Wettbewerb angelaufen

Berlin sucht Ideen für das Museum der Moderne

| Lesedauer: 4 Minuten
Gabriela Walde
Ansicht der Freifläche des Kulturforums an der Matthäuskirche (M.) zwischen Neuer Nationalgalerie (l.) und Berliner Philharmonie. Dort soll das Museum der Moderne entstehen

Ansicht der Freifläche des Kulturforums an der Matthäuskirche (M.) zwischen Neuer Nationalgalerie (l.) und Berliner Philharmonie. Dort soll das Museum der Moderne entstehen

Foto: dpa

Die Neue Nationalgalerie in Berlin kann nur einen Bruchteil seiner Sammlung zeigen. Ein neues Museum der Moderne soll Abhilfe schaffen.

Die Neue Nationalgalerie in Berlin kann nur einen Bruchteil ihrer Sammlung zeigen. Ein neues Museum der Moderne soll Abhilfe schaffen. „M20“, so lautet der Arbeitstitel für das neue Haus, das am Kulturforum geplant ist. Zwei Wettbewerbe sollen entscheiden, wie das künftige Museum einmal aussehen soll.

Die erste Wettbewerbssitzung mit „lässigen sieben Stunden“ hat Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) schon hinter sich. Am Donnerstag gilt es, die guten Nachrichten zu verkünden. Nach einigem Streit um den Standort am Kulturforum soll jetzt der Ideenwettbewerb für das Haus anlaufen. Ende 2016 könnte der anschließende Realisierungswettbewerb abgeschlossen sein. Dann kann gebaut werden. „Dieses kulturpolitische Mammutprojekt verdient die besten Architekten“, sagt Grütters am Donnerstag.

Kein städtebaulicher Wettbewerb für das Kulturforum

Grütters geht an diesem Morgen gleich in die Offensive, um die Standortwahl der Potsdamer Straße, zwischen Nationalgalerie und Philharmonie gelegen, zu begründen. Die Entscheidung sei „nicht aus dem Off“ getroffen worden. Eine Variantenuntersuchung noch zu Zeiten ihres Vorgängers Bernd Neumann hätte ergeben, dass die Sigismundstraße, die preiswertere Variante sei, im Wahljahr 2013 habe man mit Rücksicht auf öffentliche Gelder darauf reagiert. Nach ihrer Wahl hätte sie die Diskussion erneut eröffnet. Städtebaulich biete die Potsdamer Straße eine „weit größere Chance“ für das ganze Areal. Entscheidend aber sei, dass an der Potsdamer Straße eine Nutzfläche von 14.000 Quadratmetern zur Verfügung steht, doppelt so viel wie an der Sigismundstraße. Auch der Bundesfinanzminister und die drei Privatsammler, die mit ihren Kollektionen in das neue Gebäude ziehen werden, würden diesen Ort bevorzugen. Tatsächlich hatten diese überlegt, ihre Werke zurückzuziehen, wenn es zur Standortwahl Sigismundstraße gekommen wäre.

Der Erwerb des Grundstücks ist laut Grütters bereits verhandelt, 1,9 Millionen Euro ist es wert. Das Land Berlin überträgt seinen Anteil kostenneutral. Die Evangelische Kirche verkauft ihren Teil zum Marktwert. Mit dem privaten Besitzer soll es einen Tausch geben – die Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) stellt ein Grundstück an der Tiergartenstraße zur Verfügung. Es soll noch den „Wünschen“ des Tauschpartners „angepasst“ werden. Mögliche Erweiterungsbauten der SPK aber sollen durch diesen Grundstückstausch nicht gefährdet sein, sagt Stiftungspräsident Hermann Parzinger. Langfristig ist geplant, dass das Museum der Europäischen Kulturen von Dahlem ans Kulturforum zieht. Grütters plant M20 als ÖPP-Projekt, also in Partnerschaft mit einem privaten Investor – falls sich das in einer Wirtschaftlichkeitsprüfung tatsächlich als günstiger herausstellt. Die abschließende Entscheidung treffe jedoch der Bundestag, so Grütters. Die ÖPP sei von Anfang an im Boot gewesen, als man davon ausging, mit privaten Geld zu bauen. Offenbar ist auch die Bürokratie der Bundesbauverwaltung eine große Hürde.

Grütters sagte, dass die 200 Millionen Euro nur für das Museum reichten, nicht für eine umfassende städtebauliche Neustrukturierung am Kulturforum. „Das ist nicht erforderlich“, findet auch Senatsbaudirektorin Regula Lüscher. „Alle Architekten werden die städtebauliche Perspektive mitdenken und entwickeln“, versichert sie. Dazu gehörten die Sichtachsen zwischen den bestehenden ikonischen Gebäuden und auch der Freiraum auf dem Areal. Architekten, die das nicht täten, hätten eh keine Chance, versicherte sie. Für den Ideenwettbewerb können sich auch jüngere Architekten bewerben, die noch keinen größeren Museumsbau realisiert haben, aber dafür frischen Wind ins Verfahren bringen. Ziel dieser Ausschreibung ist es ja, die Aufgabenstellung für das Haus zu entwickeln. Parzinger hofft auf „kühne und mutige“ Ideen. Längerfristig soll ein Tunnel die Neue Nationalgalerie und M20 als Einheit verbinden, nur so macht das Projekt auch Sinn, damit der Besucher den Zusammenhang der Sammlungsbestände auch erkennen kann. Beide Häuser sollen aber auch autark funktionieren, besitzen eigene Eingänge und Funktionsbereiche wie etwa den Besucherservice. Allerdings ist noch unklar, wann der Übergang realisiert werden kann, da unterirdische Versorgungsleitungen das verhindern.

Laut Günther Schauerte, SPK-Vizepräsident, könnten diese aber ersetzt und verschoben werden, da sie ohnehin marode sind. Wann das passiert, bleibt unklar. „Wir müssen“, erklärt Parzinger, „damit erst einmal leben und warten“.