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Das ändert sich bei der U-Bahn mit dem Fahrplanwechsel

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Lorenz Vossen
Der Preis für den Einzelfahrschein soll demnächst erhöht werden

Der Preis für den Einzelfahrschein soll demnächst erhöht werden

Foto: Hauke-Christian Dittrich / dpa

Die meisten Fahrzeuge sind überaltert, wann das neue Vergabeverfahren startet, ist offen. Die Verkehrsbetriebe müssen kreativ werden.

Ein bisschen was würde sich schon verbessern, versprach Sigrid Nikutta am Dienstagabend, als sie in Lichtenberg bei einer Fachveranstaltung des Fahrgastverbands Igeb rund 100 Zuhörern Details zum neuen Fahrplan (siehe Grafik) verriet. Aber der „große Wurf“, so die Chefin der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), sei erst möglich, wenn ihr Unternehmen über mehr Fahrzeuge verfüge.

Und die lassen zum Teil auf sich warten. Besonders der Zustand der U-Bahn-Flotte bereitet Experten Kopfzerbrechen. Die 478 Wagen des sogenannten Kleinprofils, die auf den Linien 1 bis 4 unterwegs sind, haben im Durchschnitt fast 30 Jahre Einsatz hinter sich. Die 766 Großprofil-Wagen kommen auf 27 Jahre. „Gesund“, heißt es bei der BVG, wäre eine Flotte mit einem Durchschnittsalter von 20 Jahren. Vor allem beim Großprofil gebe es „keinerlei Puffer“, kritisierte Jens Wieseke von der Igeb. Schon längst hätte hier eine neue Ausschreibung erfolgen müssen, „doch der Senat hat das verschlafen“.

Auf der „Kanzler-U-Bahn“ fahren 59 Jahre alte Wagen

Wann das Vergabeverfahren startet, ist nicht bekannt, „die Fahrzeugbeschaffungsstrategie wird derzeit finalisiert“, sagte ein BVG-Sprecher. Dem Vernehmen nach könnte es im November so weit sein, bis zur Auslieferung vergehen dann aber noch mal fünf Jahre. Beim Großprofil ist die Not inzwischen so groß, dass die BVG auf der Linie U55 ab Dezember sogar Waggons der Baureihe D eingesetzt. Alter: 59 Jahre.

Ein Teil dieser Wagen war Ende der 90er-Jahre ausgemustert und nach Nordkorea verkauft worden. Darüber hinaus rüstet die BVG die alten Wagen der Baureihen F74 und F76 auf. Das kostet pro Doppelwagen eine Million Euro, was einem Drittel des Werts eines Neufahrzeugs entspricht, und soll die Züge für weitere 20 Jahre fit machen. „Wir sind den alten Fahrzeugen sehr dankbar“, sagte Nikutta.

BVG hat Investitionen verschlafen

Weil das alles nicht reicht, hat die BVG für rund 60 Millionen Euro elf weitere Züge der modernen IK-Reihe bestellt. Sie sind sowohl auf den Klein- als auch auf den Großprofil-Linien einsetzbar – dank angeschraubter Metallbretter, die die Lücke zwischen Zug und Bahnsteigkante schließen. Auslieferungsdatum ist Ende 2017. Es ist dasselbe Modell, das als Prototyp unter dem Namen „Icke“ bereits auf der U1 getestet und für gut befunden wurde. Im Juli wurde der Kauf von 27 Zügen bewilligt, die ab Frühling 2018 auf die Linien 1 bis 4 geschickt werden.

Das entspannt die Lage beim Kleinprofil, und auch bei der Tram hat die BVG gute Neuigkeiten. Laut Nikutta wird erwogen, beim Hersteller Bombardier die vierte und letzte Liefer­option für die Flexity-Straßenbahnen zu ziehen. Zu den bisher 189 bestellten Fahrzeugen würden sich dann 21 weitere gesellen.