Kudamm

Der Abriss des Hotel Kempinski wird immer konkreter

Für das Grundstück des Hotel Kempinski am Kudamm gibt es Neubaupläne. Die Baubehörde hätte gegen einen Abriss nichts einzuwenden.

Vor dem Abriss: Das Hotel Kempinski am Kudamm

Vor dem Abriss: Das Hotel Kempinski am Kudamm

Foto: Archiv Kempinski Hotel Bristol Berlin

Sollten die Pläne für die Neubebauung des Grundstücks Hotel Kempinski am Kurfürstendamm und an der Fasanenstraße umgesetzt werden, wird der Schankvorbau mit der Dachterrasse samt Restaurant der Vergangenheit angehören. Wie berichtet, hat der Nachbar des renommierten Hotels, die Kempinski Plaza (Uhlandstraße 181), bei der Baubehörde des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf eine Anfrage gestellt, wie die Ecke neu bebaut werden darf. Solch eine Anfrage dürfe jeder stellen, für jedes Grundstück, machte Stadtplanungsamtsleiter Rainer Latour klar, bevor er Einzelheiten der Bebauung vorstellte.

Noch ist nämlich nicht klar, ob das Grundstück, auf dem das Kempinski seinen Hotelbetrieb unterhält, und das im Hof des Kempinski liegende Nachbargrundstück, das Kempinski Plaza, zusammen beplant werden können. Nach Auskunft der Kempinski AG gibt es nämlich „derzeit produktive Verhandlungen mit den Eigentümern des Hotels Bristol mit der beidseitig angestrebten Zielsetzung, auch weiterhin eine langfristige Betreibung durch die Unternehmensgruppe Kempinski zu gewährleisten“, so eine Sprecherin.

Unabhängig davon gibt es aber auch Baupläne, die am Mittwochabend im Ausschuss im Rathaus Charlottenburg vorgestellt wurden. Danach ist ein kompletter Abriss des Hotel-Bestandsgebäudes samt dem 13-geschossigen Bettenhaus geplant. Die Baubehörde hat laut Stadtrat Marc Schulte (SPD) eine positive Stellungnahme abgegeben, dem Antragsteller aber noch keinen Bescheid darüber erteilt. Entstehen sollen nach den Plänen sechs neue Geschosse sowie ein zurückgesetzes Staffelgeschoss. Es würde etwa so hoch wie die übliche Bebauung am Kurfürstendamm, 60 Zentimeter höher als die Traufhöhe mit rund 22 Metern.

Hotel im kleinen Stil

Das neue Unter-, Erd- und erste Geschoss möchte Kempinski Plaza für Handel nutzen, darüber sollen Wohnungen entstehen. Dort, wo sich jetzt der hohe Bettenturm befindet, soll nach einem Abriss auch ein Hotel entstehen, aber im kleinen Stil. Im Innenbereich des Areals zwischen Uhland- und Fasanenstraße plant der Antragsteller ein Wohnhaus an der Brandwand eines Gebäudes, ansonsten bleiben dort die Gebäude des Kempinski Plaza erhalten.

Vertreter der Grünen im Ausschuss möchten erreichen, dass bei einer Neubebauung die Behörde auf den Bauherren einwirkt, dass zumindest Erinnerungsmuster geschaffen werden. „Für West-Berlin hat das Kempinski eine hohe Bedeutung. Der Standort ist kulturpolitisch bedeutsam, deswegen sollte man das Projekt nicht einfach durchwinken“, mahnte Volker Heise (Grüne). Und Christiane Timper (SPD) wollte wissen, wieso der Bestandsbau nicht umgebaut werden kann für die neue Nutzung: „Es ist doch in etwa dieselbe Baumasse, und keine Verdichtung, die geplant ist.“ Doch das scheitert laut Latour vor allem an dem Grundriss des Hotel-Turms, der anders organisiert ist als ein Wohnhaus. Bei der Frage, ob das Haus schützenswert als Denkmal sei, winkte Stadtrat Schulte ab: 2005 sei entschieden worden, dass es nicht denkmalswert sei. „Sonst hätten wir den neuen Schankvorbau nicht genehmigt.“

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.