Asyl in Berlin

Anwohnerin klagt gegen Flüchtlingsheim am Heckeshorn

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Auf dem Areal der ehemaligen Klinik am Heckeshorn wohnen bereits 300 Flüchtlinge

Auf dem Areal der ehemaligen Klinik am Heckeshorn wohnen bereits 300 Flüchtlinge

Foto: picture-alliance

Knapp 300 Flüchtlinge leben bereits auf dem Gelände der ehemaligen Klinik in Wannsee. Eine Anwohnerin klagt gegen die Nutzung als Heim.

Die ehemalige Lungenklinik Heckeshorn im Berliner Ortsteil Wannsee soll in diesem Jahr auf knapp 800 Plätze für Flüchtlinge aufgestockt werden. Dazu sollen verschiedene, bereits vorhandene Gebäude saniert und ausgebaut werden. Eine Bebauung des weitläufigen Klinikgeländes mit neuen Fertighäusern ist nach einer Studie zwar grundsätzlich möglich, wird aber momentan nicht weiter verfolgt.

Nun hat eine Anwohnerin Klage gegen die Nutzung des ehemaligen Klinikareals als Flüchtlingsheim eingereicht, wie der Tagesspiegel berichtet und zitiert aus einer Pressemitteilung ihres Anwalts. Die Klägerin wohne direkt angrenzend am Klinikareal und sieht in den Plänen ihren Rechtsanspruch auf „Abwehr gebietsfremder Nutzungen“ aus dem Bebauungsplan verletzt. Dieser lege das Areal als „Sondergebiet Klinik“ sowie das Gebiet Am Großen Wannsee als „allgemeines Wohngebiet“ fest. Andere Nutzungen seien unzulässig.

Der Anwalt sagte der Zeitung: "Wir wehren uns dagegen, dass es keine Baugenehmigung gibt, denn hier liegt nun eine Nutzungsänderung vor, die genehmigungspflichtig wäre.“

Petition gegen Flüchtlingsheim-"Ghetto"

Hinter der Klage steht demnach die Initiative "Wannsee 300". Sie wendet sich gegen die Nutzung der ehemaligen Klinik als Flüchtlingsunterkunft. Auf der Plattform change.org startete sie eine entsprechende Petition und fordert "Integration statt Massenunterkunft". Dort heißt es: "Wir sind bereit, die bereits hier lebenden Asylbewerber zu unterstützen und zu integrieren. Doch eine Massenunterkunft für rund 1800 Menschen mit mehrstöckigen Modularbauten, wie der Berliner Senat sie direkt im Naherholungsgebiet am Heckeshorn plant, halten wir für untragbar. (...) Ein Ghetto wird entstehen."

Helmut Krech vom Ökumenischen Willkommensbündnis Wannsee (OEWW) sagte dem "Tagesspiegel": „Mögen sie klagen, aber ich finde das Signal, das 'Wannsee 300' damit aussendet, schade. (...) Ich fände es schade, wenn unsere Willkommenskultur hier in Wannsee nun von einer Empörungskultur abgelöst werden würde.“

Gebäude werden saniert, Unterkünfte erweitert

Als Notunterkünfte in Betrieb sind bereits das ehemalige Therapiewohnheim (47 Plätze) und das Bettenhaus A (229 Plätze). Dort sollen bis zum Sommer weitere 100 Plätze geschaffen werden. Die Häuser D und E sollen noch in diesem Jahr als Notunterkünfte für 250 Menschen hergerichtet werden. Ein Teil der großflächigen Gebäude soll weiter an die bisherige Nutzerin - eine Filmfirma - vermietet werden.

Auch das frühere Schwesternwohnheim soll saniert werden und dann 100 Flüchtlingen Platz bieten. Die maroden Liegehallen sollen abgerissen werden. Dort könnten weitere Fertighäuser mit 450 Plätzen entstehen, was momentan aber nicht geplant ist.

Die abgeschiedene Lage am Wannsee ist aus Sicht des Senats nicht ideal zur Unterbringung von Flüchtlingen. Nur alle 20 Minuten verkehre eine Buslinie zum S-Bahnhof Wannsee. Doch der große Andrang von Flüchtlingen zwinge den Senat, alle geeigneten öffentlichen Liegenschaften zu nutzen.

( BM )