Radikalisierung im Netz

Innenminister kämpft mit YouTubern gegen Hasskommentare

Thomas de Maizière will Jugendliche vor radikalen Islamisten im Internet schützen – und setzt auf die Hilfe von Lefloid und Co.

Bundesinnenminister Thomas de Maiziere (l, CDU) und die Youtuber Nemi El-Hassan (M) und Mirko Drotschmann schauen sich am 03.02.2016 in Berlin in der Bundeszentrale für politische Bildung Youtube-Videos an. Die beiden Youtube-Stars haben für die Bundeszentrale für politische Bildung Filme zum Thema „Begriffswelten Islam“ erstellt. Foto: Kay Nietfeld/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Bundesinnenminister Thomas de Maiziere (l, CDU) und die Youtuber Nemi El-Hassan (M) und Mirko Drotschmann schauen sich am 03.02.2016 in Berlin in der Bundeszentrale für politische Bildung Youtube-Videos an. Die beiden Youtube-Stars haben für die Bundeszentrale für politische Bildung Filme zum Thema „Begriffswelten Islam“ erstellt. Foto: Kay Nietfeld/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Foto: Kay Nietfeld / dpa

Um Jugendliche im Internet nicht radikalen Islamisten zu überlassen, setzt die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) auf die Netzwerke bekannte YouTuber: Zusammen mit YouTubern wie Lefloid, Mr.Wissen2Go oder dem Berliner Kollektiv Datteltäter hat die Bundeszentrale eine Playlist „Begriffswelten Islam“ produziert.

Bei der Vorstellung sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) am Mittwoch in Berlin: „Wir wollen nicht, dass junge Menschen durch ein falsches Verständnis dieser alten Religion radikalisiert werden, sich von ihren Familien abwenden und in Kriegsgebiete gehen“. Die Videoreihe sieht er als einen wichtigen Beitrag zur Aufklärung in einer schwierigen und unübersichtlichen Zeit, in der die Versuchung groß sei, Dinge zu vereinfachen.

Ein Problem sei auch die rasante Verbreitung von Hasskommentaren im Internet, auch Hate Speech genannt. Dadurch versuchen etwa Rechtsextremisten, aber auch radikale Islamisten, Jugendliche für ihre Weltanschauung zu ködern.

>>> Kommentar: Den Radikalen Kontra geben

Die YouTuber Mirko Drotschmann (Mr. Wissen2Go) und die Berliner Medizinstudentin Nemi El-Hassan (Datteltäter) erklären deshalb in ihren Videos bunt, schnell und mit vielen grafischen Elementen, was etwa Begriffe wie Umma, Kalifat oder Dschihad wirklich bedeuten. Beide YouTuber berichteten von mehrheitlich positiven Kommentaren zu ihren Videos – und von einem großen Wissensbedürfnis der jungen Community.

Seit Herbst ist die Playliste bereits online, insgesamt erzielten die Videos bislang rund eine halbe Million Klicks. Bpb-Präsident Thomas Krüger sieht in der Kampagne eine Chance, „radikalisierungsgefährdete Jugendliche zu erreichen“. Eine Grenze aber erkennt auch er: Diejenigen, die schon auf dem Propagandatrip seien, erreiche man wohl nicht mehr.

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