Radverkehr in Berlin

Wie Radfahrer mit dem Grünem Pfeil schneller abbiegen sollen

Der Grüne Pfeil für Radfahrer soll den Fahrradverkehr beschleunigen - auch in Berlin fordert ein Bezirkspolitiker. Es gibt Vorbilder.

Kommt der Grüne Pfeil für Radfahrer auch in Berlin?

Kommt der Grüne Pfeil für Radfahrer auch in Berlin?

Foto: dpa Picture-Alliance / Hauke-Christian Dittrich / picture alliance / dpa

Roland Prejawa steht mit seinem Fahrrad vor der roten Ampel an der Kreuzung Suarez- und Kantstraße – und ist genervt. Obwohl an diesem Sonntagvormittag nur wenige Autos über die Kantstraße rollen, dauert es quälend lange, bis die Ampel endlich auf Grün springt. Für Prejawa, der auf seinem Weg zum Charlottenburger Rathaus häufig hier vorbeikommt, war diese „Standardsituation, die man als Fahrradfahrer häufig in Berlin erlebt“, die Initialzündung zu einem Vorstoß, für den er jetzt politische Unterstützung sucht. Der Verkehrsexperte der Grünen im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf hat eine Initiative gestartet, die ein neues Verkehrszeichen zum Ziel hat: der Grüne Pfeil für Fahrradfahrer.

„Wir wollen das Rechtsabbiegen für Radfahrer vereinfachen“ erklärt Roland Prejawa. Statt lange zu warten, soll für Radler an vielen Kreuzungen ein Grüner Pfeil eingerichtet werden. Dort wäre dann das Abbiegen nach rechts erlaubt, auch wenn die Ampel auf Rot steht, wenn der Verkehr es erlaubt.

„Diese Regelung beschleunigt schon in den Niederlanden und Frankreich die Wege der Radfahrenden,“ nennt Roland Prejawa Vorbilder aus anderen Ländern.

Neues Verkehrszeichen

Um das Verkehrszeichen auch in Deutschland heimisch zu machen, hat der Bezirkspolitiker einen Antrag geschrieben, in dem das Bezirksamt aufgefordert wird, sich beim Senat für ein entsprechendes Verkehrszeichen einzusetzen. Der Senat wiederum müsste sich auf Bundesebene für das Projekt stark machen, denn „neue Verkehrszeichen sind Bundessache“, so Prejawa. Der 53-Jährige hofft auf schnelle Bearbeitungszeit. Schließlich sei ja nach der Wiedervereinigung mit dem Einheitsvertrag auch der Grüne Pfeil aus den neuen Bundesländern im gesamten Bundesgebiet sehr zügig eingeführt worden.

Seitdem bedeutet das immer rechts neben der Ampel angebrachte Grünpfeilschild: Das Rechts-Abbiegen bei „Rot“ ist erlaubt, nachdem zuvor an der Haltelinie gestoppt wurde. Fußgänger, Radfahrer und der Querverkehr haben jedoch immer Vorfahrt.

Wer das missachtet, dem drohen drei Punkte in Flensburg und bis zu 75 Euro Geldbuße. „Es ist klar, dass auch bei einem Grünen Pfeil nur für Radfahrer die gleichen Regeln gelten“, so Prejawa. Und natürlich müsse der Grüne Pfeil, der ja nicht für alle Verkehrsteilnehmer, sondern nur für Fahrradfahrer gelten soll, so gestaltet werden, dass Missverständnisse ausgeschlossen sind.

In München gibt es schon Erfahrungen

Nicht nur in Frankreich und den Niederlanden gibt es entsprechende Vorbilder, an denen man sich orientieren könnte. Auch in der bayerischen Landeshauptstadt München gibt es bereits seit einigen Jahren Versuche, dem Fahrradverkehr, wo dies gefahrlos möglich ist, Vorrang einzuräumen.

