Nahverkehr

Senat bestraft S-Bahn – und gibt ihr Bußgeld zurück

Wegen nicht erbrachter Leistungen, erhielt die S-Bahn 10,3 Millionen Euro weniger. Doch auf das Geld verzichten, musste sie nicht.

Bei der Berliner S-Bahn läuft es nicht immer rund

Bei der Berliner S-Bahn läuft es nicht immer rund

Foto: picture alliance / dpa

Es klingt wie ein Stück aus dem Tollhaus: Der Berliner Senat straft die Berliner S-Bahn mit einem zweistelligen Millionenbetrag ab, weil das Unternehmen nicht die vereinbarte Leistung erbracht hat. Und anschließend überweist sie das Strafgeld dann doch an die S-Bahn – damit diese die Oldtimerfahrzeuge technisch aufrüsten kann. Das räumte Verkehrsstaatssekretär Christian Gaebler (SPD) am Mittwoch vor dem Bauausschuss des Abgeordnetenhauses ein.

Konkret geht es um die Summe von 10,3 Millionen Euro, die der Senat 2015 von seiner Zahlungen in Höhe von insgesamt 150 Millionen Euro an die S-Bahn einbehalten hat. Gründe für den Strafabzug waren Zugausfälle, Verspätungen und zu kurze Züge, sagte Gaebler. Auf die Nachfrage des Abgeordneten Ole Kreis (SPD), was denn mit diesem Geld nun geschehen soll, sagte Gaebler: „Das Geld soll zur Ertüchtigung der Baureihe 480 verwendet werden.“

Züge müssen modernisiert werden

Die Züge dieser Baureihe waren Mitte der 80er-Jahre von der Waggon-Union, Siemens und der AEG für die BVG entwickelt worden, die zuvor den S-Bahn-Verkehr im Westteil der Stadt von der DDR-Reichsbahn übernommen hatte. Insgesamt 85 Doppeltriebwagen wurden von 1986 bis 1994 gebaut, von denen inzwischen noch 70 im Einsatz. Sie sollten eigentlich am Ende des laufenden Verkehrsvertrages im Dezember 2017 ausgemustert werden.

Weil sich jedoch die Neuausschreibung der Leistungen immer wieder verzögerte, werden die als Ersatz geplanten neuen S-Bahn voraussichtlich erst ab 2021 einsatzbereit sein. Daher müssen die Züge der Baureihe 480 ebenso wie die der Ost-Baureihe 485 länger als ursprünglich geplant im Einsatz bleiben.

Doch damit die Züge weiter fahren können, müssen sie erst einmal umfangreich modernisiert und zudem neu zugelassen werden. Das soll in den kommenden Jahren passieren. Die Kosten von rund 150 Millionen Euro muss überwiegend der Berliner Senat als Verantwortlicher für die verspätete Auftragsvergabe aufbringen.