Stadtplanung

Friedrichswerdersche Kirche erhält neue Nachbarn

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Isabell Jürgens
Richtfest der „Kronprinzengärten“ (l.) in der Nachbarschaft der Friedrichswerderschen Kirche in Mitte

Richtfest der „Kronprinzengärten“ (l.) in der Nachbarschaft der Friedrichswerderschen Kirche in Mitte

Foto: Guenter Schneider

Die „Kronprinzengärten“ in Mitte feiern Richtfest. Damit ist die Gefahr von Schäden an der Friedrichswerderschen Kirche gebannt

Wohl selten hat ein Bauherr das Richtfest so herbeigesehnt wie Jürgen Leibfried, Geschäftsführer der Bauwert-Gruppe. Mit dem Abschluss der Arbeiten an den Rohbauten für das Gebäudeensemble direkt neben der Friedrichswerderschen Kirche an der Oberwallstraße in Mitte ist nun die Gefahr gebannt, dass das historische Bauwerk weiter Schaden nimmt – zumindest durch die „Kronprinzengärten“, so der Name des aus sieben Townhouses, drei Wohnhäusern mit insgesamt 38 Wohnungen sowie einem Botschaftsgebäude bestehenden Quartiers. „Wir sind froh, das nicht ganz komplikationslose Bauvorhaben nun zu einem guten Abschluss zu bringen“, sagte Leibfried vor 200 geladenen Gästen am Montag.

Den Gästen, unter denen sich auch Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD) befand, versicherte Leibfried, dass die durch die Baugrube verursachten Risse an der von Karl Friedrich Schinkel entworfenen und 1830 errichteten Kirche sämtlich verputzt und das Fundament mit Zementinjektionen stabilisiert sei. Die als Museum genutzte Kirche ist wegen der Schäden seit drei Jahren geschlossen.

Doch in naher Zukunft kann die Kirche wieder öffnen: „Die Kirchenmaler sind gerade dabei, die letzten Spuren des Schadens in der Kirche zu beseitigen“, sagte Leibfried weiter. Im Laufe des Oktobers sollen sämtliche Arbeiten an der Kirche beendet werden. „Durch die Bauverzögerungen in Folge fast einjährigen Baustopps würde das Bauvorhaben nun voraussichtlich im Frühjahr 2016 fertig.

Mehrkosten von 15 Millionen Euro

Die Mehrkosten durch das Kirchen-Desaster beziffert der Bauträger auf rund 15 Millionen Euro. Insgesamt investiert die Bauwert 90 Millionen Euro in das Projekt, das bereits zu 85 Prozent verkauft ist. Anders als ursprünglich geplant wird vis-à-vis des Auswärtigen Amtes nun kein Atelierhaus entstehen, sondern ein Neubau für die Botschaft von Angola, teilte Leibfried mit. Die Lage sei für eine Botschaft bestens geeignet.

Noch zu haben sind neben zwei Gewerbeeinheiten inzwischen nur noch zwei Penthäuser. Deren atemberaubender Blick hat allerdings seinen Preis. Die Kosten für den Quadratmeter liegen zwischen 18.000 und 20.000 Euro. Als die Bauwert das Projekt 2011 erstmals vorstellte, hatte der Höchstpreis noch 5000 Euro pro Quadratmeter niedriger gelegen – bei 15.000 Euro.

„Die Friedrichswerdersche Kirche erhält durch die Kronprinzengärten den städteräumlichen Kontext zurück, den sie bis zum Zweiten Weltkrieg hatte“, sagte Bausenator Geisel. Er begrüße das Projekt, das genauso wie die in Blicknähe liegende Teilrekonstruktion des Berliner Schlosses ein Stück Wiedergewinnung der historischen Altstadt bedeute.

Ensemble am Schinkelplatz ist bald komplett

Die Schinkel-Kirche wird bald wieder komplett eingebaut sein. Am Schinkelplatz hat die Moll-Gruppe ihre Häuserzeile ebenfalls im Rohbau fertig gestellt. Und die Frankonia Eurobau wird das letzte freie Grundstück zwischen Bauakademie und Friedrichswerderscher Kirche ab Oktober mit Wohn- und Geschäftshäusern bebauen.