Zweckentfremdung

„Ich werde weiter an Touristen vermieten“

Stephan la Barré bietet Ferienwohnungen an. Ab Mai ist das nicht mehr erlaubt. Doch der studierte Physiker will sich dem Verbot nicht beugen

Stephan La Barrè rebelliert gegen das Verbot. Er vermietet weiterhin zahlreiche Ferienwohnungen

Stephan La Barrè rebelliert gegen das Verbot. Er vermietet weiterhin zahlreiche Ferienwohnungen

Foto: Joerg Krauthoefer

„Ich lasse mir mein Geschäft nicht so einfach kaputt machen“, sagt Stephan la Barré. Seiner Stimme ist anzumerken, wie sehr es ihn mitnimmt, dass er nun „quasi ein Krimineller“ ist. Denn das Erwerbsmodell, das sich der studierte Physiker und seine Lebensgefährtin in den vergangenen zwölf Jahren aufgebaut haben, ist ab kommendem Sonntag, 1. Mai, größtenteils illegal und per Zweckentfremdungsverbot untersagt. Ende April endet die zweijährige Übergangsfrist, bis zu der Wohnungen gewerblich an Touristen vermietet werden durften. Wer gegen das Gesetz verstößt, dem drohen Geldbußen in Höhe von bis zu 100.000 Euro pro Wohnung.

>> Ferienwohnungen in Berlin: Was ist erlaubt, was ist illegal?

Einen Antrag auf Genehmigung hat das Bezirksamt abgelehnt

Trotz der drakonischen Strafen will la Barré sich dem Verbot, das der Senat 2014 eingeführt hatte, um die massenhafte Umwandlung von Miet- in Ferienwohnungen zu unterbinden, nicht beugen. „Ich werde meine zehn betroffenen Ferienappartements in Moabit über Anträge, Klagen und einstweiligen Rechtsschutz so lange es geht, offen halten, und weiter an Touristen vermieten“, kündigt der 54-Jährige an. Schließlich habe er zehn dieser Appartements in vormals maroden Gewerberäumen überhaupt erst neu geschaffen. Lediglich fünf davon dürfe er auch weiterhin betreiben, weil sie immer noch als Gewerberäume gelten und zur dauerhaften Vermietung ungeeignet seien. Aber in den übrigen zehn soll nach dem Willen des Bezirks Mitte, das ihm die beantragte Genehmigung verweigert hat, ab sofort Schluss sein mit der zeitlich befristeten Vermietung an Touristen. Stattdessen soll la Barré nun feste Mieter für die möblierten Wohnungen finden.

„Ich kann mir eine dauerhafte Vermietung gar nicht leisten, schließlich stehe ich ja auch bei den Banken in der Schuld, die mir das Geld für den Umbau und die Ausstattung der Ferienappartements vorgestreckt haben“, sagt la Barré. Er habe Hunderttausende Euro in die Renovierung und den Ausbau einer alten Filzfabrik und den Ausbau in einem Hinterhof an der Stephanstraße investiert.

Weitere Appartements sind in einer alten Schmiede entstanden. Zudem, so la Barré weiter, müsste er seine sechs Mitarbeiter entlassen und auch er selbst stünde ohne Job da, wenn er nicht mehr an Touristen vermieten dürfe. „Ich habe für jedes einzelne Appartement Anträge gestellt oder bereits Klage gegen die Entscheidung des Bezirksamts Mitte eingereicht“, sagt la Barré. Doch anders als etwa in Pankow soll eine Klage im Bezirk Mitte keine aufschiebende Wirkung haben.

Vermieter setzt auf eine Klärung vor Gericht

Das erbost den Anbieter der Ferienwohnungen besonders. „Wie kann es sein, dass man mein Geschäft plattmacht, bevor das Gericht überhaupt entschieden hat?“, fragt er. Und fügt hinzu, dass er keine andere Chance habe, als ab dem
1. Mai sein Geschäft nur über kostspielige Rechtsmittel am Rande der Illegalität weiterzubetreiben – zumindest, bis das Gericht über seine Klagen entschieden habe. „Wenn ich jetzt meinen Laden schließe, ist er tot“, befürchtet der Vermieter.

Seine Hoffnung ruht nun auf der gerichtlichen Klärung. „Es kann doch nicht sein, dass Rechtsanwälte, Steuerberater, Architekten, Ärzte und viele andere Berufsgruppen unbehelligt weiter ihrem Gewerbe in ehemaligen Mietwohnungen nachgehen dürfen, für uns aber kein Bestandsschutz gelten soll“, sagt er. Schließlich sei die finanzielle Investition in die Ausstattung einer Ferienwohnung durchaus mit der für eine Praxis vergleichbar.