Familienpolitik

Elmar Pieroths Tochter will für die Grünen ins Parlament

Catherina Pieroth-Manelli ist die Tochter des ehemaligen Berliner Finanzsenators Elmar Pieroth. Sie folgt ihm in die Politik.

Catherina Pieroth-Manelli will für die Grünen ins Abgeordnetenhaus einziehen. Sie tritt in Schöneberg Süd an

Catherina Pieroth-Manelli will für die Grünen ins Abgeordnetenhaus einziehen. Sie tritt in Schöneberg Süd an

Foto: Amin Akhtar

Die Warnung ihres Vaters traf nur Minuten nach der ersten Prognose ein. „Das macht Wowereit nicht mit euch. Das Ergebnis ist zu knapp.“ Catherina Pieroth-Manelli erinnert sich noch genau an den Wahlabend am 18. September 2011. Um 18.05 Uhr telefonierte die Berliner Grünen-Politikerin mit ihrem Vater. Eigentlich hatte ihre Partei gerade ihr bestes Ergebnis bei einer Abgeordnetenhauswahl erzielt. Die 17,6 Prozent führten zu 29 Sitzen. Damit hätte Rot-Grün aber nur eine Mehrheit von zwei Stimmen gehabt. Der damalige Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) ließ die Koalitionsverhandlungen scheitern und setzte auf ein Bündnis mit der CDU.

Die Voraussage des Vaters war also richtig gewesen. Es war wohl die politische Erfahrung, die Elmar Pieroth zu seiner Prognose kommen ließ. Jahrzehnte hatte er sich in der Politik engagiert. In den 70er-Jahren im Bundestag, in den 80er- und 90er-Jahren als Wirtschafts- und Finanzsenator in Berlin. Immer für die Christdemokraten. Seine Partei. Die politische Heimat seiner Tochter sind die Grünen. Und für sie will Catherina Pieroth-Manelli (49) nun fünf Jahre nach dem Telefonat ins Abgeordnetenhaus einziehen. Ihre Chancen stehen nicht schlecht.

Ihr Wahlkreis ist Schöneberg Süd

Am vergangenen Wochenende wurde die gebürtige Hessin, die 1981 mit ihrem Vater nach Berlin kam, auf Platz 21 der Landesliste nominiert. Sollten die Grünen ein ähnliches Wahlergebnis wie 2011 erzielen, müsste Platz 21 reichen für den Einzug ins Abgeordnetenhaus. Aber da gibt es auch noch eine zweite Chance. Catherina Pieroth-Manelli tritt im Wahlkreis Schöneberg Süd an. Den kann man als Grüne gewinnen. 738 Erststimmen fehlten bei der vergangenen Wahl. „Die hole ich“, zeigt sich die studierte Philosophin und Erziehungswissenschaftlerin optimistisch. Trotzdem gibt es die Absicherung über die Landesliste.

Nach fünf Jahren als Landes- und Fraktionsgeschäftsführerin der Grünen, in denen sie, wie es der Name sagt, die Geschäfte der Grünen führte, will Pieroth nun selbst gestalten. Inhaltlich hat sie sich dafür die Gesundheitspolitik ausgesucht. Da geht es um eine ortsnahe, ambulante Versorgung kranker Menschen in Berlin, die sie aufbauen will. Ihr politischer Gegner ist in diesem Politikfeld Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU), dessen politisches Talent – so wollte es wohl die Geschichte – früh von Elmar Pieroth erkannt wurde.

Der Erfinder der Wohnzimmergespräche

Vater Pieroth sorgt schon Ende der 60er-Jahre mit persönlichen Besuchen bei den Wählern zu Hause für eine neue Art des Wahlkampfstils. Diese Nähe sollte er in Berlin bei den von ihm erfundenen „Wohnzimmergesprächen“ in Hellersdorf fortführen. Dabei scheute er auch nicht den gemeinsamen Auftritt mit Linke-Politikern wie Petra Pau. Die persönliche Nähe zu den Menschen zu suchen, das habe sie von ihrem Vater gelernt, sagt Catherina Pieroth-Manelli. Eine Politik nicht nur für die Bürger, sondern mit den Bürgern versucht sie als Kreisvorsitzende der Grünen in Tempelhof-Schöneberg umzusetzen. Bei den Kieztreffen geht es mal um das Älterwerden der Gesellschaft, mal um mehr Energieeinsparungen, mal um das Kochen mit Flüchtlingen. Man müsse den Bürgern häufig auch einfach zuhören, um ihre Anliegen zu verstehen, sagt Pieroth-Manelli, die vor ihrer politischen Karriere eine Kommunikationsagentur leitete.

Politik war allgegenwärtig im Familienleben

Nun geht es um die Kommunikation in eigener Sache und für die Sache der Grünen. Das Diskutieren über Politik habe es in ihrer Familie immer gegeben, über Parteigrenzen hinweg. Der Vater vertrat die Positionen der CDU, die Kinder fanden sich später bei SPD und Grünen wieder. „Wir haben immer über den Tellerrand geschaut – auch mein Vater“, sagt Pieroth-Manelli. Politik war offenbar allgegenwärtig. So gibt es Kinderfotos der kleinen Catherina im Anzug im Sandkasten – es war Wahlkampf, und die Familie Pieroth musste präsentiert werden. Würde Catherina Pieroth-Manelli, selbst zweifache Mutter, auch ihre Kinder für den Wahlkampf nutzen? Die seien 17 und 21 Jahre alt und hätten ihren eigenen Kopf, sagt sie. Aber Unterstützung gibt es trotzdem. Ein Sohn ist bei der Grünen Jugend und war auch beim Landesparteitag dabei. Politik liegt scheinbar in der Familie.

In der Partei gehört sie dem Realo-Flügel an, bundesweit gesehen also dem Kretschmann-Özdemir-Lager. Grün-Schwarz wie in Baden-Württemberg oder in Berlin wohl eher Schwarz-Grün kommt für Pieroth-Manelli aber nicht infrage. Sie setzt wie ihre Partei in Berlin auf Rot-Grün. Noch gibt es Unwägbarkeiten: die Flüchtlingsfrage, die Entwicklung der AfD, eine mögliche Rückkehr der FDP auf die Berliner Bühne.

Verbindungen zum jetzigen Berliner Finanzsenator

Ob sich die Geschichte wiederholt? Gewählt wird ja wieder an einem 18. September. Vielleicht reicht es zu Koalitionsgesprächen von Sozialdemokraten und Grünen. Sollte es dann zu konkreten Verhandlungen kommen, wird auf Seiten der Sozialdemokraten wohl auch Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen in einer Arbeitsgruppe sitzen. Auch hier gibt es den Bezug zur Familie Pieroth. Kollatz-Ahnen ging mit einem Bruder von Catherina Pieroth-Manelli in eine Klasse. Und im Dienstsitz des Finanzsenators hängt in der politischen Ahnengalerie ein Porträt von Elmar Pieroth.

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