Baustelle Berlin

Mehr Leben am Hauptbahnhof

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Isabell Jürgens
"Mittenmang" hat der Investor das Neubauvorhaben an der Lehrter Straße in Mitte getauft

"Mittenmang" hat der Investor das Neubauvorhaben an der Lehrter Straße in Mitte getauft

Foto: Groth Gruppe / BM

Grundsteinlegung für ein neues Stadtquartier mit 1000 Miet- und Eigentumswohnungen an der Lehrter Straße. Auch eine Kita wird gebaut.

Rund um den Hauptbahnhof auf dem Moabiter Werder sind bislang nahezu ausschließlich Büro- und Hotelkomplexe entstanden. Das ändert sich jetzt: Am Mittwoch legte die Berliner Groth Gruppe den Grundstein für das neue Stadtquartier Lehrter Straße. In zentraler Lage, gegenüber der im Bau befindlichen Europacity und fußläufig zum Hauptbahnhof, entstehen bis Ende 2018 rund 1000 Wohnungen.

Das vom Investor „Mittenmang“ getaufte Quartier schließt eine 3,7 Hektar große Lücke an der Lehrter Straße, wo sich bis 1952 das Bahnbetriebswerk des Lehrter Bahnhofs befand. Durch den Mauerbau in unmittelbarer Nachbarschaft fiel das Areal in einen jahrzehntelangen Dornröschenschlaf, aus dem es erst jetzt geweckt wird.

Stadtteil mit Höfen, Stadtplatz, Läden und Restaurants

Nach den Plänen des Architekturbüros Sauerbruch + Hutton entsteht ein Stadtteil, in dem die Gebäude diagonal zur Straße sowie zur neuen Europacity hin versetzt angeordnet werden. Dadurch bilden sich rautenförmige Innenhöfe, die sich sowohl in Richtung Europacity, als auch zum Naherholungsgebiet um das alte Poststadion herum öffnen. Im Zentrum des Quartiers entsteht ein neuer Stadtplatz mit Läden und Restaurants.

Von den rund 1000 Wohneinheiten sollen nach Auskunft der Groth Gruppe 255 Eigentumswohnungen und 344 frei finanzierte Mietwohnungen sein. Zudem errichtet der Bauträger für das landeseigene Wohnungsunternehmen Degewo 158 Sozialwohnungen, in denen die Miete zwischen sechs und 7,50 Euro je Quadratmeter liegen wird. Ferner sollen 250 bis 300 Mikro­apartments und eine Kita mit 80 Plätzen entstehen. Das Investitionsvolumen beträgt laut Groth Gruppe insgesamt 250 Millionen Euro.

Wohnraum für alle gesellschaftlichen Schichten

„Projekte wie dieses zeigen, dass es auch in zentralen Lagen Berlins weiterhin möglich ist, Quartiere zu errichten, die in großem Rahmen Wohnraum für alle gesellschaftlichen Schichten bereitstellen“, sagte Baustaatssekretär Engelbert Lütke Daldrup (SPD). Das Berliner Modell der kooperativen Baulandentwicklung, das den Investor bei größeren Bauvorhaben dazu verpflichtet, Sozialwohnungen und Infrastruktur wie Kitas oder Schulen mitzubauen, habe sich bewährt.

„Auf einen Schlag 1000 Wohnungen und zwar innerstädtisch, das ist auch im dynamischen Berliner Bau­geschehen von heute ein Rekord“, sagte Andreas Schulten vom Beratungsunternehmen Bulwiengesa zur Bedeutung des Wohnprojektes.

Weitere Wohnungen in der „Europacity“

Südlich des Hauptbahnhofs sollen in den kommenden Jahren noch viel mehr Menschen eine Heimat finden: Zeitgleich mit den ersten Bewohnern im Quartier an der Lehrter Straße soll auch in das Nachbarquartier „Europacity“ beidseits der Heidestraße Leben einziehen. Noch im Sommer soll dort Baubeginn für die ersten 200 von insgesamt 550 Wohnungen sein, die zwischen dem Stadtplatz am Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal und dem Kunstquartier Hamburger Bahnhof entstehen sollen. Bezugsfertig sollen auch diese Wohnungen Ende 2018 sein. Insgesamt sind in der 40 Hektar umfassenden Europacity 2800 Wohnungen vorgesehen.