Friedhöfe

Die Hüterin der verfallenen Promi-Gräber in Wilmersdorf

Ulrike Kopetzky forscht zu verstorbenen Berliner Persönlichkeiten, die in Wilmersdorf begraben sind. Eine Ortsbegehung.

Vom Vergessen bedroht: Ulrike Kopetzky vor der Erbbegräbnisstätte der Familie Schramm

Vom Vergessen bedroht: Ulrike Kopetzky vor der Erbbegräbnisstätte der Familie Schramm

Foto: Brigitte Schmiemann / BM

Sie will etwas für die ungepflegten Gräber auf dem Friedhof Wilmersdorf tun. Insbesondere geht es Ulrike Kopetzky um die aufwendig gestalteten und unter Denkmalschutz stehenden Erbbegräbnisstätten. 110 sollen es sein. Die meisten machen einen trostlosen, vernachlässigten Eindruck. „Viele müssten dringend saniert werden. Es gehen Namensinschriften verloren, Steine sind verschwunden, vieles ist kaputt, muss dringend aufgearbeitet werden. Sonst droht ein wichtiger Teil unseres Kulturerbes verloren zu gehen“, mahnt die Wilmersdorferin, die in der Nähe des Friedhofs wohnt.

Friedhöfe und Grabstellen sind für die 54-jährige Berlinerin wichtige Zeugnisse des Gedenkens und der Stadt­geschichte, die gepflegt werden müssen. Zu forschen, was die Toten zu Lebzeiten geleistet haben, macht der Journalistin und Tochter eines Geschichtslehrers dabei sichtlich Freude.

Ein Verzeichnis des Friedhofs und seiner Kunsthistorie

Über Geheimrat Dr. Ing. Gustav Kemmann (1858–1931) zum Beispiel. Er gilt als „Vater“ der Berliner Hoch- und Untergrundbahn und legte verkehrswissenschaftliche Grundlagen für den Bau der ersten U-Bahn Deutschlands in Berlin. 1922 schrieb er im Auftrag des Berliner Oberbürgermeisters Gustav Böß ein Gutachten über „die Möglichkeit einer Interessen-Gemeinschaft zwischen den verschiedenen Verkehrsunternehmungen Berlins”, das 1929 zur Gründung der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) führte. Dem Verkehrspionier, der auf dem Friedhof an der Berliner Straße liegt, möchte Kopetzky die Ehre zuteilwerden lassen, die ihm ihrer Meinung nach gebührt. Sie möchte einen Flyer zum Friedhof und seinen kunsthistorischen Schätzen erarbeiten, auf dem auch Führungen angeboten werden sollen.

Die Erbbegräbnisstätte der Familie Schramm ist ein weiteres Zeugnis einer Familie, die in Wilmersdorf Geschichte schrieb. Auch sie müsste dringend restauriert werden. Sie war eine alteingesessene Wilmersdorfer Bauernfamilie, die wie die Blisses und andere Bauern am Ende des 19. Jahrhunderts ihre Felder teuer verkauften, damit in der wachsenden Stadt darauf Mietshäuser gebaut werden konnten. Sie wurden deswegen „Millionenbauer“ genannt.

Otto Schramm (1845–1902) war Sohn eines solchen. 1880 hatte er am Ufer des damaligen Wilmersdorfer Sees die Badeanstalt „Seebad Wilmersdorf“ eröffnet und wenig später Schramms Biergarten, genannt „Tanzpalast Schramm“. 1895 war die Seestraße nach seiner Tochter Hildegard umbenannt worden. Es gibt die Schrammstraße und den „Schrammblock“, einen Miethauskomplex, der damals schon Tiefgaragen hatte. Auf dem ab 1915 zugeschütteten Gelände des Sees befinden sich Sportplätze, die zum Volkspark Wilmersdorf gehören.

Es gibt eine Verpflichtung, die Grabwände zu erhalten

Dass das Bezirksamt bei der Aufgabe, die Denkmale zu pflegen, „hinterherhinkt“, gibt Baustadtrat Marc Schulte (SPD) zu. Das gelte für alle acht Friedhöfe Charlottenburg-Wilmersdorfs: „Steine sind auch Denkmäler. Dem Thema müssen wir uns widmen und Mittel dafür akquirieren“, sagt er auf Anfrage der Berliner Morgenpost. Es gebe eine Verpflichtung, die unter Denkmalschutz stehenden großen Grabwände zu erhalten. Aber es gebe kein Geld dafür. Es sei schon problematisch, allein die bauliche Unterhaltung sicherzustellen. Aus dem laufenden Budget sei die Sanierung einer Grabmalwand, die schnell mal 10.000 bis 100.000 Euro kosten könne, jedenfalls nicht zu finanzieren.

In Einzelfällen haben neue Nutzer dies übernommen, doch das ist die Ausnahme. Das Landesdenkmalamt erteilt nach Auskunft des Grünflächenamtes nur Privaten, nicht der öffentlichen Hand dafür einen Zuschuss. Nichtsdestotrotz sei das Bezirksamt bemüht, die alten Grabanlagen auf diese Weise zu erhalten, mit der Bitte an neue Nutzer dieser Erbbegräbnisstätten, die Aufgabe zu übernehmen.

Bei der Frage der Ehrengräber – es gibt fast 130 im Bezirk, 14 davon auf dem Wilmersdorfer Friedhof – hat die Senatskanzlei laut Schulte zwar zugesichert, den Bezirk einzubeziehen, wenn dort Festsetzungsfristen auslaufen und sie überprüft werden. Es gebe auch einen entsprechenden Beschluss der Bezirksverordneten. Das habe jedoch noch nicht richtig funktioniert, berichtet Schulte.

Viele Gräber werden mit eigenen Kräften gepflegt

Für Ehrengräber erhält der Bezirk 650 Euro pro Grab für die Pflege, aber das Geld steht als Globalsumme im Etat, ist also nicht zweckgebunden. Diese Gräber werden mit eigenen Kräften gepflegt. Doch das Personal ist mit lediglich 32 Friedhofsmitarbeitern für alle acht Friedhöfe äußerst knapp bemessen. Bestattungen können deshalb nur noch an einzelnen Tagen angeboten werden.

Die Initiative von Ulrike Kopetzky, die zudem Mitstreiter sucht, könnte dem finanziell auf Kante genähten Bezirk also helfen. Gerade bei Erbbegräbnisstätten, wo es keine Nutzungsberechtigten mehr gibt, darf sie Mittel akquirieren, so der Bezirk. Kopetzky will das beispielsweise jetzt bei der Lotto-Stiftung versuchen. Sie betont jedoch: „Dem Bezirk sollte klar sein, dass der große Nachholbedarf und die Arbeit, die geleistet werden muss, nicht ausschließlich ehrenamtlich geleistet werden kann.“

Interessenten melden sich bei Ulrike Kopetzky unter: U.Kopetzky@web.de.