Bundesweite Anfragen

Containerdörfer für Flüchtlinge - Berliner Modell gefragt

Berlin setzt bei der Unterbringung von Flüchtlingen auf Wohncontainerdörfer. Sie sind umstritten - aber nun bundesweit gefragt.

Baus eines Containerdorfs Flüchtlinge in Berlin -  für den Projektmanager ein Erfolgsmodell

Baus eines Containerdorfs Flüchtlinge in Berlin - für den Projektmanager ein Erfolgsmodell

Foto: Britta Pedersen / dpa

Das Projekt Wohncontainerdörfer für Flüchtlinge ist aus Sicht des Leiters der Berliner „Taskforce Notunterbringung“, Detlef Cwojdzinski, ein Erfolg geworden. „Ich verstehe die Kritik an den Wohncontainern nicht“, sagte Cwojdzinski. „Es sieht zwar von außen wie ein Container aus, aber von innen ist das nicht mehr zu erkennen“, sagte der Krisenmanager der Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales. „Es ist ein komplettes Fertighaus, alles vollkommen neu.“ Zimmer und Flure hätten Tapeten und Linoleumböden, Deckenlampen, nagelneue Küchen und Sanitäreinrichtungen, auf neustem energetischen und ökologischen Stand.

Innerhalb eines Jahres habe der Senat sechs Wohncontainerdörfer mit 2200 Plätzen errichtet und dabei wertvolles eigenes Wissen aufgebaut, betonte Cwojdzinski. Bis Ende August sollen die letzten drei bezugsfertig sein. Die anderen drei sind bereits in Betrieb.

Anfragen aus anderen Städte

Berlins Wissen sei jetzt bundesweit und international gefragt, sagte Cwojdzinski. „Ich kriege viele Anfragen aus anderen Städten, wie wir das so schnell mit den Wohncontainern geschafft haben“, sagte der 60-Jährige nicht ohne Stolz. Berlin habe als erstes Bundesland im vergangenen September nach einer Ausschreibung so viele Wohncontainer geordert und auch bekommen. Inzwischen sei der Markt fast leer gefegt. „Viele, die Wohncontainer für Flüchtlinge sehr kritisch gesehen haben, ändern ihre Meinung, wenn sie sie mal gesehen haben.“

„Es war eine gute Idee, bei dem hochsensiblen Projekt, das so schnell umgesetzt werden musste, einen Krisenmanager einzuschalten“, sagte Cwojdzinski. Der 60-Jährige arbeitet seit 1987 als solcher für die Gesundheitsverwaltung. Immer wenn Krisensituationen zu bewältigen sind, wird Cwojdzinski gerufen. „Die Atomkatastrophe von Tschernobyl war mein erster Einsatz.“

Testumgebung für die Gestaltung von Flüchtlingsheimen

Der Diplom-Verwaltungswirt leitete das Team, das 2010 den Pandemieplan zur Bekämpfung der Schweinegrippe erarbeitete und 2012 nach der Ursache für tausendfache Brechdurchfallerkrankungen forschte. Es waren mit Noroviren verseuchte Tiefkühl-Erdbeeren aus China.

Mit dem Bau von Wohncontainerdörfern auf sechs landeseigenen Grundstücken quer durch die Stadt schlug Sozialsenator Mario Czaja (CDU) im Sommer 2014 eine ganz neue Richtung ein. Bis dahin wurden die Immobilien immer von gemeinnützigen oder freien Trägern gemietet. „Wir bauen uns jetzt unser ganz eigenes Wissen auf, wie man Flüchtlingsheime am besten gestaltet“, betonte Cwojdzinski. Vieles werde hier zum ersten Mal ausprobiert und errichtet, wie eigene kleine Wohneinheiten für Familien und Behinderte oder Hock-Toiletten.