird davon ausgegangen, dass es ein Mordversuch aus übersteigertem Ehrgefühl war

Foto: Jens Kalaene / dpa

Liridon B. sagt, es sei zwischen ihm und seiner Cousine Shkurte D. nur eine ganz normale Freundschaft gewesen. Sie habe ihn als Einzige freundlich bei sich aufgenommen, als er vor anderthalb Jahren aus dem Kosovo nach Berlin gekommen sei. Shkurte D.s Bruder Besfort D. und zwei Bekannte sahen es offenbar anders. Sie sollen Liridon B. am 28. März dieses Jahres in einem Haus an der Neuköllner Onckenstraße vor einem Fahrstuhl aufgelauert, den 26-Jährigen geschlagen und mit einem Messer attackiert haben. Alle drei – zwischen 22 und 32 Jahre alt – müssen sich vor einem Schwurgericht wegen versuchten Mordes aus Heimtücke und niedrigen Beweggründen verantworten. Vor Gericht schweigen sie.

In der Anklage wird davon ausgegangen, dass es ein Mordversuch aus übersteigertem Ehrgefühl war. Die Verwandten hätten gedacht, dass es zwischen Liridon B. und Shkurte D.s eine Liebesbeziehung gab. „Eine derartige Verbindung zwischen Cousin und Cousine wird von den meisten Familien als problematisch angesehen“, sagt Staatsanwalt Martin Glage. „Und erst Recht in dieser kosovo-albanischen Familie.“

Messerstiche treffen Lunge - Not-Operation

Liridon B. kam am 28. März gerade aus der Wohnung von Shkurte D., die geschieden ist und nach dem Willen der Familie mit einem der drei Angeklagten, dem 32-jährigen Ilir J., verheiratet werden sollte. Es gelang ihm noch, zu fliehen und mit dem Fahrstuhl nach oben, zurück zur Wohnung von Shkurte D. zu fahren. Die Frau alarmierte sofort Polizei und Rettungsstelle. Liridon B., der inzwischen ins Koma gefallen war, wurde ins Krankenhaus und dort sofort notoperiert. Einer der Messerstiche hatte seine Lunge getroffen.

Vor Gericht ist Liridon B. nun nicht nur der wichtigste Zeuge, sondern auch Nebenkläger. „Ich möchte wissen, warum sie das getan haben“, sagt er. „Ich hatte mit keinem von ihnen Probleme.“

Interessant in diesem Prozess, dessen Fortsetzung für den 11. November geplant ist, wird die Aussage von Shkurte D.s Mutter sein. Sie soll zu Liridon B. mehrfach gesagt haben, dass er sich von der Familie und vor allem von Shkurte D. fernhalten solle. Ermittler spekulieren, dass sie einen gehörigen Anteil an dem geplanten Überfall haben könnte. Es heißt, sie habe ein Verhältnis mit Ilir J. und ihn mit der Tochter verheiraten wollen, um ihn in der Nähe zu haben.