Nach Orlando-Massaker

Berlin sucht Beleuchtungsstrategie fürs Brandenburger Tor

Der Lesben- und Schwulenverband kritisiert fehlende Solidarität nach dem Massaker von Orlando. Die Landesregierung sucht eine Strategie.

Das Brandenburger Tor in Regenbogen-Farben - beim Festival of Lights

Das Brandenburger Tor in Regenbogen-Farben - beim Festival of Lights

Foto: pa

Nach dem Massaker von Orlando fordert der Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg mehr Solidarität mit Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender-Personen.

In einem offenen Brief an Berlins Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) heißt es: "Während der Eiffelturm in Paris und die Stadtverwaltung in Tel Aviv in Regenbogenfarben erstrahlen, leuchtet kein Regenbogen am Brandenburger Tor."

Verbands-Geschäftsführer Jörg Steinert schreibt in dem Brief, alle solidarischen Aktivitäten seien bislang von der Zivilgesellschaft ausgegangen. "In mehreren Erklärungen von Regierungsseite werden erstaunlicherweise die Worte lesbisch, schwul, bisexuell und transgeschlechtlich vermieden." Er fordert Müller und Merkel auf, ein "deutliches Zeichen" zu setzen, das der großen Trauer mit den Opfern und ihren Angehörigen gerecht werde.

Bei Facebook veröffentlichte Steinert ein Foto mit dem Brandenburger Tor in Regenbogen-Farben und deutlichen Worten:

Doch in der Berliner Landesregierung ist man offenbar unsicher, wie man mit Ereignissen wie Orlando umgehen soll. Nach Morgenpost-Informationen wird derzeit über eine Strategie diskutiert. Es gehe um die Frage, wo eine Grenze gezogen werde, heißt es. Man könne das Brandenburger Tor nicht alle paar Wochen neu beleuchten. Die Entscheidung, ob das Tor beleuchtet wird, fällt am Ende die Senatskanzlei.

Die Verantwortlichen verweisen auf die geringe, ausgewählte Zahl an Solidaritätsbekundungen in der Vergangenheit. So sei das Brandenburger Tor nur zwei Mal farblich angestrahlt worden, nach den Attentaten von Paris und Brüssel – beides Partnerstädte von Berlin. Außerdem wurde es zwei mal verdunkelt – anlässlich einer Demonstration des Pegida-Ablegers „Bärgida“ sowie während der weltweiten Klimaschutzaktion „Earth Our“.

Berliner gedenken der Opfer von Orlando

Eine Rolle spielt auch, dass das Brandenburger Tor in der Landesregierung als nationales, nicht als typisches Berliner Symbol wahrgenommen wird. Erwägt wird deshalb, Aktionen künftig am Roten Rathaus oder am Fernsehturm stattfinden zu lassen.

>> Debatte um Brandenburger Tor in belgischen Farben

Dass das Brandenburger Tor in Regenbogenfarben erstrahlt, scheint indes nicht ausgeschlossen. Kommenden Sonnabend findet um 21 Uhr am Pariser Platz die zweite Mahnwache „Berlin for Orlando“ statt, mehrere tausend Menschen werden erwartet. Möglicherweise wird es dann doch noch dazu kommen.