Friedhof in Wedding

Giftköder tötet Greifvogel und bringt Menschen in Gefahr

Bislang Unbekannte haben in Wedding eine Taube mit Gift präpariert. Für Hinweise auf die Täter ist eine Belohnung ausgesetzt.

Auf dem St. Elisabeth-Friedhof in Wedding sind ein Habicht und zwei Mäusebussarde vergiftet worden. Das teilte der Naturschutzbund Berlin (Nabu) am Donnerstag mit. Verwendet wurden Köder mit einer verbotenen, hochgiftigen Substanz. Das Komitee gegen den Vogelmord habe Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt und eine Belohnung für Informationen, die zu einer rechtskräftigen Verurteilung des Giftlegers führen, ausgesetzt.

Bereits am 4. Februar 2016 habe eine Besucherin den toten Habicht auf dem Friedhof an der Wollankstraße gefunden. Sie alarmierte den Nabu, der den toten Vogel barg und in seine Wildvogelstation im Forsthaus Wuhletal brachte. Dort wurde er für spätere Untersuchungen eingefroren.

Genau eine Woche später meldeten Besucher desselben Friedhofes zwei Mäusebussarde, die flugunfähig und in schlechter Verfassung auf einem Weg neben einer toten Brieftaube saßen. Im Nackenbereich der Taube fand sich nach Nabu-Angaben eine klebrig-graue Masse.

André Hallau, Leiter der Wildvogelstation, war alarmiert: „Bei einer solchen Fundhäufung auf so engem Raum ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass es sich um illegale Greifvogelverfolgung handelt.“

Verbotenes Insektizid Methomyl nachgewiesen

Er ließ die beiden angeschlagenen Vögel in die Kleintierklinik der Freien Universität Berlin bringen. Noch am selben Tag meldeten die Tierärzte, dass beide Bussarde deutliche Symptome einer Vergiftung aufwiesen. Hallau informierte das Komitee gegen den Vogelmord, das eine Untersuchung des toten Habichts und der Taube durch das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) und das Zentrum Pharmakologie und Toxikologie in Göttingen veranlasste.

Die Ergebnisse liegen nun vor: Der Habicht starb demnach an einer Vergiftung durch das in der gesamten EU verbotene Insektizid Methomyl. In der klebrigen Masse wurde ebenfalls Methomyl nachgewiesen. „Es kann mit Sicherheit davon ausgegangen werden, dass der Tierkörper der Taube mit diesem Gift präpariert wurde und als Giftköder dienen sollte“, wird aus dem Untersuchungsprotokoll zitiert.

Das Komitee gegen den Vogelmord stellte daraufhin umgehend Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Berlin, unter anderem wegen versuchter schwerer Körperverletzung. „Carbamate wie Methomyl sind für Mensch und Tier sehr gefährlich“, sagte Diana Gevers, Leiterin der vom Bundesumweltministerium finanzierten Erfassungs- und Dokumentationsstelle für Greifvogelverfolgung und Artenschutzkriminalität (E.D.G.A.R.) „Sie sind hochwirksame Kontaktgifte und nicht ohne Grund seit 2007 in der gesamten EU verboten. Jeder Besucher des Friedhofes war in Gefahr, die tote Taube und somit die Giftmasse zu berühren.“

2500 Euro Belohnung ausgesetzt

Bei der illegalen Verfolgung von Greifvögeln handelt es sich laut Komitee gegen den Vogelmord um „ein weit verbreitetes und ernst zu nehmendes Problem“, das den Erhalt seltener Vogelarten nachhaltig gefährdet. Jede Art der Nachstellung von Greifvögeln stelle eine Straftat dar, die laut Bundesnaturschutzgesetz mit bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe geahndet werden kann.

Das Komitee gegen den Vogelmord hat deshalb am Donnerstag für Informationen eine Belohnung in Höhe von 2500 Euro ausgesetzt. Zeugen werden gebeten, sich direkt mit dem Komitee in Verbindung zu setzen (E-Mail an edgar@komitee.de und Telefon 0228/ 66 55 21)