Neuer Fahrplan

Berlins U-Bahnen fahren ab Dezember anders

Zum Fahrplanwechsel gibt es mehr Züge am Morgen und am Abend, aber der große Wurf bleibt aus. Denn die Züge sind die Greise der Gleise.

Im vergangenen Jahr fuhren mehr als eine Milliarde Menschen mit der BVG

Im vergangenen Jahr fuhren mehr als eine Milliarde Menschen mit der BVG

Foto: A3464 Rainer Jensen / dpa

Gute Nachrichten für Frühaufsteher und Nachtschwärmer in Berlin: Zum Fahrplanwechsel am 11. Dezember weiten die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) ihr Angebot aus. Das gab das Unternehmen am Dienstagabend bei einer Veranstaltung des Fahrgastverbands Igeb bekannt. Vor allem Nutzer der U-Bahn sollen profitieren.

So fahren die Züge montags bis freitags morgens ab Betriebsbeginn auf allen Linien bereits im Zehn-Minuten-Takt, statt wie zuvor alle 20 Minuten. Ausnahmen gibt es auf Teilstrecken der Linien U1, U3 und U6.„Das ist definitiv zu begrüßen und einer Großstadt wie Berlin würdig“, sagte Igeb-Sprecher Jens Wieseke. „Arbeitnehmer müssen immer flexibler sein, auch Reisende sind oft früh unterwegs. Leere Züge sieht man um diese Zeit eigentlich nie.“

Auch am späten Abend fährt die BVG künftig öfter. Von Sonntag bis Donnerstag gilt bis Betriebsschluss ein Zehn-Minuten-Takt. Bislang mussten sich Fahrgäste zu voran­geschrittener Stunde in vielen Fällen mit einem 15-Minuten-Takt begnügen. Hier sieht die Igeb vor allem einen Vorteil für Touristen, die Berlin spät in der Nacht erkunden wollen. „Eine Verbesserung des Angebots in den Randzeiten ist absolut sinnvoll, da dafür ausreichend Fahrzeuge zur Verfügung stehen“, sagte der Grünen-Abgeordnete Stefan Gelbhaar.

Während der Gartenschau fährt U5 nach Hönow öfter

Die Änderungen werfen den bisherigen Fahrplan nicht um, sondern verbessern punktuell. Auf der U7 Richtung Rudow sind die Züge außerhalb der Hauptverkehrszeit künftig drei Minuten, auf der U8 Richtung Wittenau eineinhalb Minuten schneller am Ziel, da die Haltedauer an den Bahnhöfen Hermannplatz beziehungsweise Alexanderplatz angepasst wird. Anpassungen zur Anschlusssicherung gibt es auch bei U2 und U6.

Auf der U8 werden zudem die bisherigen zusätzlichen Fahrten bis Osloer Straße bis zur Haltestelle Paracelsus-Bad verlängert. Im Osten lässt die BVG zur Internationalen Gartenausstellung IGA (13. April bis 15. Oktober 2017) die U5 einen Großteil des Tages alle fünf Minuten fahren. Auf der U9 gilt der Ferienfahrplan in Zukunft nur noch in den Sommerferien, in den sonstigen Schulferien gibt es demnach keinen eingeschränkten Fahrplan mehr.

Auch auf ihren Buslinien legt die BVG nach. Der M45 (Spandau–Bahnhof Zoo) fährt unter der Woche mit einem Bus mehr pro Stunde. Ein verbessertes Angebot gibt es auch auf einigen Expresslinien. Der Nachtbus N8 verkehrt künftig zwischen Osloer Straße und Hermannplatz von 0.30 bis 2 Uhr alle zehn statt alle 15 Minuten.

Komplett neue Buslinie in Treptow-Köpenick

Eine komplett neue Buslinie führt die BVG im Südosten der Stadt ein: Die Linie 169 verkehrt ab dem 11. Dezember zwischen Alt-Müggelheim und Elsterwerdaer Platz. Die beste Nachricht aus dem Bereich Bus konnte die BVG bereits Anfang der Woche verkünden: Ab dem 17. Oktober fährt der TXL wieder vom Flughafen Tegel bis Alexanderplatz – und damit wieder auf seiner ursprünglichen Strecke. Im Juli hatte die BVG beschlossen, den TXL nur noch ab und bis Hauptbahnhof fahren zu lassen, da er auf der restlichen Strecke durch Sperrungen und Veranstaltungen zu stark ausgebremst wurde.

