Kinderbetreuung

Berlin: Agentur verlangt Geld für Kita-Plätze

Für immer mehr Eltern ist es schwierig, für ihre Kinder in Berlin eine geeignete Kita zu finden. Das übernimmt jetzt eine Agentur.

Ulrike Käfer, Lorna Ather und Inga Sarrazin (v.l.) von der Agentur Maternita

Ulrike Käfer, Lorna Ather und Inga Sarrazin (v.l.) von der Agentur Maternita

Foto: Stephanie Kutzer / BM

Gerade wer spontan sucht, hat schlechte Karten: die Kitas erhalten Anmeldungen für die nächsten drei Jahre, selbst von Müttern, die ihre Schwangerschaften erst planen. Lange Wartelisten, stundenlanges Rumtelefonieren gehören dazu. Es wird mit harten Bandagen gekämpft, wenn es um den Nachwuchs geht.

Das Berliner Start-up-Unternehmen Maternita bietet jetzt Hilfe für Eltern an, die ebenso verzweifelt wie zahlungswillig sind. Für 85 Euro pro Stunde vermitteln die Gründerinnen Ulrike Käfer und Inga Sarrazin mit ihrem Team zwischen den Kindertagesstätten und den Eltern.

Anfänglich konzentrierte sich die im Prenzlauer Berg angesiedelte Agentur Maternita (italienisch für Mutterschaft) auf die Betreuung werdender und junger Mütter, verstand sich als Concierge-Service für Schwangere − Einkaufsservice und Vermittlung von Hebammen inklusive. Mittlerweile wurde das Angebot aber um die Vermittlung der Kitaplätze erweitert.

„Wir verstehen uns als Dienstleister“

Inga Sarrazin erklärt das Konzept: „Wir verstehen uns als Dienstleister und nehmen den Eltern Arbeit ab. Viele Paare sind berufstätig und haben schlichtweg keine Zeit, sich mit den Anmeldeverfahren zu beschäftigen.“

Da kommt Maternita ins Spiel. Zunächst wird eine Checkliste erstellt: Wie viele Stunden soll das Kind betreut werden, in welchem Bezirk soll die Kita liegen, welches erzieherische Konzept ist gewünscht − all diese Fragen gilt es zunächst zu klären. Der ein oder andere wünscht sich auch schon mal vegane Kita-Kost.

„Danach geht es an die Recherche, wir schicken entsprechende Kitavorschläge an die Eltern und wenn es passt, stellen wir dann den Erstkontakt her“, so die 39-jährige Sarrazin, die selbst Mutter von Zwillingen ist.

Agentur-Mitarbeiterinnen haben Zeit zum Nachhaken

Bessere Erfolgschancen als „Normalo-Eltern“ habe die Agentur zwar nicht, aber einen entscheiden Vorteil: Zeit zum Nachhaken. „Wir rufen öfter an, fragen nach und bleiben dran. Das können Eltern oft nicht leisten.“ 50 Kita-plätze hat die Agentur seit Mitte vergangenen Jahres so erfolgreich vermittelt, Tendenz steigend.

Die Vorsitzende des Landeselternausschusses Berliner Kindertagesstätten (LEAK), Katrin Molkentin sagt dazu: „Das ist natürlich eine pfiffige Geschäftsidee, aber wir dürfen die eigentlichen Dienstleister, das Jugendamt, nicht vergessen.“

Seit dem 1. August 2013 haben alle Kinder ab dem Alter von einem Jahr bis zur Einschulung einen Rechtsanspruch auf einen Platz in einer Tageseinrichtung oder in Kindertagespflege. Das Jugendamt müsste im Problemfall helfen, einen Kitaplatz innerhalb von zwei Monaten stellen. Ob dieser dann jedoch fußläufig vom Zuhause entfernt liegt, wird, anders als bei der Agentur, nicht garantiert.

Jugendamt sollte bei Problemen vermitteln

Christine Keil (Linke), Jugendstadträtin in Pankow, hat eine klare Meinung zum Serviceangebot von Maternita: „Ich halte nichts davon, dass Eltern für die Platzsuche an eine Agentur Geld bezahlen“, kritisiert sie. Auch sie plädiert für das Angebot des Jugendamts. „Es sind in diesem Jahr immerhin zwischen 50 und 100 Eltern, die sich mit der Bitte um Unterstützung an das Jugendamt gewandt haben.

Es gelingt nicht immer, schnell einen Platz zu vermitteln, bislang konnten die meisten Kinder aber innerhalb von zwei Monaten versorgt werden.“ Wie weit eine Kita vom eigenen Wohnort entfernt sein darf, ist klar geregelt: „Die Vermittlung wird für einen Bereich, der in 30 Minuten mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar ist, vorgenommen, so wie gesetzlich vorgesehen“, so Keil.

Eine weitere Alternative zum Service der Agentur ist das Onlineportal der Senatsverwaltung für Jugend, Bildung und Wissenschaft, auf dem freie Kitaplätze aus Berlin gemeldet werden sollen. Hier bietet sich zwar ein grober Überblick über freie Plätze, bringt den Eltern aber nicht immer den gewünschten Erfolg, weil doch zu wenig freie Plätze gemeldet werden − obwohl Kitas seit Juni 2016 dazu verpflichtet sind dort teilzunehmen.

Ilja Koschembar, Sprecher der Jugendverwaltung, räumt Schwächen des Portals ein. „In der Praxis ist der Nutzungsgrad eher gering, da Träger häufig keinen Bedarf sehen, freie Plätze anzuzeigen - oft sind schon Kinder bekannt, zum Beispiel Geschwisterkinder, die in absehbarer Zukunft einen Platz benötigen. In der Folge verzichten die Träger auf eine Anzeige“, so Koschembar.

Mittlerweile fühlen sich viele Eltern so machtlos, dass sie sich in ihrem Bezirk auf die Warteliste jeder Einrichtung schreiben. Das wiederum hat zur Folge, dass die Anwärterflut von den jeweiligen Einrichtungen kaum zu bewältigen ist.

Doch die Kita-Elternvorsitzende Katrin Molkentin versucht alle Eltern mit akut dünnem Nervenkostüm zu beruhigen: „In Berlin gelten für die Kitas das gleiche Bildungsprogramm und finanzielle Unterstützung. Man kann also in jeder Kita groß werden.“

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