China

Ai Weiwei hat seinen Pass wieder - Berlin hofft auf Besuch

Vier Jahre lang hatte der Künstler Ai Weiwei keinen Pass. Jetzt könnte er wieder reisen - kommt er nach Berlin?

Ai Weiwei hat seinen Pass wiederbekommen

Ai Weiwei hat seinen Pass wiederbekommen

Foto: HANDOUT / REUTERS

Der regierungskritische chinesische Aktionskünstler Ai Weiwei hat nach vier Jahren seinen Pass zurückerhalten. Im sozialen Netzwerk Instagram postete er am Mittwoch ein Foto von sich mit dem Dokument und den Worten: "Heute bekam ich meinen Pass." Es wird erwartet, dass seine ersten Reisen nach Deutschland und Großbritannien führen. In Berlin hofft die Universität der Künste, dass der 57-Jährige vielleicht schon bald seine auf drei Jahre angelegte Gastprofessur antreten kann.

Allerdings war zunächst nicht klar, ob Ai Weiwei Reisefreiheit genießt und jederzeit ein Ausreisevisum bekommt. Der Konzeptkünstler hatte bei der Gestaltung des 2008 eröffneten Pekinger Olympiastadions mitgewirkt, aber auch die Behörden wegen Bausünden nach einem Erdbeben kritisiert.

Im April 2011 war er überraschend festgenommen worden, als er nach Hongkong ausreisen wollte. Erst nach 43 Tagen gab es wieder ein Lebenszeichen von Ai Weiwei, der schließlich nach drei Monaten freikam, aber Peking lange nicht verlassen durfte. Ihm wurden damals Steuervergehen in Millionenhöhe vorgeworfen. Zuletzt konnte er in China aber wieder Ausstellungen realisieren.

Gastprofessur an der UdK Berlin

Ai Weiwei hatte vor seiner Reisesperre eine Gastprofessur an der Universität der Künste in Berlin angenommen, die er bisher nicht antreten konnte. Der Lehrstuhl wird von der Einstein-Stiftung finanziert. Diese Finanzierung halte die Stiftung auch aufrecht, bestätigte ein Sprecher der Hochschule dem Evangelischen Pressedienst (epd).

An der Universität wurde die Nachricht von der Aushändigung des Passes mit Freude aufgenommen und als "positives Zeichen" gewertet - sowohl für Ai Weiwei persönlich, als auch für seine Gastprofessur. Diese rücke nun "möglicherweise in greifbarere Nähe", sagte der Sprecher. Der Präsident der Universität der Künste, Martin Rennert, habe schon vor der Aushändigung des Passes für Oktober ein Treffen mit Ai Weiwei in Peking geplant.

Ai Weiwei reist offenbar nach London

In London teilte die Royal Academy of Arts mit, Ai Weiwei werde im September zu einer großen Einzelausstellung in die britische Hauptstadt kommen. Der Künstler ist Ehrenmitglied der Akademie.

In Deutschland sind Werke des chinesischen Künstlers häufig zu sehen. Im vergangenen Jahr fand die Ausstellung "Ai Weiwei - Evidence" im Berliner Gropius-Bau viel Beachtung. Kunstinteressierte und Politiker in der Hauptstadt hatten aus diesem Anlass auf einen persönlichen Besuch des Künstlers gehofft - vergeblich. Auch den Preis "Botschafter des Gewissens" der Menschenrechtsorganisation Amnesty International konnte der 57-Jährige vor wenigen Wochen nicht selbst entgegennehmen.

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