Baden in der Spree

Wie der Kupfergraben in Mitte zur Badeanstalt werden soll

In einem Spreearm am Bode-Museum soll bis 2025 ein Flussbad entstehen. Dafür wird vom Sommer an ein Wasserfilter getestet.

Schwimmen vor historischer Kulisse: So könnte das Flussbad Berlin am Kupfergraben ab dem Jahr 2025 aussehen

Schwimmen vor historischer Kulisse: So könnte das Flussbad Berlin am Kupfergraben ab dem Jahr 2025 aussehen

Foto: united/Flussbad Berlin e.V.

Es klingt fast zu schön, um wahr zu sein: Schwimmen in der Spree, direkt an der Berliner Museumsinsel, soll schon in wenigen Jahren wieder möglich sein. Dafür setzt sich die Initiative „Flussbad Berlin“ ein und hat mit der Idee bereits Unterstützung auf Bundes- und Landesebene gewonnen. Im Interview mit der Berliner Morgenpost berichtet Barbara Schindler, Mitglied der Initiative, wie das ehrgeizige Vorhaben gelingen soll.

Berliner Morgenpost: Sie haben angekündigt, 2025 ein Flussbad in Berlin eröffnen zu wollen. Wie realistisch ist das?

Barbara Schindler: Wir gehen davon aus, dass das zu schaffen ist.

Wie genau soll das funktionieren?

Geschwommen werden soll ja nur auf einer Länge von 750 Metern im Kupfergraben, dem stillgelegten Spreearm zwischen Schloßplatz und Bode-Museum. Dem Flussbad-Bereich vorgeschaltet ist ein Filter in der Friedrichsgracht – zwischen dem Wehr am Auswärtigen Amt und der Gertraudenbrücke. Das Spreewasser wird dort in einem mit Schilf bepflanzten Kiesfilter aufbereitet. Solche Anlagen werden zur Abwasserbehandlung oder für Schwimmteiche seit Jahren erfolgreich eingesetzt. Am Ende des Badebereichs vor der Einmündung des Spreekanals in die Spree wird ein neues verstellbares Wehr eingebaut. Das verhindert den Rückfluss von Spreewasser in den Schwimmbereich.

Ist das Wasser das einzige Problem?

Nein. Wir sind gerade dabei, die Besitzverhältnisse zu klären. Die Spree ist als Bundeswasserstraße in Bundeseigentum. Zudem müssen die Belange des Denkmalschutzes berücksichtigt werden, die Zugangsmöglichkeiten, die Kosten…

Bund und Land fördern das Projekt mit rund vier Millionen Euro. Reicht das Geld?

Sicher nicht für die bauliche Realisierung, aber für wichtige Vorarbeiten, wie etwa vertiefende Planungen und Studien zum Denkmalschutz. Das Geld benötigen wir aber auch, um mit Veranstaltungen über unser Projekt zu informieren. Zudem wollen wir dieses Jahr auch eine Repräsentanz im Projektgebiet einrichten, um Berliner und Besucher über das Projektvorhaben zu informieren. Und wir werden ab Spätsommer in einem Testfilter die Wasserreinigung exemplarisch testen. Sobald die Betriebserlaubnis vorliegt, wird er wichtige Erkenntnisse zur Filterkapazität, Betriebsaufwand und Konfiguration liefern. Wir werden also noch 2016 sichtbar vor Ort.

Gerade läuft die Anmeldefrist für den Flussbadpokal am 3. Juli. Gehen die Teilnehmer kein Gesundheitsrisiko ein?

Wir hoffen, dass vor dem zweiten Flussbadpokal kein Starkregen niedergeht, da in dem Fall ungeklärte Überläufe aus der Mischwasserkanalisation den Kanal verschmutzen. Dann müssten wir den Pokal absagen. Um ein Risiko durch mögliche Erkrankungen auszuschließen, wird das Gewässer im Schwimmabschnitt in den Tagen vor der Veranstaltung mikrobiologisch untersucht. Kurz vor der Veranstaltung werden Teile der Schwimmstrecke durch Taucher auf Hindernisse und Verletzungsrisiken abgesucht.

Wie kam es eigentlich zu der Idee, den Kupfergraben zum Schwimmbad zu machen?

Der Gedanke kam Tim Edler und seinem Bruder Jan schon 1998. Damals waren sie Teil der Künstlergruppe „kunst und technik“. Ihr Atelier lag an der Monbijoubrücke mit Blick auf den Fluss. Sie sahen, dass durch den Spreekanal bis auf kleine, wendige Wassertaxis kein Schiff fuhr. Der quasi ungenutzte Kanal stand also am Anfang von allem. Die Idee, den Fluss zum Schwimmen zu nutzen, kam erst danach – das Flussbad ist somit kein Projekt von Schwimmaktivisten. Mittlerweile sind wir ein Verein, der die Säuberung des Spreekanals vorantreibt und das historische Zentrum um weitere, zeitgemäße Funktionen ergänzen möchte: An diesem öffentlichen Raum wäre es schön, wenn aktuelle Themen und Werte unserer Gesellschaft wie Ökologie, Nachhaltigkeit und Partizipation verhandelt werden würden. So wie in Kopenhagen, London, Paris, Zürich. Da schwimmt man bald auch mitten in der Stadt.

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