Flüchtlinge in Berlin

Ahmad ist das erste Baby aus dem Rathaus Wilmersdorf

Ahmads Eltern sind aus Syrien geflohen. Sie leben im ehemaligen Rathaus Wilmersdorf und hoffen auf eine gute Zukunft für ihre Kinder.

Erstes Flüchtlingsbaby im Rathaus Wilmersdorf: Nur, Vater Hasan, Mohamad, Mutter Julia mit Baby Ahmad und Mariam (v.l.n.r.)

Erstes Flüchtlingsbaby im Rathaus Wilmersdorf: Nur, Vater Hasan, Mohamad, Mutter Julia mit Baby Ahmad und Mariam (v.l.n.r.)

Foto: Christian Kielmann

Er ist gerade mal drei Tage jung, wiegt etwas mehr als vier Kilogramm und strampelt voller Energie unbeschwert in den Armen seiner Mutter Julia. Wie groß der Kleine ist, weiß die 24-jährige Syrierin nicht. Aber das spielt hier auch keine Rolle. Hauptsache, das Kind ist gesund.

Julia blickt liebevoll auf den Säugling, der am 29. September um 23.45 Uhr im Martin-Luther-Krankenhaus auf die Welt kam. Schon kurz nach der Geburt waren die Eltern Julia und Hasan mit ihren Kindern Nur (9), Mariam (7), Mohamad (5) und dem neuen Familienzuwachs Ahmad wieder im Aufnahmelager an der Brienner Straße in Wilmersdorf zusammen.

Dort leben die fünf Flüchtlinge aus Syrien und der in Berlin geborene Ahmad in zwei Zimmern. Das ist beengt, aber Julia und ihr Mann Hasan sind erst einmal glücklich. Denn sie haben eine 20-tägige Flucht überstanden, sind in Berlin und ihren Kindern geht es hier gut.

Ahmad ist der erste Säugling, der in Berlin als Kind von Bewohnern des Flüchtlings-Aufnahmelager im ehemaligen Rathaus Wilmersdorf, geboren wurde. Eine der Hebammen, die in dem Heim ehrenamtlich tätig sind, begleitete die jungen Eltern am Dienstagabend in die Klinik. Hasan war bei der Geburt dabei. Es sei alles sehr schnell gegangen, berichten die glücklichen Eltern. „Wir sind so gegen 19 Uhr mit der Hebamme ins Krankenhaus gefahren. Wenige Stunden später war Ahmad schon auf der Welt“, übersetzt Dolmetscher Mohamad.

Der Ingenieur hilft zwei-, dreimal die Woche beim Übersetzen, denn Hasan und Julia, müssen wie fast alle im Heim, erst noch Deutsch lernen. Das wollen sie natürlich auch, wie sie uns erzählen. „Ich will erst Deutsch lernen und mir dann eine Arbeit suchen“, sagt Hasan. Er hofft mit seiner Familie auf eine Zukunft in Berlin. In seiner Heimat Syrien habe er in einer Schreinerei gearbeitet, erzählt Hasan.

„Wir wünschen uns, dass ihm das erspart bleibt, was wir in Syrien erleben mussten“, sagt Hasan. Drei Tage vor ihrer Flucht sei das Haus, in dem sie bis dahin lebten, durch einen Bombenanschlag völlig zerstört worden. Sie haben überlebt.

In Berlin seien sie gut aufgenommen worden, sagt Julia und ergänzt, „hier waren alle sehr freundlich“ Jetzt hoffen Hasan und Julia, dass ihre vier Kinder in Deutschland eine gute Ausbildung machen können und später einen Beruf finden.