Umweltschutz

Grundwasser in Spandau durch krebserregende Stoffe bedroht

Seit vielen Jahren sind krebserregende Stoffe unter Spandau unterwegs. Jetzt sieht der Bezirk das Wasserwerk bedroht und greift ein.

Das Grundstück an der Goltzstraße in Hakenfelde, auf dem der Boden gereinigt werden muss

Das Grundstück an der Goltzstraße in Hakenfelde, auf dem der Boden gereinigt werden muss

Foto: Massimo Rodari

In Spandau sickert ein krebserregender Stoff in den Boden und ins Grundwasser. Quelle der Verunreinigung mit Chlorkohlenwasserstoffen ist vermutlich ein Gewerbegrundstück an der Goltzstraße in Hakenfelde. Wo heute eine Molkereifirma und ein Lebensmittelproduzent arbeiten, lag früher ein Tanklager mit Teerdestillation. Durch Kriegsschäden gelangten die ungesunden Stoffe ins Grundwasser.

„Diese Einträge haben zu einem Grundwasserschaden geführt, der sich mit dem Grundwasserstrom ausgebreitet hat und inzwischen die Wasseraufbereitung des Wasserwerkes Spandau zu beeinträchtigen droht.“ Mit diesen Worten begründet Spandaus Bezirksbürgermeister Helmut Kleebank (SPD) gegenüber dem Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses, warum sein Bezirk 1,5 Millionen Euro mehr ausgeben musste als ursprünglich vorgesehen.

Mit den Sanierungsarbeiten mmusste zügig begonnen werden

Denn der Bezirk hat einen wesentlichen Anteil der Kosten übernommen, um das Grundstück an der Goltzstraße 18–20 zu sanieren und den verschmutzten Boden zu reinigen. Um die Ausbreitung des verunreinigten Grundwasserstroms in Richtung Wasserwerk zu verhindern, musste mit den Bodensanierungsarbeiten so schnell wie möglich begonnen werden, so der Bürgermeister weiter.

Bei den Berliner Wasserbetrieben beschreibt man die Lage im Spandauer Untergrund als weniger dramatisch als im Rathaus. Man habe den Eintrag von Chlorkohlenwasserstoffen schon Anfang der 90er-Jahre festgestellt, sagte Sprecher Stephan Natz. Dieser Stoff sei „flüssiger als Wasser“, versickere deshalb schneller und komme im Erdreich schneller voran. Im Laufe der Zeit bilde sich daraus das krebserregende Vinylchlorid. Die Grenzwerte der Europäischen Union für diesen Stoff liegen laut Natz bei 0,5 Mikrogramm pro Liter Wasser. 2003 habe man erstmals in den Grundwasserbeprobungsbrunnen auf dem Weg vom Gewerbegebiet zum Wasserwerk den Schadstoff festgestellt. Da hatte das verseuchte Wasser etwa die Hälfte der Strecke zu den Trinkwasserquellen zurückgelegt. Die Brunnengalerie Süd des Wasserwerkes liege vier Kilometer von dem verschmutzten Gewerbegrundstück entfernt.

Wasserbetriebe vermuten noch einen anderen Betrieb als Quelle der Verunreinigung

Tatsächlich können die Experten der Wasserbetriebe Vinylchlorid in Spandau nachweisen. Im Rohwasser, also vor der Filtration und Belüftung, liegt der Wert laut Natz bei 0,2 Mikrogramm. Nach der Bearbeitung liege die Konzentration dann unterhalb der Nachweisgrenze. Dennoch sei es richtig, das verschmutzte Grundstück zu säubern. „Das ist wichtig für das Grundwasser.“ Wegen der Entfernung zum Wasserwerk vermuten die Wasserbetriebe aber noch eine andere Quelle für die Verunreinigung. Vermutlich handelt es sich um eine frühere chemische Reinigung, sagte Natz.

Die Senatsumweltverwaltung kennt den Fall zwar, kann ihn aber nach Angaben einer Sprecherin anders als das bezirkliche Umweltamt nicht im Detail beurteilen. Man könne nicht sagen, wie ernst die Sache sei.

Die Kosten fielen viel höher aus als ursprünglich geplant

Der Bezirk sah die Angelegenheit jedoch als dringlich an. Schon 2007 hatte das Bezirksamt gegenüber dem Grundstückseigentümer eine Sanierung angeordnet. Die Untersuchungen wurden erst im Sommer 2014 abgeschlossen, mit erwarteten Kosten von zwei Millionen Euro. Diesen Betrag hätte der Grundstückseigentümer alleine übernehmen müssen, weil er unterhalb des Verkehrswertes des Areals liegt. Nachdem die Sanierung im Juni 2015 begonnen hatte, erwies sich die Kostenschätzung als zu optimistisch. Es wurde erheblich teurer, den verunreinigten Boden zu entsorgen. So begründet Bürgermeister Kleebank, dass der Bezirk nun die über die zwei Millionen Euro hinausgehenden Lasten von 1,5 Millionen Euro schultern muss.

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