Nach Columbiabad-Randalen

Ärger im Freibad - "Das Sicherheitskonzept ist zu lasch"

Im Neuköllner Columbiabad ist es zu Ausschreitungen gekommen. Die Polizeigewerkschaft DPolG fordert nun klare behördliche Auflagen.

Nach Ausschreitungen im Sommerbad Columbiabad in Neukölln hat die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) die Sicherheitsmaßnahmen der Berliner Bäder-Betriebe (BBB) scharf kritisiert. Das bisherige Sicherheitskonzept sei zu lasch, "für Sommerbäder müssen klare Regeln gelten", sagte der Landeschef der DPolG Berlin, Bodo Pfalzgraf, am Mittwoch.

Konkret fordert die DPolG klare behördliche Auflagen, Videoüberwachung, konsequente Strafverfolgung und ein schlüssiges Sicherheitskonzept. Laut Pfalzgraf müssen maximale Besucherzahlen für Sommerbäder vorgeschrieben werden, weil Überfüllungen immer zu Problemen führen würden. "Gerade in Katastrophenfällen. Die Loveparade lässt grüßen", so Pfalzgraf.

Weil es in der Regel nur an einigen besonders heißen Tagen im Jahr in Berlins Freibädern voll wird, haben sich laut Pfalzgraf Politik und Bäderbetriebe bisher vor "klaren Entscheidungen gescheut". Die Betreiber schicken zwar Wachleute in die Freibäder: Allein im Columbiabad kontrollieren zwischen 18 und 24 Sicherheitsmitarbeiter Taschen auf gefährliche Gegenstände und patrouillieren über die Liegewiesen. Diese Wachleute seien aber oft unzureichend ausgebildet, sagt Pfalzgraf. Zudem gebe es nicht genügend Sicherheitspersonal, um die Zahl der Besucher an heißen Tagen im Auge zu behalten. Vergangenes Wochenende waren rund 180.000 Gäste in Berlins Bädern. Am Sonntagnachmittag, als es im Columbiabad zu der Prügelei kam, musste es von der Polizei von rund 6000 Gästen geräumt werden.

"Polizisten sind keine Reserve-Schwimmmeister"

"Polizisten sind keine Reserve-Schwimmmeister", sagte Pfalzgraf. Gefahrenabwehr gehöre zwar wohl zu den Aufgaben der Polizei. Deswegen sind auch schon seit Jahren immer mal wieder Zivilpolizisten in Badehose sowie uniformierte Polizisten in den Bädern. Das müsse aber eine Ausnahme bleiben, so Pfalzgraf. "Im Kern sind die Bäder für die Sicherheit im Bad zuständig."

In der Landespolitik wurde besonders der Vorschlag der DPolG, Strafverfolgung konsequenter zu gestalten, begrüßt. Berlins Bäder seien grundsätzlich für alle da, sagte Grünen-Politiker Benedikt Lux der Berliner Morgenpost. "Wenn jemand aber wiederholt stört, sollte dieser auch ein Hausverbot bekommen – nicht nur für ein, sondern für alle Bäder", so Lux.

Auch Dennis Buchner, sportpolitischer Sprecher der SPD, sagte am Mittwoch, dass Hausverbote in Zukunft konsequenter verhängt und durchgesetzt werden sollen. Zudem würde Buchner begrüßen, wenn Einlasskonzepte erneut getestet werden. "Familien suchen in Bädern Ruhe und Erholung. Wenn wir so etwas wie Familientage hätten, würden sie diese auch finden", so Buchner.

Politiker warnen vor Überregulierung der Berliner Bäder

In Berlin sind Familientage im Sommerbad Pankow 2013 nach einer größeren Prügelei zwischen Gästen probeweise eingeführt wurden. Damals stieß das Konzept jedoch auf scharfe Kritik. Es wirke nicht integrativ, sondern ausgrenzend, sagten mehrere Politiker.

Darunter Mitglied im Sportausschuss und CDU-Abgeordneter Peter Trapp, der auch am Mittwoch die Idee von pauschalen Sperrungen ablehnte. Nur bestimmte Jugendliche oder problematische Gruppen sollten gezielt angesprochen und gegebenenfalls nicht hineingelassen werden, so Trapp.

Hierfür forderte Trapp die Bäderbetriebe auf, Präventivmaßnahmen zu verstärken. Ausschreitungen und Eskalationen können am besten durch Projekte wie "Bleib Cool am Pool" vermieden werden. Das Präventionsprojekt wird von Mitarbeitern der Gesellschaft für Sport und Jugendsozialarbeit (GSJ) sowie der Polizei Berlin umgesetzt und läuft seit 2011. Dabei werden Jugendliche zu Konfliktlotsen am Beckenrand ausgebildet. Das Projekt soll gewaltpräventiv, deeskalierend und integrativ wirken.

Sowohl Trapp und als auch Buchner warnten vor einer Überregulierung bei Berliner Bädern. Momentan gibt es laut Trapp nur sehr wenige Vorfälle in Berliner Bädern im Jahr. Bleibt es bei diesen vereinzelten Ausschreitungen, müssen die "so geregelt werden", sagte Trapp. Ein neues Sicherheitskonzept mit schärferen Maßnahmen sei erst dann notwendig, wenn es häufiger Probleme in Sommerbädern gibt. "Eine stärkere Polizeipräsenz in den Berliner Bädern ist meines Erachtens nicht wünschenswert und sollte die allerletzte Maßnahme sein", so Trapp weiter.

Hitze trifft auf Testosteron

Ein Sprecher der Innenverwaltung sagte der Berliner Morgenpost auf Anfrage, die Polizei wie auch die BBB arbeiteten im Hinblick auf die Sicherheitslage in den Einrichtungen der BBB eng zusammen. Die Steigerung des Sicherheitsgefühls der Nutzerinnen und Nutzer der Berliner Sommerbäder stehe dabei im Vordergrund. Staatssekretär Bernd Krömer sagte, die Polizei habe bei beiden Einsätzen im Columbiabad einen guten Job gemacht. "Offenbar ist bei einigen Besuchern der Bäder zu viel Hitze auf zu viel Testosteron getroffen. Bei Vorfällen wie in den letzten Tagen in den Freibädern wird die Polizei stets konsequent durchgreifen", so Krömer.

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