Bildung

„Berlin ist nicht mit Flächenländern zu vergleichen“

Welche Konsequenzen zieht Berlin aus dem Sprach-Ländervergleich? Ein Interview mit Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD).

Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) ]

Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) ]

Foto: dpa Picture-Alliance / Sophia Kembowski / picture alliance / dpa

Berliner Morgenpost: Frau Scheeres, worin sehen Sie die wesentlichen Ursachen für die Stagnation der Leistungen der Berliner Schüler auf niedrigem Niveau im Fach Deutsch?

Sandra Scheeres: Die Ergebnisse stellen natürlich nicht zufrieden. Aber differenzierter: In Englisch haben sich die Ergebnisse verbessert, in Französisch sind sie gut, im Fach Deutsch stagnieren sie. Wir haben in Berlin in den vergangenen Jahren viel auf den Weg gebracht. Die meisten Maßnahmen zeigen jedoch erst noch Wirkung. Ganz wichtig ist zum Beispiel die in dieser Legislaturperiode modernisierte Lehrkräfteausbildung. Auch das Bonusprogramm für Schulen in schwierigen sozialen Lagen ist erfolgreich.

Wo sehen Sie die besonderen Herausforderungen für Berlin?

Die Stadt Berlin ist in ihrer Sozialstruktur nicht mit den Flächenländern zu vergleichen. Jedes dritte Kind lebt in Armut, fast jedes zweite Kind hat einen Migrationshintergrund. Der Schwerpunkt muss weiterhin auf der Qualität des Unterrichts liegen. Dabei dürfen wir aber auch die Förderung der leistungsstarken Schüler in der Spitze nicht vergessen. In der Spitze ist Berlin vergleichsweise gut, das wollen wir ausbauen.

Durch welche Maßnahmen kann der Unterricht verbessert werden?

Zum kommenden Schulhalbjahr führen wir zum Beispiel ein Ampel-Modell ein. Daran können Schulen sofort erkennen, wo sie stehen, und sie bekommen schnell Unterstützung, wenn Probleme auftauchen. Wir wollen damit schneller und gezielter auf Fehlentwicklungen reagieren. Weiterhin müssen die Ergebnisse der Vergleichsarbeiten noch stärker genutzt werden, um die Schüler gezielt zu fördern. Dabei soll sich über erfolgreiche Methoden ausgetauscht werden. Und wir sorgen weiter dafür, dass die Rahmenbedingungen wie die ausreichende Anzahl an Lehrkräften stimmen. Deshalb bauen wir unter anderem auch die Kapazitäten an den Hochschulen weiter aus.