So ordnete die Verkehrssteuerung des Kreisverwaltungsreferates 2006 erstmalig in Deutschland das bisher nur für den Straßenverkehr geltende Grünpfeilschild exklusiv auch für den Radwegverkehr an. „Allerdings haben die Bayern dabei auf einen Trick zurückgegriffen, indem sie die üblichen Grünpfeilschilder an nur für Radfahren geltenden Ampeln angebracht haben. „Die Bayern haben also gar kein neues Verkehrsschild eingeführt, sondern nur ein bestehendes an die Fahrradampel montiert“, so Prejawa. Der Nachteil sei, dass die Kreuzungen in Berlin keine gesonderte Radfahrerampel haben. „Die Münchener Idee ist nicht schlecht, aber eben nur die kleine Lösung“, so der Verkehrspolitiker.

Die erste Hürde hat Prejawas Antrag bereits genommen. Die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) hat seinen Vorschlag in den Verkehrsausschuss überwiesen, wo er nun fachlich beraten wird, „und anschließend hoffentlich von der BVV beschlossen“.

Geteilte Resonanz

Auf Landesebene immerhin stößt der Grüne Pfeil für Radfahrer zumindest nicht auf generelle Ablehnung. „Die Idee ist grundsätzlich gut“, findet etwa Oliver Friederici, der verkehrspolitische Sprecher der CDU. Allerdings müsste das Verkehrszeichen eindeutig so gestaltet werden, dass sich Autofahrer nicht fälschlich angesprochen fühlen. „Und man muss jede Kreuzung sehr genau auf ihre Eignung untersuchen“, so Friederici weiter.

Etwas skeptischer dagegen ist der SPD-Abgeordnete Ole Kreins. „Wir sollten uns beim Radverkehr auf dringlichere Probleme konzentrieren“, findet der Verkehrsexperte der Sozialdemokraten. Die Ordnungsämter hätten schon genug damit zu tun, dafür zu sorgen, dass Autos nicht auf den Radwegen halten. Die Frage, ob ein Grüner Pfeil nur für eine Gruppe von Verkehrsteilnehmern in Berlin überhaupt auf Akzeptanz stoßen würde, sei ohnehin noch nicht beantwortet.

In der eigenen Partei gibt es auf Landesebene zwar eine generelle Zustimmung. Allerdings empfiehlt der grüne Verkehrsexperte Stefan Gelbhaar, noch die Auswertung des französischen Pilotprojektes abzuwarten, denn dort wird sogar eine noch weitergehende Regelung erprobt: Ende Januar 2012 wurde in Frankreich ein neues Verkehrszeichen eingeführt, das es Radfahrern erlaubt, an einer roten Ampel rechts abzubiegen oder geradeaus zu fahren, sofern keine Rechtsabbiegerspur existiert.

Berlins Radverkehr hat sich verdoppelt

Verkehrssenator Andreas Geisel (SPD) hatte erst kürzlich darauf hingewiesen, dass sich der Radverkehr in Berlin binnen zehn Jahren fast verdoppelt hat: 1,5 Millionen Wege täglich werden per Rad zurückgelegt, weitere 900.000 wären dafür geeignet.

Nach Auskunft des Senators kommen 2015 vier Euro pro Einwohner dem Radverkehr zugute. 20 Kilometer neue sowie die Sanierung von zehn Kilometer Radwegen würden in diesem Jahr erfolgen.

Dass diese Anstrengungen offenbar nicht reichen, um Berlin zur fahrradfreundlichen Stadt zu machen, hat jedoch der aktuelle Fahrradklimatest ergeben. Bundesweit landete die Hauptstadt bei der Befragung von Radfahrern nach ihrer Zufriedenheit von 39 Plätzen nur auf Platz 30. 3814 Berliner hatten an der Umfrage teilgenommen. Sie monierten vor allem zugeparkte (Note 5,3) und zu schmale Radwege (4,8), die zudem im Winter nicht geräumt werden (4,9).