Entführung am Lageso

Aufnahmen gelöscht – Mohamed bleibt verschwunden

Mehr als 50 Hinweise, doch von Mohamed fehlt jede Spur. Auch aus Datenschutzgründen steht die Polizei mit leeren Händen da.

Ein Bild aus einer Überwachungskamera vom 1. Oktober, das von der Berliner Polizei zur Fahndung herausgegeben wurde

Ein Bild aus einer Überwachungskamera vom 1. Oktober, das von der Berliner Polizei zur Fahndung herausgegeben wurde

Foto: -- / dpa

Eine Mutter ist verzweifelt. Seit mehr als einer Woche ist ihr vierjähriger Sohn Mohamed verschwunden. Seit dem vergangenen Donnerstag vor einer Woche bangt Aldiana Januzi aus Bosnien-Herzegowina um das Leben ihren Sohns.

„Bitte, lassen zurück meine Kinder zu Hause“, sagte sie in die Kamera des Fernsehsenders n-tv. Als sie am 1. Oktober beim Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) ihre Sozialleistungen für ihre Familie abholen wollte, verschwand ihr Sohn von dem Gelände. Seitdem lebt sie mit der Ungewissheit, wo er sein könnte.

Der Vierjährige wurde am Donnerstag, den 1. Oktober, von einem bislang noch unbekannten Mann von dem Grundstück des Lageso an der Turmstraße in Moabit offenbar verschleppt. Seit zwei Tagen verfolgen die Fahnder nun auch eine konkrete Spur. Sie haben den Mann, der im Verdacht steht, Mohamed verschleppt zu haben, auf den Bildern einer Überwachungskamera entdeckt.

Spezielle Suchhunde im Einsatz auf dem Lageso-Gelände

Am Donnerstag hat eine Mordkommission des Landeskriminalamtes die Ermittlungen übernommen, da ein Gewaltverbrechen nicht mehr ausgeschlossen werden kann. Seitdem wird nach dem mutmaßlichen Entführer mit Hochdruck gefahndet. Ein Morgenpost-Reporter schaute sich am Freitag im Lageso um und sprach dort mit wartenden Flüchtlingen. Dabei zeigte er das Foto des gesuchten Mannes her­um. Doch erkannt wurde der Gesuchte von niemandem. Das Fahndungsfoto der Polizei wurde am Lageso übrigens nicht ausgehängt. Lediglich Fotos des gesuchten Jungen sind dort zu sehen.

„Bis zum Freitagabend sind 55 Hinweise auf den Jungen oder seinen mutmaßlichen Entführer bei uns eingegangen“, sagte ein Polizeisprecher. Man würde allen nachgehen, Genaueres könne man aber noch nicht sagen, so die Auskunft am Freitag. „Ein richtig heißer Tipp war aber noch nicht dabei.“ Die Polizei hatte am vergangenen Donnerstagabend die Überwachungsbilder veröffentlicht.

Auch eine Videosequenz veröffentlichte die Polizei auf ihrer Internetseite. Diese zeigt den Mann, wie er mit dem kleinen Jungen an der Hand am 1. Oktober gegen 14.40 Uhr das Gelände am Ausgang zur Turmstraße verließ. Zu Fuß ging er dann in Richtung Stromstraße und U-Bahnhof Turmstraße. In der linken Hand trug der mutmaßliche Entführer eine Plastiktüte und ein Stofftier, das einem Teddybären ähnelt. Damit lockte er vermutlich den kleinen Jungen, hieß es in Ermittlerkreisen.

Die Auswertung von Überwachungskameras auf dem Lageso-Gelände und der Einsatz von Hunden am vergangenen Mittwochabend hatten die Ermittler auf die Spur des mutmaßlichen Entführers gebracht. Nach Angaben des Polizeisprechers Stefan Redlich hätten die Hunde an dem Spielplatz auf dem Grundstück, wo der Junge von Zeugen gesehen wurde, keine Witterung aufnehmen können.

Am Haus A hätten sie jedoch die Spur des Jungen aufgenommen. Diese Fährte führte dann auf dem Lageso-Gelände zu dem Ausgang zur Turmstraße. Mit diesem Wissen und den Bildern aus den Überwachungskameras an der Turmstraße verliert sich aber die Spur. Die Auswertung aus den Überwachungskameras der BVG vom Bahnhof Turmstraße blieben ohne Ergebnis.

Aus Datenschutzgründen muss die BVG die Bilder aus ihren Kameras nach spätestens 48 Stunden löschen. Ob der Mann mit dem kleinen Jungen in den Bahnhof gegangen ist, beziehungsweise mit der U-Bahn weggefahren ist, kann aufgrund der gelöschten Aufnahmen lediglich vermutet werden. Deswegen kann auch nicht gezielt nach Zeugen in der U-Bahn gesucht werden.

Polizei fahndet mit Bildern nach mutmaßlichem Entführer

Fall Mohamed - Kind am Lageso entführt
Video: Polizei Berlin

Die Polizei beschreibt den Unbekannten als Mitteleuropäer in einem scheinbaren Alter zwischen 35 und 50 Jahre. Er ist von schlanker Statur und hat dunkle mittellange Haare mit Geheimratsecken. Bekleidet war er am 1. Oktober mit einem hellen Pullover mit dunklem Kragen. Dazu trug er eine helle Hose und dunkle Schuhe. Der Verdächtige ist Bartträger und trägt vermutlich auch eine Brille. Auf dem Fahndungsfoto ist er mit Brille zu sehen. Die Polizei fragt:

Wer kennt die abgebildete Person oder kann nähere Angaben machen? Wer hat Mohamed zusammen mit dem abgebildeten Mann gesehen?Wer kann sonst sachdienliche Hinweise geben? Hinweise nehmen das Landeskriminalamt unter der Rufnummer 46 64 912 400, unter vermisstenstelle@polizei.berlin.de oder jede andere Dienststelle der Berliner Polizei entgegen.