Ländervergleich

Deutsch-Leistungen von Berlins Schülern auf unterem Niveau

Beim jüngsten Länder-Schülervergleich liegen die Berliner wieder unterm Bundesdurchschnitt. In Englisch sind sie besser als in Deutsch.

Die Berliner Schüler liegen zwar noch unter dem bundesweiten Schnitt, doch die Ergebnisse im Lese- und Hörverstehen haben sich wie in fast allen anderen Bundesländern verbessert

Die Berliner Schüler liegen zwar noch unter dem bundesweiten Schnitt, doch die Ergebnisse im Lese- und Hörverstehen haben sich wie in fast allen anderen Bundesländern verbessert

Der Ländervergleich im Bereich Sprache, den die Kultusministerkonferenz am Freitag präsentierte, war mit Spannung erwartet worden. Wie zuletzt 2009 waren in allen Bundesländern die Leistungen der Neuntklässler in Deutsch und in Englisch geprüft worden. Zum ersten Mal gibt es in der Auswertung nicht nur ein Ranking, sondern es ist auch ein Trend ablesbar. Getestet wurden vom „Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen“ (IQB) bundesweit mehr als 37.000 Schüler.

Wenig überraschend ist, dass im Ländervergleich die Schüler in Bayern vorbildlich sind, während die aus den Stadtstaaten Berlin und Bremen die Schlusslichter bilden. Für Aufsehen sorgte dagegen die Entwicklung der Länder in den einzelnen Bereichen. „Auch wenn die Schülerschaft unterschiedlich ist, verbessern könnten sich alle“, sagte Petra Stanat, Direktorin des IQB, bei der Vorstellung der Studie. Die Fortschritte fallen aber höchst unterschiedlich aus.

Fast jeder dritte Schüler fällt im Deutsch-Test durch

Während sich etwa die Leistungen der überdurchschnittlich starken Schüler in Baden-Württemberg beim Lesen und Zuhören überraschend verschlechtert haben, sind die Schüler in Brandenburg und Sachsen in allen getesteten Bereichen deutlich besser geworden. In Berlin zeigt sich ein positiver Trend bei den Englisch-Leistungen.

In Deutsch dagegen stagnieren die Ergebnisse – und das auf unterem Niveau. Betrachtet man nur die Fähigkeiten im Lesen, dann erreichen in Berlin 42,7 Prozent der Neuntklässler den Regelstandard, der zum Mittleren Schulabschluss erforderlich ist. Im Bundesdurchschnitt sind es 48,8 Prozent. Besorgniserregend ist die hohe Zahl der Berliner Schüler, die nicht einmal Mindeststandards erreichen. 30,8 Prozent von ihnen sind im Test praktisch durchgefallen.

Lese- und Hörverstehen haben sich verbessert

Allein mit den besonderen Pro­blemlagen der Stadtstaaten lassen sich diese Ergebnisse nicht erklären. Hamburg zeigt, dass es auch anders geht. „Hamburg hat sich sehr stark auf die Entwicklung der Unterrichtsqualität konzentriert“, sagte Petra Stanat der Berliner Morgenpost. Insgesamt sei in den Ländern deutlich, so Stanat, dass Strukturveränderungen wie die Zusammenlegung von Haupt- und Realschulen, Unruhe ins System bringen würden. Die Lehrer hätten weniger Zeit, sich mit der Entwicklung des Unterrichts zu beschäftigen. In Englisch schneiden die Stadtstaaten nicht viel schlechter ab als die anderen Länder. Die Benachteiligung der Schüler aus Zuwanderungsfamilien würde sich in Englisch weniger stark auswirken, so Stanat. Die Berliner Schüler liegen zwar noch unter dem bundesweiten Schnitt, doch die Ergebnisse im Lese- und Hörverstehen haben sich wie in fast allen anderen Bundesländern verbessert. Die Mädchen erreichen laut Studie insgesamt bessere Ergebnisse als die Jungen. Die größten Unterschiede zeigen sich in der Orthografie. Bundesweit 70 Prozent der Jugendlichen, die im Bereich Orthografie an den Mindeststandards scheitern, sind Jungen. Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) sieht für Berlin den Schwerpunkt in der Verbesserung der Unterrichtsqualität. Die Gewerkschaft Bildung und Wissenschaft (GEW) hält dagegen: „Die Senatorin versucht, ihre Verantwortung auf uns Lehrkräfte abzuwälzen. Sie sollte sich stattdessen Gedanken über eine bessere Personalausstattung machen“, sagte Tom Erdmann, Vorsitzender der GEW. Die vielen Schulreformen der letzten Jahre hätten ohne ausreichende Ressourcen umgesetzt werden müssen.

Lesen Sie mehr zum Thema Bildung in Berlin:

Berlins Bildungssenatorin verspricht bessere Schulen

Berliner Lehrer können Schüler kaum individuell fördern

Diese Bundesländer gewinnen den Schüler-Vergleichstest