Kita-Betreuung

Berlin will die Gebühren für Kitas komplett abschaffen

Bislang sind nur die letzten drei Kita-Jahre kostenlos. Berlins Bildungssenatorin kündigt nun an, die Gebühren komplett abzuschaffen.

Der drei Jahre alte Luis liebt es, mit Wasser und Sand zu experimentieren. In der Kita Brittendorfer Weg in Zehlendorf gibt es dafür sogar einen extra Forscherraum. Das Haus des Kita-Eigenbetriebes Süd-West ist speziell auf die Bedürfnisse der unter Dreijährigen zugeschnitten, denn der Bedarf an Plätzen vor allem für kleine Kinder wächst.

Mehr als 70 Prozent der Eltern geben ihre Kinder schon im Alter unter drei Jahren in eine Kita. Für die meisten ist allerdings wichtig, dass ihr Kind dort auch gut behütet ist. „Wir mussten das Gefühl haben, dass es unserem Kind gut dabei geht, sonst hätten wir es nicht schon mit zehn Monaten abgegeben“, sagt Anne Nidaye, Mutter des heute dreijährigen Papis.

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Nach dem Willen des Senats soll die Betreuung der Kleinsten noch besser werden. Schneller als von den Koalitionsfraktionen von SPD und CDU verlangt, möchte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) die Gruppengröße in den Krippen verkleinern. Noch kümmert sich eine Erzieherin statistisch gesehen um 5,6 Kinder, das Ziel ist ein Personalschlüssel von 4,6.

Statt wie von den Fraktionen geplant in vier Schritten, will Scheeres nur drei Schritte machen. Im kommenden Jahr sollen deshalb 800 zusätzliche Erzieherinnen dafür eingestellt werden und nicht nur 400, wie von den Fraktionen gedacht. Die bereitgestellten 60 Millionen Euro reichten dafür aus, so die Senatorin nach der Senatssitzung, in der die Regierung den Gesetzentwurf beschlossen hat, um die Fraktionsforderung umzusetzen.

1600 neue Erzieher zur Qualitätssteigerung nötig

Insgesamt werden 1600 neue Fachkräfte allein für die bessere Qualität in den Krippen gebraucht. Weitere 100 zusätzliche Stellen werden benötigt, weil mehr Kinder aus sozialen Brennpunkten in den Genuss von personell besser ausgestatten Kitas kommen sollen.

Scheeres hob den „Dreiklang“ hervor, den die Koalition verfolge. Neben der besseren Qualität der „Bildungseinrichtung Kita“ nannte sie den Aufbau von weiteren 14.000 Kita-Plätzen bis 2018, um den steigenden Bedarf zu befriedigen. Dritte Säule ist die Beitragsfreiheit auch für die Ein- und Zweijährigen, die bis 2018 eingeführt wird. Damit wäre Berlin das erste Bundesland, in dem die Kita für alle Eltern kostenfrei wäre. Scheeres stellte sich hinter dieses Konzept, das die SPD-Fraktion unter ihrem Vorsitzenden Raed Saleh durchgesetzt hatte. Zusammen mit den beiden anderen Säulen Qualitätsverbesserung und weiterer Ausbau stehe sie dazu, sagte die Senatorin. Die Eltern würden damit für 2016 um 12,5 Millionen Euro und 2017 um 41,3 Millionen Euro entlastet. Die bisherigen Beiträge übernimmt der Landeshaushalt.

Klare Regelung für Zusatzbeiträge

Die Experten der Bildungsverwaltung sind optimistisch, ausreichend Fachkräfte zu finden. Inzwischen verlassen mehr als 2000 frisch ausgebildete Erzieherinnen pro Jahr die Fachschulen, zusammen mit Quereinsteigern reiche das voraussichtlich aus, hieß es.

Weiterer Bestandteil des neuen Kita-Förderungsgesetzes soll eine klare Regelung für Zusatzbeiträge sein. Viele Träger nehmen den Eltern nämlich Geld für alle möglichen Angebote ab, aber auch um einfach nur Plätze zu reservieren. Das sei illegal, sagte die Senatorin. Es gehe darum, mit Fachleuten eine Obergrenze und Kriterien für Zusatzbeiträge festzulegen.

Grüne halten Pläne für "Irrweg"

Die Grünen kritisierten die Pläne des Senats als „Irrweg“. Erzieherinnen müssten besser bezahlt werden. Hier würden auch die Eltern ihre Beiträge gut aufgehoben sehen. „Rot-Schwarz schenkt den Besserverdienenden Geld, das diese gar nicht haben wollen“, sagte die grüne Kita-Expertin Marianne Burkert-Eulitz.

Insgesamt ist der Krippenausbau aber nicht umstritten. Das merken sie auch in der Kita Brittendorfer Weg. Die Nachfrage der Eltern ist in den vergangenen Jahren gewachsen. Nach dem Umbau im Jahr 2012 hat die Einrichtung die Kapazität von 50 auf 85 Plätze erhöht. Jeder Raum hat einen eigenen Zugang zum Garten, im Foyer gibt es eine Bewegungsbaustelle mit Geräten für Krippenkinder. Für Pierre Jungenickel, Vater des dreijährigen Luis, ist die Kita ein großer Gewinn für seinen Sohn. „Durch das Spielen untereinander lernen die Kinder mehr, als man ihnen als Vater oder Mutter allein zu Hause vermitteln könnte“, sagt er.