Flüchtlinge

Kurze Atempause für Verwaltung und Helfer in Berlin

Berlin hat in der vergangenen Woche 5500 Flüchtlinge aufgenommen. Am Sonnabend kommen keine neuen Flüchtlinge per Sonderzug.

Die Warteschlangen im Freien  sollen in der klaten Jahreszeit verschwinden

Die Warteschlangen im Freien sollen in der klaten Jahreszeit verschwinden

Foto: Bernd Von Jutrczenka / dpa

Kurze Atempause für Verwaltung und Helfer: Am Samstag wurden keine neuen Flüchtlinge in Berlin per Sonderzug aus München oder Salzburg erwartet. Das sagte die Sprecherin der Sozialverwaltung, Regina Kneiding, der Deutschen Presse-Agentur. Am späten Freitagabend waren rund 500 Flüchtlinge mit einem Sonderzug aus Salzburg am Regionalbahnhof Flughafen Schönefeld eingetroffen.

Streit im Senat

Im rot-schwarzen Senat gibt es unterdessen Streit über die Abschiebung von Kindern aus West-Balkanstaaten direkt aus Willkommensklassen. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller und Bildungssenatorin Sandra Scheeres (beide SPD) kritisierten scharf das Vorgehen der Ausländerbehörde in der Verantwortung von Innensenator Frank Henkel (CDU).

„Es ist richtig, dass Menschen, die hier keine Perspektive haben, abgeschoben werden“, sagte Müller. Er habe auch nichts dagegen, dass der Innensenator mal ein Exempel statuiere. „Aber es ist inakzeptabel, dass Kinder aus den Willkommensklassen geholt werden.“ Müller und Scheeres nannten dies „pädagogisch eine Katastrophe“, Schulen seien ein geschützter Raum. Scheeres hat bereits zweimal gegen dieses Vorgehen bei Henkel protestiert. Das Thema wird in der kommenden Woche den Senat beschäftigen.

Immobilien gesucht

Inzwischen werden weitere mögliche Unterkünfte geprüft. Anfang dieser Woche kann voraussichtlich der erste Hangar auf dem ehemaligen Flugplatz Tempelhof von Flüchtlingen bezogen werden. Am Wochenende ging dort noch das Lollapalooza-Festival über die Bühne. Das Land könne dann Zelte des Festivalveranstalters in dem Hangar übernehmen, sagte Müller am Freitagabend am Rande des Sommerfestes der Berliner SPD. Es könnten nicht einfach bis zu 800 Menschen ohne jede Privatsphäre nebeneinander untergebracht werden. Duschen und Toiletten müssten dann im nahe gelegenen Columbiabad genutzt werden, wo die Sommersaison zu Ende geht.

Sportler weichen nach Hohenschönhausen aus

Am Freitagabend wurden 552 Flüchtlinge mit BVG-Sonderbussen in zwei große Sporthallen am Olympiapark im Stadtteil Charlottenburg gebracht. Dort hatte die Bundeswehr 600 Betten aufgestellt. In den beiden Sporthallen des Landessportbundes waren nach Angaben Kneidings zuvor noch Schutzböden verlegt worden. Die Sporthallen hätten den Vorteil, dass dort genügend Sanitäreinrichtungen vorhanden seien. Die Sportler wichen unter anderem auf das Sportforum in Hohenschönhausen aus, sagte die Sprecherin. Dort sollen in absehbarer Zeit keine Flüchtlinge untergebracht werden.

Meldungen der Sozialverwaltung per Twitter, dass die ersten der gut 600 Flüchtlinge in der Zeltstadt vor der Kaserne in Spandau in feste Unterkünfte umziehen könnten, bezeichnete Kneiding als falsch. Die Sprecherin des Betreibers Prisod, Susan Hermenau, bekräftigte ebenfalls am Samstag: „Wir sind dran. Aber noch ist nichts passiert. Neue Unterkünfte fallen nicht vom Himmel.“ Die Situation in der Zeltstadt sei entspannt. Seit Samstag funktioniere auch endlich die Beheizung der Zelte per Ölradiatoren.

Senat will Warteschlangen im Freien beenden

In der kommenden Woche soll auch die ehemalige Landesbankzentrale in der Bundesallee in Wilmersdorf als Erstaufnahmeeinrichtung eröffnet werden. So soll vor allem das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) in der Turmstraße entlastet werden. Dort warteten in den vergangenen Monaten täglich mehrere hundert Asylbewerber auf ihre Registrierung, oft tagelang.

Nach einem Bericht des rbb-Inforadios vom Sonnabend wussten die meisten Asylbewerber nicht, warum sie anstehen, wie lange sie noch warten müssen und wo sie die Nacht verbringen sollen, wenn sie noch nicht registriert sind. Angesichts der immer frischeren Temperaturen auch am Tag will der Senat die Warteschlangen im Freien auf dem Lageso-Gelände beenden. Im Foyer der Ex-Bank sei Platz für an die 1000 Menschen.