Forsa-Umfrage

Jeder vierte Berliner Radfahrer missachtet Verkehrsregeln

Eine große Mehrheit der Berliner Radfahrer fühlt sich von Autofahrern bedrängt. Doch viele hadern auch mit der eigenen Spezies.


Radfahrer fahren über die Oberbaumbrücke, aus Kreuzberg in Richtung Friedrichshain

Radfahrer fahren über die Oberbaumbrücke, aus Kreuzberg in Richtung Friedrichshain

Foto: dpa Picture-Alliance / Britta Pedersen / picture alliance / ZB

Berlin ist die Hauptstadt der Radfahrer. Laut Statistik legen die Berliner rund 1,5 Millionen Wege pro Tag mit dem Fahrrad zurück - doppelt so viel wie noch vor zehn Jahren. Während die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung als Grund für die positive Entwicklung ihre erfolgreiche Radverkehrsstrategie anführt, sind viele Zweiradfahrer unzufrieden mit der Situation auf Berlins Straßen. Neben rücksichtslosen Autofahrern stören vor allem andere Radfahrer. Nach eigener Aussage halten sich 25 Prozent der Radfahrer nicht an die Verkehrsregeln. Das geht aus der Forsa-Studie „Fahrradnutzung in Deutschland“ hervor, die am Montag veröffentlicht wurde.

Repräsentative Studie

Für die Studie im Auftrag der Versicherung CosmosDirekt hatte das Meinungsforschungsinstitut Forsa im März dieses Jahres bundesweit 1500 Radfahrer ab 18 Jahren befragt, 150 Interviews entfielen dabei auf Berlin. Über die Hälfte der Berliner Radfahrer (53 Prozent) tritt demnach mehrmals pro Woche oder fast täglich in die Pedale. Auffällig hoch im Vergleich zu anderen Städten ist der Anteil derjenigen, die das Fahrrad nicht nur zu Freizeitzwecken oder für kurze Einkaufswege nutzen. Mehr als ein Drittel (37 Prozent) der Berliner nutzt das Fahrrad, um zur Arbeit zu kommen – immerhin 15 Prozent mehr als im Bundesdurchschnitt: Jeder Zweite Berliner gab bei der Befragung an, er komme mit dem Fahrrad zügiger voran als mit anderen Verkehrsmitteln (bundesweit sagen das 36 Prozent)

Betrunkene Radfahrer

Genervt sind Fahrradfahrer in der Hauptstadt von anderen Verkehrsteilnehmern. Von rücksichtslosen Autofahrern fühlen sich 64 Prozent der befragten Berliner bedrängt. In anderen Städten scheint dieses Problem noch gravierender zu sein: deutschlandweit fühlen sich 67 Prozent durch den Pkw-Verkehr gestört, in Hamburg sind es laut Studie sogar 73 Prozent. Doch Berlins Fahrradfahrer hadern auch mit der eigenen Spezies: 59 Prozent der Radfahrer beklagen sich über unvorsichtige andere Zweiradfahrer. Bundesweit liegt die Quote bei 49 Prozent.

Dass sich die Radfahrer von ihrer eigenen Gruppe der Verkehrsteilnehmer gestört fühlen, könnte daran liegen, dass viele die Verkehrsregeln schlicht ignorieren. Jeder vierte Radfahrer in der Hauptstadt hält sich nach eigener Aussage „eher häufig“ oder gar „sehr häufig“ nicht an die geltenden Verkehrsregeln. Jeder Dritte (36 Prozent) räumt zudem ein, dass er schon einmal alkoholisiert gefahren ist.

Mangel an Radwegen

Unzufrieden sind die Radfahrer in der Hauptstadt auch mit der Infrastruktur: Fehlende Radwege beklagen 49 Prozent der Befragten. Immerhin sind das weniger Unzufriedene als im Bundesdurchschnitt: Den Mangel an Radwegen beklagen deutschlandweit 54 Prozent der Radfahrer.

Aus diesem Grund hat der Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club (ADFC) am Montag auch das von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) angekündigte Investitionsprogramm für den Straßenbau kritisiert. 2,7 Milliarden Euro ausschließlich für den motorisierten Verkehr seien der falsche Weg. Für die marode innerstädtische Fahrradinfrastruktur benötigten die Kommunen dringend Bundesmittel, etwa durch einen Sonderfonds für geschützte Radspuren. „Wer bei uns Radfahren will, muss schon ziemlich stark und mutig sein. Komfortable Radwege, die eine sichere Distanz zum schnellen Autoverkehr bieten, sucht man hier vergeblich“, sagte ADFC-Bundesgeschäftsführer Burkhard Stork.