Schmutziges Berlin

In Mitte, Friedrichshain und Kreuzberg liegt der meiste Müll

25.000 Kubikmeter beseitigte die Berliner Stadtreinigung im Jahr 2014. Ein Großteil davon landete illegal auf Straßen und Plätzen.

Wilde Müllkippen und die Hinterlassenschaften nach Großveranstaltungen: Berlin hat zwischen 2010 und 2014 rund 22,7 Millionen Euro für die Beseitigung von sogenannter Straßenverunreinigung ausgegeben. Im vergangenen Jahr lagen die Kosten bei 3,8 Millionen Euro. Dies geht aus der Antwort der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt auf eine parlamentarische Anfrage der Abgeordneten Katrin Vogel (CDU) hervor, die am Dienstag veröffentlicht wurde.

Die Kosten wurden aufgewandt, um illegal abgestellten Müll zu entsorgen sowie nach Demonstrationen, etwa dem Christopher Street Day oder den Kundgebungen zum 1. Mai, für saubere Straßen und Plätze zu sorgen. Die Berliner Stadtreinigungsbetriebe (BSR) listen ihren Aufwand nach Regionalzentren auf. Am meisten wurde für Einsätze in Mitte sowie Kreuzberg-Friedrichshain ausgegeben: zusammen 1,5 Millionen Euro. Am wenigsten fiel bei Bezirken an, die selten für Demonstrationen angesteuert werden: Pankow, Lichtenberg und Marzahn-Hellersdorf mit insgesamt 339.000 Euro.

Orte illegaler Abfallentsorgung nehmen seit 2011 zu

Bemerkenswert ist, dass die Kosten sinken. Den aktuellen 3,8 Millionen stehen 5,4 Millionen Euro in 2010 gegenüber. BSR-Sprecherin Sabine Thümler sagte, dies liege vor alllem an effizienterer Arbeitsplanung, etwa bei der Tourenplanung. Daneben verursachten unterschiedliche Arten Müll, von der Autobatterie, Elektrogeräten bis zu Plastikbechern, unterschiedliche Entsorgungskosten.

Etwa gleichbleibend ist die Menge von Müll. Waren es 2011 noch 23.000 Kubikmeter, fielen 2014 25.000 Kubikmeter an, so Thümler. Rund 300.000 Euro kann die BSR alljährlich aus ihrer Kostenrechnung streichen. Es sind jene Fälle, in denen die Verursacher der Umweltverschmutzung identifiziert werden können.

Bis September 6656 auffällige Flächen in Berlin

Als Initiative der Bezirke hebt die Senatsumweltverwaltung etwa Kampagnen in Tempelhof-Schöneberg hervor, bei denen Mitarbeiter der Ordnungsämter Bürger gezielt auf Hundekot und illegale Müllentsorgung ansprachen. Im Juni starteten BSR und der Berlin-Vermarkter „Visit Berlin“ die Initiative „AugenAufBerlin“. Seitdem können Bürgerinitiativen und Privatpersonen via augenauf.berlin zu Veranstaltungen einladen, etwa gemeinsamen Aufräum- und Begrünungsaktionen.

Aktuelle Daten legte die Senatsverwaltung zur Anzahl von Standorten illegaler Müllentsorgung in Berlin vor. Insgesamt gab es im laufenden Jahr bis einschließlich September 6656 auffällige Flächen. 2011 waren es nur 5000. Charlottenburg-Wilmersdorf, Tempelhof-Schöneberg und Friedrichshain-Kreuzberg fehlen in der Auflistung. Nicht in allen Ordnungsämtern werden entsprechende Statistiken geführt.

Online-System für Bürger funktioniert nicht stadtweit

Einen entscheidenden Fortschritt in der Darstellung, welche Bezirke von wilder Müllentsorgung besonders betroffen sind und, daraus folgend, welche Kosten dabei entstehen, kann ein Internetangebot liefern, das aber seit drei Jahren immer wieder aufgeschoben wird. Das Anliegenmanagementsystem (AMS) ist laut Senatsinnenverwaltung bisher nur in Lichtenberg und Treptow-Köpenick in Betrieb. Dort können Bürger das jeweilige Ordnungsamt über Missstände im Bezirk informieren.

Neben Hinweisen auf Lärmbelästigung durch eine Bar und Mängel an der Verkehrsleitung haben Bürger dort auf illegale Entsorgung hingewiesen. Der jüngste Eintrag an diesem
Dienstag beispielsweise vermerkt eine Matratze und Säcke mit Hausmüll, die an der Karl-Kunger-Straße 7 in Alt-Treptow abgeladen wurden. Nach solchen Meldungen können Bürger den Stand der Bearbeitung verfolgen. Im aktuellen Fall ist der Hinweis verzeichnet: „Wurde von BSR am 20.10.2015 erledigt“. Bis das AMS in den anderen Bezirken eingeführt wird, können sich Bürger lediglich direkt an das Ordnungsamt wenden.

https://ordnungsamt.berlin.de/frontend/dynamic#!start/u

http://www.augenauf.berlin/