Finanzielle Krise

Berliner Bäderbetrieben droht Millionenverlust

Zu wenig Personal, zu hohe Preise: Die Einnahmen der Berliner Bäderbetriebe liegen im ersten Halbjahr elf Prozent unter dem Plan.

Personalmangel, technische Probleme und zu hohe Preise treiben die Berliner Bäderbetriebe in eine Krise

Personalmangel, technische Probleme und zu hohe Preise treiben die Berliner Bäderbetriebe in eine Krise

Foto: IM / Denver Post via Getty Images

Die Berliner Bäderbetriebe (BBB) rutschen immer weiter in die Krise. Trotz vieler Millionen Euro Zuschüsse des Senats für die Sanierung, sind Berlins öffentliche Schwimmbäder dennoch häufig geschlossen – wegen Personalmangels oder technischer Probleme. Zudem bleiben die Besucher aus, vor allem wegen der ungünstigen Öffnungszeiten und der hohen Preise. Als Folge dessen sind die Erlöse der Anstalt öffentlichen Rechts aus dem Badebetrieb im ersten Halbjahr 2016 weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Zum Jahresende droht deswegen eine weitere Finanzlücke in Millionenhöhe.

Die Bäderbetriebe haben in Antworten der Senatssportverwaltung auf eine Reihe von Anfragen der Linken-Abgeordneten Gabriele Hiller Einblick in ihre Lage geben müssen. „Das ganze Konzept der neuen Preise ist gescheitert“, so die Parlamentarierin, die dem neuen Landesparlament nicht mehr angehören wird: „Man hat nicht das Gefühl, dass sich etwas bessert.“

Stadtbad Schöneberg öffnet mit Verspätung

Viele Bäder hatten zwischen Januar und Juni 2016 viel seltener geöffnet als vorgesehen. So war im Stadtbad Spandau-Nord das Baden und Schwimmen nur zu 80 Prozent der eigentlichen Öffnungszeiten möglich. Im Stadtbad Lankwitz lag der „Erfüllungsgrad“ bei 85,6 Prozent, im Stadtbad Tempelhof bei 85,9 und im Stadtbad Märkisches Viertel bei 86,3 Prozent.

Ein Minus von knapp zwei Millionen Euro

Viele Sommerbäder waren noch deutlich öfter geschlossen. Hätten nicht die stark von Sportvereinen genutzten Bäder durch den Einsatz der Schwimmvereine oft länger geöffnet als geplant, wäre die gesamte Quote der tatsächlich angebotenen „Wasserzeiten“ noch deutlich geringer ausgefallen als die 94 Prozent, die die BBB offiziell angeben.

Bäderchef Andreas Scholz-Fleischmann führt einen Großteil der ungeplanten Schließzeiten auf den Sanierungsstau zurück. Fast die Hälfte der Ausfälle resultiere aus technischen Problemen, sagte er der Morgenpost. In einem Fall habe man fünf Wochen auf ein kleines Ersatzteil für eine defekte Lüftung warten müssen.

Jedes dritte Schulkind in Neukölln kann nicht schwimmen

Mit den ausgefallenen Zeiten geht ein Verlust von Einnahmen einher. Die Erlöse lagen Stand Ende Juni um elf Prozent unter Plan. Dieser Trend deutet hochgerechnet auf das Jahr auf ein Minus von knapp zwei Millionen Euro hin, das die Anstalt verkraften muss. Der Bäderchef räumte ein, dass die Einnahmen unter Plan liegen.

Diese Einbußen könnten aber zum Teil durch Einsparungen kompensiert werden. Außerdem werde es nicht gelingen, die vom Land zusätzlich bereitgestellten Investitionsmittel auszugeben. „Von der Organisation her sind die BBB noch nicht auf einen solchen Geldsegen eingestellt“, sagte Scholz-Fleischmann.

Mangel an qualifizierten Bewerbern

Im vergangenen Jahr hatten die BBB mit dem eigentlichen Badebetrieb 15 Millionen Euro umgesetzt, das war aber ein sehr positiver Ausreißer wegen des warmen Sommers im Vorjahr. Die Witterung 2016 war weniger günstig für die Badbetreiber, auch wenn viele Sommerbäder zuletzt die Freiluftsaison verlängert hatten. Die BBB selbst räumen in der von Sport-Staatssekretär Andreas Statzkowski (CDU) übermittelten Antwort ein, dass Umsätze und Besucherzahlen hinter den Erwartungen zurückgeblieben seien.

Für den seit März amtierenden neuen Bäderchef, der den freiwillig zurückgetretenen Ole Bested Hensing abgelöst hatte, bleiben jede Menge Baustellen, so auch der Personalmangel. Zuletzt stand etwa in Lichtenberg oder im Südwesten keine Schwimmhalle zur Verfügung. Alle Hallen geöffnet zu lassen, sei aber nicht möglich. Dafür allein bräuchte man 280 zusätzliche Fachkräfte, die gebe es gar nicht, so Scholz-Fleischmann. Bis heute haben es die BBB nicht vermocht, die 25 vom Abgeordnetenhaus genehmigten Fachkräfte einzustellen.

Bisher seien erst 13 Personen engagiert worden. Die Zahl der qualifizierten Bewerber sei ungenügend. Eine weitere Ausschreibung laufe. Auch Saisonarbeitskräfte setzen die BBB deutlich seltener ein als früher. Im August 2016 waren es mit 63 zwar etwas mehr als im Jahr zuvor, 2014 halfen aber mit 82 deutlich mehr Rettungsschwimmer und Kassierer aus, um die Freibäder an schönen Tagen länger offen halten zu können. „Das Verhältnis zwischen Geschäftsleitung und Belegschaft ist miserabel“, kritisierte die Abgeordnete Hiller.