Flüchtlinge in Berlin

Was die Unterbringung von Flüchtlingen in Hotels kosten darf

10.000 Hotelzimmer könnten in Berlin vom Senat für die Unterbringung von Flüchtlingen gemietet werden - doch der Preis ist umstritten.

Berlins Senat hat bestätigt, mit der Hotelkette GCH über die längerfristige Anmietung von bis zu 10.000 Hotelzimmern für die Unterbringung von Flüchtlingen zu sprechen. Der in Medienberichten erzeugte Eindruck, es gebe Verhandlungen, die kurz vor dem Abschluss stünden, sei aber unzutreffend.

Zuvor hatte die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ unter Berufung auf Senatskreise berichtet, dass es bei Verhandlungen um 10.000 Hotelplätze in 22 Hotels der Gesellschaft Grand City Hotels (GCH) gehe. Der Senat sei dem Vernehmen nach an einer mehrjährigen Laufzeit des Mietvertrages interessiert, der sich auf ein Volumen von mindestens 600 Millionen Euro belaufen soll. Die Vereinbarung soll zudem ein „All inclusive“-Programm für Betreuung und Integration der Flüchtlinge beinhalten.

Die Gespräche dienten lediglich der „Marktsondierung“, relativierte nun Senatssprecherin Daniela Augenstein. Der Preis von 50 Euro pro Zimmer und Tag, über den die „FAZ“ auch berichtet hatte, bezeichnete Augenstein als für die reine Unterbringung „nicht angemessen“.

Nach Angaben der Sozialverwaltung zahlt das Land für die 642 in Hostels untergebrachten Flüchtlinge pro Platz und Tag zurzeit im Schnitt 37,50 Euro. Laut dem Berliner Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) könnte die Branche die Unterbringung von 10.000 Flüchtlingen kompensieren. Der Tourismus würde darunter nicht leiden.

Zweifel an der Seriosität des Verhandlungspartners

Eine Hotel-Unterbringung von Flüchtlingen zu den bislang genannten Konditionen ist auch aus Sicht der langjährigen Berliner Ausländerbeauftragte Barbara John unverhältnismäßig. Bei einem Preis von 50 Euro täglich pro Person lägen die Kosten bei 1500 Euro im Monat, sagte sie am Mittwoch im Inforadio des RBB. Einem Hartz-IV-Empfänger stünden dagegen nur 350 Euro im Monat für Wohnraum zu.

Eine Hotelunterbringung vonTausenden Flüchtlingen habe zwar viele Vorteile gegenüber der Beschlagnahme von Turnhallen und Privatimmobilien. Die diskutierte Lösung sei aber viel zu teuer, meinte die Vorsitzende des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Berlin.

Ein weiterer Bericht der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ nährt unterdessen Zweifel an der Seriosität der Gesprächspartner des Senats. Demnach handele es sich bei der Londoner Hampton Holding Limited, die für die GCH als Verhandlungspartner fungiert, um eine Briefkastenfirma.

>> Interaktiv: Woher Berlins Flüchtlinge kommen