Saison-Beginn

Berlins Weihnachtsmärkte: Glühwein mit kleinem Gepäck

Auf den Berliner Weihnachtsmärkten wird stärker kontrolliert. Von Angst vor Terroranschlägen ist aber zum Saisonstart wenig zu spüren.

Das Wetter stimmt zumindest, auch wenn sich die Kälte noch ungewohnt anfühlt: Temperaturen knapp über null, ein paar Schneeflocken rieseln sogar vom Himmel. Beste Voraussetzungen also für einen ersten Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt am Gendarmenmarkt. Jedenfalls ziehen die Getränkestände am Montagmittag, dem Eröffnungstag der Berliner Weihnachtsmärkte, die meisten Besucher an. Zum Beispiel Renate Rogge, die mit Freunden aus Schleswig-Holstein zu Besuch in Berlin ist und sich den Auftakt des Marktes nicht entgehen lassen wollte. Trotz der Anschläge auf Paris, trotz des Ausnahmezustandes in Brüssel. „Nein, hier wollen wir nichts davon wissen, sondern die Stimmung genießen“, sagt die Touristin und nimmt einen kräftigen Schluck aus ihrem Becher.

Auch Nadine Säbel und ihre Freundin, die mit Baby gekommen ist, haben schon am Montagmittag den ersten Glühwein genossen. Die Verabredung steht schon seit Wochen. „Klar haben wir uns nach Paris überlegt, ob wir überhaupt gehen sollen, aber wir können uns doch nicht nur noch Angst machen lassen“, erklärt sie. Irgendwie müsse man dem Terror ja die Stirn bieten. Und zwischen Lebkuchenstand, Bratwurstgrill und Tannenzweigen würden die Gedanken an den Terror ohnehin schnell in den Hintergrund treten. „Weihnachten ohne Weihnachtsmärkte – das ist unvorstellbar“, sagt Nadine Säbel.

Koffer dürfen nicht auf den Weihnachtsmarkt, Rucksäcke werden kontrolliert

Doch es gibt auch weniger zuversichtliche Stimmen auf dem Gendarmenmarkt: Anja Schilling würde in diesem Advent nicht abends auf den Weihnachtsmarkt gehen, wenn viel los ist, und auch nicht auf einen großen Rummel, „da fühle ich mich jetzt nicht wohl“. Aber an diesem Mittag herrscht noch kein großer Andrang, darum macht sie sich jetzt auch keine Gedanken um mögliche Gefahren.

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Die Veranstalter des Weihnachtsmarktes am Gendarmenmarkt haben sich die Gedanken allerdings durchaus gemacht. Schon im Vorfeld wurde auf der Internetseite angekündigt, dass die Sicherheitskontrollen verschärft wurden und Besucher keine Trolleys, Koffer oder großen Rucksäcke auf den Platz mitnehmen dürfen. Bei kleineren Rücksäcken und größeren Taschen würden Kontrollen durchgeführt. In den Stunden nach Öffnung des Marktes hätten die Besucher darauf mit Verständnis reagiert, sagt einer der Sicherheitskräfte am Eingang, „die wissen ja alle, wieso wir das machen müssen“.

Fast alle, denn auf einmal schiebt sich ein älteres Paar schnellen Schrittes mit einem großen Schalenkoffer an der Einlasskontrolle vorbei. Doch weit kommen die beiden nicht. Schon nach den ersten Buden werden sie von zwei Sicherheitskräften aufgehalten. Nach minutenlanger Diskussion verlassen die beiden schließlich kopfschüttelnd den Weihnachtsmarkt. Allzu streng werden die Kontrollen aber offenbar nicht genommen. Jedenfalls beteuert Renate Rogge, während sie den letzten Schluck aus ihrem Glühweinbecher nimmt, dass der Rucksack ihres Begleiters nicht überprüft worden sei.

Innensenator Henkel warnt vor einer Panikmache

Mit Blick auf die Weihnachtsmärkte und auf Silvester warnte Innensenator Frank Henkel (CDU) ohnehin vor Panikmache. „Wir sollten uns von Terroristen nicht unser Leben bestimmen lassen.“ Die zuständigen Bezirksämter, Polizei und Feuerwehr würden sich zusammensetzen und die Sicherheitslage besprechen, so der Senator am Montag.

Von einem erhöhten Einsatz von Sicherheitskräften ist auf anderen Weihnachtsmärkten allerdings nur wenig zu sehen. Vor dem Schloss Charlottenburg gibt es zumindest am Montag noch keine Eingangskontrollen, auf dem Breitscheidplatz, über dem die Dauerbeschallung amerikanischer Weihnachtshits liegt, ist das entsprechende Personal erst auf den zweiten Blick zu erkennen – an ihren Funktionshosen. Für viele Marktbetreiber ist ihre Präsenz aber eine Beruhigung. Zum Beispiel für Carola Neye, die seit 20 Jahren auf dem Breitscheidplatz einen Imbissstand mit Glühwein, Knoblauchbaguettes und Bratwürsten betreibt. Im Vorfeld seien die Standbetreiber auch informiert worden, dass sie die Polizei alarmieren sollen, wenn sie einen herrenlosen Rucksack sehen. „Ja, aufmerksamer ist man dieses Jahr schon“, versichert sie, „aber machen wir uns doch nichts vor: Wenn sich einer in die Luft sprengen will, dann können wir doch nichts machen.“ Diese Gedanken versucht sie aber nicht an sich herankommen zu lassen: „Wir können uns doch jetzt nicht alle in den Keller einsperren.“