Die wenigsten Änderungen erwartet die Straßenbahn. Lediglich die M4 (Falkenberg–Hackescher Markt) fährt in den Abendstunden öfter. Auf den Linien M5, M6 und M8 hatte die BVG bereits im September nachgebessert. Das Problem fehlender Fahrer, das in der Vergangenheit sogar zur Einstellung von Linien geführt hatte, hat die BVG nach eigenen Angaben einigermaßen im Griff, gänzlich entschärft ist es aber wohl noch nicht.

Die Details zum Fahrplanwechsel befinden sich laut BVG noch in der Abstimmung. Insgesamt sind auf rund 30 Linien Verbesserungen geplant. Mit dem neuen Angebot reagiert das Landesunternehmen auf die steigende Zahl der Fahrgäste. Im vergangenen Jahr wurden erstmals mehr als eine Milliarde Menschen in Bussen und Bahnen befördert. Laut BVG-Chefin Sigrid Nikutta ist der „große Wurf“ beim Verkehrsangebot aber erst mit neuen Fahrzeugen möglich.

U-Bahnen der BVG sind im Schnitt fast 30 Jahre alt

Und die lassen zum Teil auf sich warten. Besonders der Zustand der U-Bahn-Flotte bereitet Experten Kopfzerbrechen. Die 478 Wagen des sogenannten Kleinprofils, die auf den Linien 1 bis 4 unterwegs sind, haben im Durchschnitt fast 30 Jahre Einsatz hinter sich. Die 766 Großprofil-Wagen kommen auf 27 Jahre. „Gesund“, heißt es bei der BVG, wäre eine Flotte mit einem Durchschnittsalter von 20 Jahren.

Vor allem beim Großprofil gebe es „keinerlei Puffer“, kritisiert Jens Wieseke von der Igeb. Schon längst hätte hier eine neue Ausschreibung erfolgen müssen, „doch der Senat hat das verschlafen“. Wann das Vergabeverfahren startet, ist nicht bekannt, „die Fahrzeugbeschaffungsstrategie wird derzeit finalisiert“, sagt ein BVG-Sprecher. Dem Vernehmen nach könnte es im November so weit sein, bis zur Auslieferung vergehen dann aber noch mal fünf Jahre.

Beim Großprofil ist die Not inzwischen so groß, dass die BVG auf der Linie U55 ab Dezember sogar Waggons der Baureihe D eingesetzt. Alter: 59 Jahre. Ein Teil dieser Wagen war Ende der 90er-Jahre ausgemustert und nach Nordkorea verkauft worden. Darüber hinaus rüstet die BVG die alten Wagen der Baureihen F74 und F76 auf. Das kostet pro Doppelwagen eine Million Euro, was einem Drittel des Werts eines Neufahrzeugs entspricht, und soll die Züge für weitere 20 Jahre fit machen. „Wir sind den alten Fahrzeugen sehr dankbar“, so Nikutta.

Gute Neuigkeiten gibt es bei der Straßenbahn

Weil das alles nicht reicht, hat die BVG für rund 60 Millionen Euro elf weitere Züge der modernen IK-Reihe bestellt. Sie sind sowohl auf den Klein- als auch auf den Großprofil-Linien einsetzbar – dank angeschraubter Metallbretter, die die Lücke zwischen Zug und Bahnsteigkante schließen. Auslieferungsdatum ist Ende 2017.

Es ist dasselbe Modell, das als Prototyp unter dem Namen „Icke“ bereits auf der U1 getestet und für gut befunden wurde. Im Juli wurde der Kauf von 27 Zügen bewilligt, die ab Frühling 2018 auf die Linien 1 bis 4 geschickt werden.

Das entspannt die Lage beim Kleinprofil, und auch bei der Tram hat die BVG gute Neuigkeiten. Laut Nikutta wird erwogen, beim Hersteller Bombardier die vierte und letzte Liefer­option für die Flexity-Straßenbahnen zu ziehen. Zu den bisher 189 bestellten Fahrzeugen würden sich dann 21 weitere gesellen.

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