Kreuzgruppe

Lockere Frauen werden vom Berliner Dom gehievt

111 Jahre nach Eröffnung des Berliner Doms ist die Kreuzgruppe renovierungsbedürftig. Sie mussten vom Dach geholt werden.

Ein Kran hebt eine der 700 Kilo schweren Frauenfiguren vom Dom

Ein Kran hebt eine der 700 Kilo schweren Frauenfiguren vom Dom

Foto: Reto Klar

111 Jahre lang waren sie standhaft geblieben, jetzt drohten die beiden Frauenfiguren, die das Kupferkreuz über dem Hauptportal des Berliner Doms flankieren, ins Wanken zu geraten. Am Donnerstag montierten Mitarbeiter einer Berliner Metallrestaurierungswerkstatt die Gruppe der drei Kupferkolosse ab und hievten die zusammen etwa 2,5 Tonnen Metall mit Hilfe eines Krans vom Dach des kirchlichen Vorbaus auf ihre Lastwagen.

Touristen und Berliner Passanten, die das Geschehen verfolgten, bekamen genügend Zeit für ihre Betrachtungen: Die Figuren saßen fester als gedacht, die Demontage habe mehrere Stunden beansprucht, sagte die Sprecherin der Domkirche, Svenja Pelzel, der Berliner Morgenpost.

In den kommenden Monaten sollen die inklusive Sockel jeweils etwa fünf Meter hohen Skulpturen auf ihren konkreten Reparaturbedarf hin untersucht und anschließend restauriert werden. Mitarbeitern des Dombaubüros war im Rahmen einer routinemäßigen Kontrolle in der vergangenen Woche aufgefallen, dass die Verankerung der massigen Schmuckelemente im Sandstein der Domgemäuer starke Korrosionen aufwies.

Insbesondere beim Kupferkreuz in der Mitte war die Unterkonstruktion so stark vom Rost zerfressen, dass das christliche Glaubens- und Leidenssymbol aus Sicherheitsgründen sofort abgebaut und zunächst umgelegt werden musste. Im Dombaubüro geht man davon aus, dass die Konstruktion zur Befestigung des Kreuzes am Bau vollständig rekonstruiert werden muss. Schäden weisen außerdem auch die Kupferhüllen der Kreuzgruppe auf, welche ebenfalls eine Restaurierung notwendig machen.

Geschaffen hatte die Skulpturen zur Bauzeit des Doms der Bildhauer Otto Lessing (1846-1912), ein Urgroßneffe des Dichters Gottfried Ephraim Lessing, der häufig für Kaiser Wilhelm II. arbeitete und Plastiken unter anderem auch für den Reichstag und das Berliner Schloss lieferte. Wer den Berliner Dom in Mitte betritt, schreitet nicht nur unter Lessings Figurengruppe, sondern auch durch von ihm geschaffene Bronzetüren hindurch.

Ab Oktober sollen die beiden Frauenfiguren und das Kreuz wieder auf den Berliner Dom zurückkehren. Unklar ist noch, was die Restaurierung kosten wird. Hierfür müsse der Befund der Spezialisten abgewartet werden, sagte Pelzel. Im Juni 2013 war eine ähnlich große und schwere bronzene Engelsfigur, eine Allegorie der Gnade, ebenfalls für eine Sanierung vom Dach des Doms abmontiert worden. Kosten damals: 34.000 Euro. Jährlich stellt die Domgemeinde eine Million Euro für Baumaßnahmen und werterhaltende Arbeiten an ihrem Gotteshaus zurück. Das Geld erwirtschaftet die Gemeinde selbst.