Betreuung

Wenn die Kita zu den Eltern nach Hause kommt

Kinder von Eltern, die am Wochenende oder im Schichtdienst arbeiten, können zu Hause betreut werden. Das Personal kommt in die Wohnung.

Bildunssenatorin Sandra Scheeres (SPD) informiert über ein neues Modellprojekt zur mobilen Kinderbetreuung im Haushalt der Eltern

Bildunssenatorin Sandra Scheeres (SPD) informiert über ein neues Modellprojekt zur mobilen Kinderbetreuung im Haushalt der Eltern

Foto: Sophia Kembowski / dpa

Ab sofort werden kinderfreundliche Berliner gesucht, die sich einen Nebenjob vorstellen können. Denn künftig sollen Kinder von Eltern, die am Wochenende oder im Schichtdienst arbeiten, auch zu Hause betreut werden. Am Mittwoch gab Bildungssenatorin San-dra Scheeres (SPD) den Startschuss für das Modellprojekt „Mobiler Kinderbetreuungsservice für Eltern mit besonderen Arbeitszeiten“ (Mokis).

„Durch den neuen Service für Eltern sollen die Betreuungszeiten für Kinder in den Kitas und in den Schulhorten noch flexibler werden“, sagte Scheeres. Das sei vor allem für die vielen Alleinerziehenden in der Stadt eine wichtige Voraussetzung, um beispielsweise in der Gastronomie oder im Einzelhandel arbeiten zu können.

Neue Anlaufstelle eröffnet

Am Mittwoch wurde die neue Anlaufstelle für Eltern und Mitarbeiter in den Räumen der proFam gGmbH an der Stresemannstraße 78 in Kreuzberg eröffnet. Hauptaufgabe der Servicestelle ist es, zunächst Personal zu rekrutieren, das die ergänzende Kinderbetreuung übernehmen kann. Die Senatorin setzt auf Studenten, Senioren oder auch Hausfrauen, die Zeit und Interesse haben, sich um die Kinder außerhalb der Kita-Öffnungszeiten zu kümmern.

Alle Interessierten müssen ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen und erhalten eine Schulung mit 24 Unterrichtseinheiten, in der sie für den Job qualifiziert werden. Inhalte sind beispielsweise Erste Hilfe am Kind, die Gestaltung des Alltags oder die Zusammenarbeit mit den Eltern. Der Stundenlohn für die Kinderbetreuung beträgt 8,50 Euro. „Die Aufgaben sind nicht zu vergleichen mit denen einer Erzieherin, denn die Umsetzung des Bildungsprogrammes erfolgt ja für die Kinder in der Kita oder in der Schule“, sagte Peter Heinßen von der Mokis-Servicestelle. Die Familien können auch selbst Menschen aus dem Bekanntenkreis für den Job vorschlagen, die sich bisher vielleicht unentgeltlich um die Kinder gekümmert haben.

500 Kinder nehmen das Angebot bereits in Anspruch

Bereits jetzt gibt es 500 Kinder, die einen ähnlichen Service nach der Schule oder nach der Kita in Anspruch nehmen. Davon sind 265 Hortkinder zischen sechs und zehn Jahren. Allerdings werden diese in den Räumen der Tagespflege betreut. Viele Eltern wünschten sich aber, dass die Kinder nicht um vier Uhr aus dem Bett gerissen werden müssten oder abends schon zu Hause ins Bett gebracht werden könnten, so die Senatorin.

Genau das soll der neue Service leisten. Der Bedarf wird bei den Jugendämtern, die auch die Kita-Gutscheine vergeben, angemeldet. Die Gebühr für die zusätzliche Betreuungszeit wird einkommensabhängig und je nach benötigter Stundenzahl berechnet. Vor allem Alleinerziehende zahlen in der Regel aufgrund des geringen Haushaltseinkommens einen geringen Beitragssatz. Für Kinder, die beitragsfrei zur Kita gehen, ist auch dieses Angebot kostenlos. Die Kita-Gebühren werden bis 2018 schrittweise komplett abgeschafft, und die SPD will künftig auch die Hortgebühren abschaffen.

24-Stunden-Kita wurde nicht angenommen

Angebote von 24-Stunden-Kitas wurden von Eltern bislang nicht angenommen. Das neue Modell soll nun dem Wunsch entgegenkommen, die Betreuung am Abend oder am Wochenende familiärer zu gestalten. Einen ersten Infoabend gibt es am 12. Oktober um 18 Uhr in den Räumen von Mokis. Informationen sind auch im Internet unter www.mokis.berlin zu finden.