Kriminalstatistik

Dreimal mehr Gewalt gegen Flüchtlinge in Berlin

Die politisch motivierte Kriminalität in Berlin hat im ersten Halbjahr zwar abgenommen - dennoch gibt es alarmierende Entwicklungen.

Die Gewalt gegen Flüchtlinge ist gestiegen (Archivbild)

Die Gewalt gegen Flüchtlinge ist gestiegen (Archivbild)

Foto: Rundfunk Berlin-Brandenburg

In Berlin gab es im ersten Halbjahr 2016 deutlich mehr Gewalttaten gegen Flüchtlinge und deren Unterkünfte. Mit 36 lag die Fallzahl dreimal höher als in den ersten sechs Monaten 2015, wie die Innenverwaltung am Dienstag unter Berufung auf Polizeidaten mitteilte. Insgesamt als fremdenfeindlich gewertet wurden 64 Gewalttaten, 42 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2015. Schwerpunkte rechter Gewalttaten waren Treptow-Köpenick, Mitte und Marzahn-Hellersdorf.

Brand in Flüchtlingsunterkunft
Video: Brand in Flüchtlingsunterkunft

Insgesamt ging die Zahl der Straftaten mit politischem Hintergrund in den ersten sechs Monaten dieses Jahres aber minimal zurück: Sie sank von 1682 auf 1639.

Davon gehen 695 Fälle auf rechte Kriminalität zurück. Der Trend dabei ist jedoch leicht rückläufig im Vergleich zum Vorjahreszeitraum: Die Fallzahlen sanken von 739 auf 695. Im Kern liegt das an einem Rückgang bei den sogenannten Propagandadelikten, wie dem Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen.

Rückgang von Fällen in Verbindung mit Islamismus

Dagegen holt die linke Kriminalität auf: In diesem Bereich stiegen die Fallzahlen von rund 480 auf 506. Laut Innenverwaltung spielte das Thema Gentrifizierung dabei eine zentrale Rolle. 95 Gewaltdelikte stünden damit in Zusammenhang. Im ersten Halbjahr 2015 hatte diese Zahl noch bei 13 gelegen.

Viele Auseinandersetzungen mit der Szene gab es etwa seit einem großen Polizeieinsatz Mitte Januar in einem von Linksautonomen bewohnten Haus in der Rigaer Straße. Die meiste linke Gewalt verzeichnet die Polizei nun im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg.

Bei der politisch motivierten Kriminalität von Ausländern wurden zwei Fälle mehr als im Vorjahreszeitraum verzeichnet: 117. Deutliche Zunahmen gab es bei Taten in Zusammenhang mit der Kurdenproblematik. Dagegen gingen Fälle in Verbindung mit Islamismus und Fundamentalismus laut Polizei um 68 Prozent von 47 auf 15 zurück.